95 Gesamtschüler erhalten ihr Abitur – 87 Prozent ohne Empfehlung für Gymnasium Trotz Hindernissen am Ziel angekommen

Bad Oeynhausen (lw). Freie Zeit, Müßiggang, Nichtstun – das ist die ursprüngliche Übersetzung des griechischen Wortes Schola, zu Deutsch Schule. Mit der Bedeutung hätten die 95 Abiturienten der Gesamtschule Bad Oeynhausen aber nichts mehr zu tun, war sich Bürgermeister Achim Wilmsmeier bei der Entlassfeier am Freitag sicher.

Mit 95 Schülern ist der Abiturjahrgang 2016 der elfte insgesamt und der zweitgrößte nach 2015 in der Geschichte der Gesamtschule Bad Oeynhausen. Am Freitag haben die Abiturienten ihre Zeugnisse erhalten. Die Redner rieten den jungen Menschen, Hindernisse und Rückschläge im Leben nicht nur negativ, sondern auch als Chance zu sehen.
Mit 95 Schülern ist der Abiturjahrgang 2016 der elfte insgesamt und der zweitgrößte nach 2015 in der Geschichte der Gesamtschule Bad Oeynhausen. Am Freitag haben die Abiturienten ihre Zeugnisse erhalten. Die Redner rieten den jungen Menschen, Hindernisse und Rückschläge im Leben nicht nur negativ, sondern auch als Chance zu sehen. Foto: Lissi Walkusch

»Oder habt ihr die ganze Zeit auf der faulen Haut gelegen?«, wollte er scherzhaft wissen. »Manche von euch hatten während der Schule sogar Zeit, sich zu verlieben.« Aber Spaß beiseite.

Natürlich war der Bürgermeister am Freitag nicht im Theater im Park, um die Leistung der Gesamtschüler kleiner zu reden. Vielmehr wollte er Mut machen, dass nicht immer alles nach Plan laufe. »Im Leben geht es nicht nur um Noten und Auszeichnungen«, sagte er.

»Stolpern gehört zum Leben dazu«

Ähnlich äußerte sich Schulleiter Dirk Rahlmeyer. »Jeder erleidet irgendwann einmal Rückschläge. Es ist unmöglich, im Leben ohne sie auszukommen – es sei denn, ihr lebt extrem vorsichtig und vermeidet sie. Aber dann war euer Leben umsonst – und automatisch ein einziger Rückschlag.«

Mit dem Zitat der »Harry Potter«-Schriftstellerin Joanne K. Rowling wollte er darauf hinweisen, dass man aus Rückschlägen lernen soll. »Stolpern gehört zum Leben dazu«, sagte Rahlmeyer. Er verwies gleichzeitig noch auf ein paar prominente Schul- und Uni-Abbrecher wie Steve Jobs, Harald Schmidt und Joschka Fischer. »Ihr müsst eine Sache finden, die ihr liebt«, zitierte der Schulleiter Apple-Gründer Steve Jobs.

Rahlmeyer strich zudem noch die »beachtliche Zahl« an Schülern mit Migrationshintergrund heraus, die nun die Berechtigung haben, in Deutschland und der EU (»Wahrscheinlich ohne England«) zu studieren.

Er schloss seine Rede mit den Worten: »Heute wird gefeiert. Aber schon morgen sollten wir anfangen, die Welt etwas besser zu machen.« Zumindest ersterem kamen die Schüler am Freitag gerne nach.

Oberstufenleiter rechnet ab

Aber nicht vor der »Abrechnung« des Oberstufenleiters Nikolai Kalinowski – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der »Albtraum eines jeden Schulschwänzers«, wie Schüler Leon Meyfeld, der mit Franziska Schmitt die Moderation übernahm, Kalinowski nannte, hatte akribisch Tabellen zusammengetragen.

Mit einem Notendurchschnitt von 2,67 sei der Jahrgang 2016 zwar etwas besser gewesen als der Jahrgang zuvor. Dennoch habe man noch nicht die Leistung der Gymnasien erreichen können. Man könne nun meinen, dass die Gesamtschüler einfach nicht so gut seien.

Doch der Oberstufenleiter sah bei seinen Schülern die viel größere Leistung. »87 Prozent von Ihnen haben keine Empfehlung fürs Gymnasium nach der Grundschule bekommen. Und jetzt erhalten Sie Ihr Abitur.«

»Aspire Showteam« zeigt spektakuläre Akrobatik

Und die Urkunde nahmen die 95 Schüler feierlich entgegen – natürlich auch mit entsprechend festlicher Kleidung. Doch neben all dem Ernst bei der Abiturientenfeier der Gesamtschule gab es auch einige künstlerische Höhepunkte.

Die spektakulärste Einlage lieferte wohl das »Aspire Showteam«. Zwei junge und vier ältere Mädchen wirbelten mit akrobatischen Sprüngen durch die Gegend. Musikalische Beiträge gab es ebenso.

Geehrt als Jahrgangsbeste wurden Matteo Tschesche (Note 1,1) und Jana Budde (1,5). 16 Gesamtschüler erreichten insgesamt einen Einserdurchschnitt. Schüler mit der größten Leistungssteigerung in der Oberstufe war Marian Sunderbrink. Die wenigsten Fehlzeiten konnte Nadine Diekmann vorweisen. Jannis Krüger bekam außerdem für seine Physikleistungen einen Buchpreis der deutschen physikalischen Gesellschaft.

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