Sänger Joris spricht über seinen Weg zum Erfolg »Das ist wie eine Droge«

Bad Oeynhausen (WB). Seit der Sänger Joris im Frühjahr mit seinem Debütalbum »Hoffnungslos hoffnungsvoll« Platz 3 der Albumcharts erobert hat, gehört er zu den angesagtesten deutschen Newcomern. Sein Auftritt beim Parklichter Open Air am Freitag, 7. August, im Kurpark Bad Oeynhausen ist für den Vlothoer ein Heimspiel. Warum der 25-Jährige trotz seines Erfolges bodenständig bleibt, schildert er im Gespräch mit Redakteur Malte Samtenschnieder.

Mit der Single »Herz über Kopf« ist der Sänger Joris weit über seine Heimatstadt Vlotho hinaus bekannt geworden. Beim Parklichter Open Air am Freitag, 7. August, im Kurpark Bad Oeynhausen steht der 25-Jährige mit von ihm geschätzten Kollegen wie Clueso und Patrice auf der Bühne.
Mit der Single »Herz über Kopf« ist der Sänger Joris weit über seine Heimatstadt Vlotho hinaus bekannt geworden. Beim Parklichter Open Air am Freitag, 7. August, im Kurpark Bad Oeynhausen steht der 25-Jährige mit von ihm geschätzten Kollegen wie Clueso und Patrice auf der Bühne. Foto: Hanzh Chang

Sie sind in Vlotho aufgewachsen und haben dort auch musikalisch Ihre ersten Gehversuche gemacht. Am Freitag, 7. August, stehen Sie in der Nachbarstadt Bad Oeynhausen beim Parklichter Open Air vor bis zu 5000 Fans auf der Bühne. Mit welchen Gefühlen sehen Sie diesem Heimspiel entgegen?

Joris: Da ich in diesem Jahr von Mai bis November auf Tour bin, habe ich im Moment ziemlich viele Heimspiele. Ich denke etwa an die Auftritte bei »Eine Nacht in Bielefeld« oder bei »Bochum total«. Ich bin überwältigt, mit wieviel Liebe mich die Fans überall empfangen.

Und was ist mit den Parklichtern? Waren Sie schon einmal dort?

Joris: Nein. Bisher noch nicht. Ich kann mich aber noch an eine  Physikstunde während der Schulzeit in Vlotho erinnern, als Mitschüler von der Veranstaltung geschwärmt haben. Seit dieser Zeit bin ich neugierig auf die Parklichter. Natürlich kenne ich aber den Kurpark Bad Oeynhausen. Den habe ich sogar schon meiner Band gezeigt, mit der ich auch zu den Parklichtern komme.

Wie kam es denn dazu?

Joris: Zwischen einem Auftritt in Dresden und dem Konzert bei »Eine Nacht in Bielefeld« hatten wir einen Tag frei. Da haben wir einen Abstecher zu meiner Familie nach Vlotho gemacht. Erst waren wir dort im Freibad. Anschließend waren wir im Kurpark Bad Oeynhausen. Die besondere Atmosphäre dort hat uns sehr gut gefallen.

Sie stehen bei den Parklichtern unter anderem mit Clueso und Patrice auf der Bühne. Was können Sie sich als Newcomer bei diesen beiden erfahrenen Kollegen abschauen?

Joris: Beide haben eine große Expertise. Aber auch ich selbst mache schon seit 20 Jahren Musik. Zudem habe ich eine erfahrene Band an meiner Seite. Clueso mag ich sehr. Wir haben kürzlich bei einem Festival in Hannover gemeinsam zu einem meiner Songs gejammt. Und wenn Patrice seinen Reggae auspackt, wird es einfach Sommer. Ich hoffe, dass ich mir die Auftritte der beiden bei den Parklichtern ansehen kann. Vielleicht bleibt ja auch nach den Konzerten noch etwas Zeit für ein, zwei kühle Getränke – wenn wir nicht am nächsten Tag schon wieder an unterschiedlichen Enden von Deutschland für Konzerte auf der Bühne stehen.

Es ist auffällig, dass im Moment vor allem deutsche Sänger und Bands – zumeist auch mit deutschen Texten – die Spitze der deutschen Album-Charts dominieren. Wie erklären Sie sich das?

Joris: In erster Linie machen sie einfach alle gute Musik. Ich selbst habe während unserer Tour auch schon viele tolle Kollegen kennengelernt. Ich bin mit den Fantastischen Vier und Max Herre aufgetreten. Auch Rae Garvey habe ich vor einiger Zeit kennengelernt. Er ist ein cooler Typ. Er hat sich meinen Auftritt von vor der Bühne angeschaut. 

Warum haben Sie sich entschieden, auf Deutsch zu singen?

 Joris: Groß geworden bin ich mit englischsprachiger Musik. Als ich als Kind angefangenen habe, Schlagzeug zu spielen, liefen oft die Blues Brothers im Hintergrund. Im elften Schuljahr war ich dann für ein Jahr in Texas und habe mich intensiv mit der Folkmusik beschäftigt. Vor vier Jahren habe ich dann meine ersten Texte auf Deutsch geschrieben. Ich habe festgestellt, dass mir das eine große Energie gibt. Anders als bei englischen Songs können meine Zuhörer die deutschen Texte unmittelbar bis ins letzte Detail verstehen. Und es ist toll, wenn Fans den Text meiner Single »Herz über Kopf« mitsingen. Das ist wie eine Droge.

Nach Schlagzeug- und Klavierunterricht als Kind haben Sie in Berlin Ton- und Musikproduktion studiert und später die Popakademie Mannheim besucht. Kann man sagen, Sie haben nichts dem Zufall überlassen?

Joris: Als Kind war ich ein fürchterlich fauler Musikschüler. Deshalb kann ich bis heute nicht so gut Noten lesen. Ich habe jedoch früh gelernt, zu improvisieren. Dabei habe ich erkannt, dass die Musik aus einem selbst kommen muss. Nach dem Abitur bin ich dann nach Berlin gegangen, um andere Kreative kennenzulernen. Das war auch der Grund, warum ich später nach Mannheim weitergezogen bin. Dort treffen ganz verschiedene Menschen und Kunstformen aufeinander.

Mit Ihrem Debütalbum sind Sie direkt auf Platz 3 in den deutschen Charts geschossen. Was haben Sie gedacht, als Sie davon erfahren haben?

Joris: Im ersten Moment war das irreal. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war gerade auf einer Radio-Promo-Tour in Bremen, als ich die Nachricht bekam. Ich bin dann direkt weiter nach Berlin. Dort, bei meiner Plattenfirma, haben wir eine Party geschmissen.

Ihr Durchbruch kam mit der Single »Herz über Kopf«. Wie sind Text und Musik entstanden?

Joris: In meinen Liedern verarbeite ich Situationen aus meinem Leben. Ausgangspunkt war hier eine Hassliebe, die mich in die fragwürdigsten Situationen gebracht hat. Außerdem war ich zu der Zeit viel unterwegs, eigentlich schon zu viel, so dass ich kaum noch geschlafen habe. Aber ich lebe nun mal zu 100 Prozent im Hier und Jetzt und treffe viele Entscheidungen eher mit dem Herz als mit dem Kopf.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie den Song – mit Ihrem eigenen Gesang – im Radio hören?

Joris: Anfangs fand ich das sehr spannend. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt. Ich muss allerdings sagen, dass ich zurzeit sehr wenig Radio höre. Im Moment sind Sie viel unterwegs.

Bleibt da noch Zeit für neue Songs?

Joris: Wir probieren jeden Tag neue Sachen aus. Und wir spielen auch jeden Abend ein anderes Set. Denn es ist ja auch bei jedem Konzert ein anderes Publikum da, das anders auf die Musik reagiert.

Was machen Sie nach einem richtig stressigen Tag, um sich wieder zu erden?

Joris: Wir haben innerhalb der Band angefangen, vor den Konzerten Fußball zu spielen. Wir brechen ja meist – nach zwei, drei Stunden Schlaf – mit dem Tourbus auf. Darin wird dann weiter gepennt. Wenn wir am Konzertort ankommen, bringt uns das Fußballspielen Energie für unseren Auftritt. Worauf dürfen sich die Besucher des Parklichter Open Airs freuen? Joris: Wir werden die Musik spielen, die wir sonst auch spielen. Ich freue mich darauf, dass viele Bekannte unter den Zuhörern sein werden. Deshalb werde ich den Auftritt sehr genießen. Überhaupt bin ich dankbar, dass ich im Moment so viel Glück habe.

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