Zum Bau von Sozialwohnungen liegen Einschätzungen von Rathaus und Heimstätten-Gesellschaft auseinander Stadt und Heimstätte sind uneins

Bad Oeynhausen(WB). Wann, wo, in welcher Form und welchem Umfang sozialer Wohnungsbau erfolgt: Darüber diskutieren derzeit Stadt und Städtische Heimstätte (SGH), so auch in einem Arbeitskreis. Das haben Bürgermeister Achim Wilmsmeier und SGH-Geschäftsführer Thomas Fischer erklärt.

Von Claus Brand
Stadt und Städtische Heimstätte suchen nach einem Nenner zum Bau von Sozial-Wohnungen. Verdeutlicht haben die Positionen (von links) SGH-Geschäftsführer Thomas Fischer, Bürgermeister Achim Wilmsmeier und Kämmerer Marco Kindler.
Stadt und Städtische Heimstätte suchen nach einem Nenner zum Bau von Sozial-Wohnungen. Verdeutlicht haben die Positionen (von links) SGH-Geschäftsführer Thomas Fischer, Bürgermeister Achim Wilmsmeier und Kämmerer Marco Kindler. Foto: Brand

Fischer setzt im wesentlichen auch auf den Wohnungsbestand der SGH. Der Bürgermeister hält dagegen auch Investitionen in neue Gebäude für dringend notwendig. Einigkeit besteht, dass die weitere dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, Stichwort Integration, und ein erweitertes Angebot von Wohnraum für sozial schwächere heimische Wohnungssuchende in einem Konzept gleichberechtigt sein müssen.

Ghettobildung darf es nicht geben

Fischer: »Eine Ghettobildung darf es nicht geben.« Der Bürgermeister verweist darauf, noch zu viele Sammel-Unterkünfte für Flüchtlinge zu haben. »Das ist keine Dauerlösung.« Er rechnet mit einer Weichen stellenden Entscheidung zum sozialen Wohnungsbau vor den Sommerferien: »Damit wir in die Bautätigkeit reinkommen.« Der SGH-Aufsichtsrat kommt Ende Mai das nächste Mal zusammen.

»Wenn man als Stadt eine Wohnungsbau-Gesellschaft hat, liegt es nahe, mit ihr darüber im Gespräch zu sein«, sagte Wilmsmeier. Im Rückblick auf die seit Spätsommer 2015 verstärkt erfolgte Unterbringung von Flüchtlingen in SGH-Wohnraum lobte Fischer die gute Zusammenarbeit der Stadt mit dem SGH-Team: »Die Unterbringung erfolgt so, dass Flüchtlinge im Bestand dezentral mit aufgenommen werden. Das klappt sehr gut.« Dank zu zollen sei Mitbewohnern, »die sich um Flüchtlinge kümmern, sie integrieren, bis hin zu Tipps für den Alltag, wie zum Beispiel zur Mülltrennung.« Eine genaue Zahl der in SGH-Wohnraum untergebrachten Flüchtlinge nannte Fischer nicht. »Eine Vielzahl«, sagte er. »Wir haben einen sehr guten Beitrag geleistet.« Einige hätten Wohnungen auch schon wieder gekündigt. Die Gleichberechtigung anderer Wohnungssuchender sei Aufgabe der gemeinnützigen SGH.

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Die Planungen sind noch nicht ausgereift

Thomas Fisccher (SGH-Geschäftsführer)

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»Wir haben Planungen erstellt, die sind aber noch nicht zu Ende gereift«, führte Fischer aus. Diese seien noch mit dem Aufsichtsrat abzustimmen. Er könne sich Aktivitäten sowohl im Stadtzentrum, »vorrangig«, als auch in bestimmten Ortsteilen vorstellen. »Die Anbindung an Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten und Busverbindungen muss passen.« Die SGH habe Grundstücksoptionen, »mit einer verdichteten Bebauung im Bestand.« Beim Umfang baulicher Aktivität dürfe man die demografische Entwicklung nicht außer Acht lassen: »Wir werden immer weniger.«

Kleine Wohnungen sind gefragt

Generell fehlten auf dem Markt vor allem kleinere Wohnungen für Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte, »beispielsweise für Alleinstehende und Alleinerziehende.« Auch altengerechte Wohnungen seien gefragt, mit kurzen Strecken zum Arzt oder in die Stadt. Diese Nachfrage wachse. Sanierungen im Bestand, in den vergangenen zehn Jahren mit mehr als 300 Wohnungen Schwerpunkt der SGH, würden unter diesem Vorzeichen erfolgen, jüngst an der Arndtstraße, Hagenstraße und am Fröbelweg. Das verlangten die Bewohner.

Den Anteil der Wohnungen im Bestand, für die noch Sozialbindung gilt, bezifferte Fischer auf 40 Prozent. Er bestätigte, dass in den vergangenen zehn Jahren keine Sozialwohnungen gebaut wurden. Nach dem Mauerfall habe es Zuzug gegeben, mit Nachfrage als Folge. Darauf habe man seinerzeit mit dem Bau von 265 Wohnungen reagiert. Wilmsmeier unterstrich: »Fest steht, dass wir jetzt neue Wohnungen brauchen. Da müssen wir schauen, wie das mit der SGH-Struktur zusammenkommt.« Die SGH schaue auf den Bestand. Die Stadt habe Probleme mit der Unterbringung. Zur Lösung des Problems setzte man auf die Erfahrung der SGH. So sähen auch die Ratsbeschlüsse aus.

Flüchtlinge dezentral unterbringen

Fischer sieht gute Möglichkeiten, weitere Flüchtlinge dezentral im Wohnungsbestand unterzubringen, »schneller und besser als durch Neubauten.« Die SGH verwalte etwa 2000 Wohnungen. Die Umsetzung eines Konzeptes müsse betriebswirtschaftlich Sinn machen. Der Bürgermeister sieht hier die Notwendigkeit zu prüfen, welche Fördermittel es gibt, »um bei Neubauten eine nicht dauerhaft rentable Vermietung auszuschließen.« Dabei könne es auch um »einfache Bauweise« gehen, die günstiger sei. Er hält als »Grundbedarf« neuen Wohnraum für 100 Menschen für realistisch, »ohne Risiko späteren Leerstandes.« Das Konzept müsse die Unterbringung im Bestand, »die nicht reicht«, und neuen Wohnraum auf einen Nenner bringen. Fischer: »Es darf aber nicht so aussehen, dass wir jetzt bauen und in fünf bis zehn Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung Leerstand haben.«

»Wichtig ist die Nachhaltigkeit«, so Wilmsmeier. »Man weiß nie genau, wie sich Flüchtlingszahlen entwickeln.« Ende 2015 seien es viele gewesen. »Die Überlegungen war da sehr akut. Sie gibt es weiter.« Erfolgreich hat die Stadt zuletzt auch im Zuge der Versendung von Steuerbescheiden bei Bürgern freien Wohnraum nachgefragt.

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