Corona-Krise: Gemeinde Schlangen rechnet mit erheblichen Einnahmeausfällen Nachts sollen Laternen dunkel bleiben

Schlangen (WB). Bisher stand für die CDU in Schlangen eines außer Frage: Die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung sollte in absehbarer Zeit aufgehoben werden. Ein entsprechender Rats­antrag hat aktuell aber nur noch wenig Aussicht auf Erfolg. Der Grund: Durch die Corona-Krise rechnet die Gemeinde mit erheblichen Einnahmeausfällen. Der Sparzwang wächst deutlich.

Von Klaus Karenfeld
In Schlangen wird die Straßenbeleuchtung derzeit auf LED-Technik umgestellt.
In Schlangen wird die Straßenbeleuchtung derzeit auf LED-Technik umgestellt. Foto: dpa

Die Entscheidung des Gemeinderates, die Straßenbeleuchtung zur Nachtzeit abzuschalten, liegt bereits einige Jahre zurück. Vor allem wirtschaftliche Gründe waren dafür seinerzeit ausschlaggebend. Von dieser Sparmaßnahme ausgenommen sind bis heute lediglich die stark befahrenen Verkehrsstraßen in Schlangen. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen erheblich verändert. Wie berichtet, wird die Straßenbeleuchtung in Schlangen zurzeit auf LED-Technik umgestellt. Dadurch soll Strom eingespart und Energiekosten gesenkt werden.

Nächtliche Zwischenfälle halten sich sehr in Grenzen

Für die Christdemokraten war die Nachtabschaltung „stets nur als vorübergehender Behelf gedacht“, heißt es in einem Antrag. Zwar würden die meisten Gemeindestraßen in der Nacht nur wenig frequentiert. Und auch nächtliche Zwischenfälle hielten sich erfreulicherweise sehr in Grenzen. Davon zu unterscheiden ist nach Meinung der CDU-Fraktion aber das subjektive Sicherheitsgefühl der Schlänger: „Dabei geht es auch nicht nur um den Schutz vor Straftaten, sondern vorrangig um das ‚Sehen und Gesehen-werden‘ und die Vermeidung von Unfällen.“ Die „dunklen Ecken“ würden zwar von vielen Menschen als Notwendigkeit hingenommen. Sie sollten jedoch nach Ansicht der CDU verschwinden, wenn sie wirtschaftlich nicht mehr geboten sind.

Erheblicher Einspareffekt

Sind diese Sorgen und Wünsche berechtigt? Gespannt wartete der Gemeinderat daher auf einen Bericht von Florian Wiesing. Der Mitarbeiter von Westfalen-Weser-Energie stellte fest: Sollte die Nachtabschaltung in Schlangen auf allen Verkehrsstraßen wieder aufgehoben werden, würde sich die Betriebsdauer der Leuchten fast verdoppeln, und zwar von 2400 Stunden im Jahr auf dann 4200 Stunden. Aufhorchen ließ noch ein anderer Zahlenvergleich: In Schlangen gab es lange keine Nachtabschaltung, die alten Leuchtkörper erwiesen sich mit einem Verbrauch von 380.000 Kilowattstunden je Jahr als wahre Stromfresser. Durch die Nachtabschaltung konnte dieser Wert auf 228.000 Kilowattstunden sinken.

Die Einführung der LED-Technik bringt einen weiteren erheblichen Einspareffekt. Vor­ausgesetzt die Gemeinde hält an der Nachtabschaltung weiter fest, liegt der prognostizierte Stromverbrauch künftig bei nur 129.000 Kilowattsunden. Bliebe die Straßenbeleuchtung dagegen die ganze Nacht über eingeschaltet, würde der Stromverbrauch bei 215.000 Kilowattstunden liegen.

Neuanlagen könnten sich in zehn Jahren amortisieren

Und nicht zu vergessen: Bei Beibehaltung der bisherigen Regelung könnten sich die LED-Neuanlagen Wiesing zufolge innerhalb von zehn Jahren amortisieren, bei Wegfall der Nachtabschaltung wäre das erst in 12,5 Jahren der Fall.

Wiesing erinnerte auch an einen wichtigen Umwelteffekt: LED-Technik und Nachtabschaltung führen in Schlangen zu einer erheblichen CO 2 -Einsparung um 72 Tonnen je Jahr, blieben die Leuchtkörper die ganze Nacht über eingeschaltet, wäre der Einspareffekt mit 58 Tonnen deutlich niedriger. „Schon das ist ein Grund, die bisher bewährte Praxis beizubehalten“, stellte Marcus Foerster von den Grünen fest.

Eine kurze Kontroverse gab es im Gemeinderat um die Frage: Führen dunkle Straßen automatisch zu mehr Kriminalität? Zu dieser nicht unumstrittenen Einschätzung war Wiesing am Ende seines Vortrags gekommen. Er hatte dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen verwiesen, von denen es aktuell aber nur wenige gebe. Dem widersprach Bürgermeister Ulrich Knorr: „Es gibt nachweisbar keine signifikante Erhöhung von Straftaten bei weniger Licht auf den Straßen.“ Der Kreis Lippe sei statistisch gesehen einer der sichersten in ganz Nordrhein-Westfalen.

Gerd Bollhöfer (FDP) bezweifelte, ob der Umstieg auf LED-Technik wirklich so erfolgreich gewesen sei: „Die neuen Leuchtkörper haben zumindest für Kohlstädt nichts gebracht.“

Hält die CDU den Antrag aufrecht?

Auch für die CDU ist nicht alles zur vollsten Zufriedenheit verlaufen. An manchen Stellen sei eine vollständige Ausleuchtung von Fahrbahn und Gehweg durch LEDs nicht gewährleistet. „Dies ist insbesondere in Alleen der Fall, wo der Gehweg außerhalb der Baumreihen liegt und die Straßenleuchten zwischen Gehweg und Fahrbahn aufgestellt sind”, machte Dr. Walther Husberg deutlich. Da sich die Haushaltslage der Gemeinde mit der Corona-Krise deutlich verschlechtert hat, überlegt die CDU, ob sie ihren Antrag auf Aufhebung der Nachtabschaltung noch aufrecht erhält.

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