Paderborner Unternehmen will 65 Millionen Euro investieren
Streit um 13 geplante Windräder auf dem Kamm des Teutos

Detmold (WB) -

Sollen auf dem Kamm des Teutoburger Waldes 13 Windräder entstehen? Der Waldbesitzer, die Investoren und Naturschützer liegen im Clinch.

Donnerstag, 28.01.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 29.01.2021, 06:42 Uhr
Diese Animation soll zeigen, wie es einmal aussehen könnte, wenn Windräder auf dem Kamm des Teutoburger Waldes stehen.

Die Gauseköte ist eine vielbefahrene Passstraße über den Teutoburger Wald. Von Detmold-Berlebeck kommend führt die Landstraße mit bis zu 18 Prozent Steigung hoch auf den Kamm und von dort hinunter nach Schlangen-Oesterholz. Der Wald rechts und links des Passes gehört Stephan Prinz zur Lippe, und er möchte einen Teil der Flächen verpachten – für den Bau von 13 Windrädern. Das ruft Naturschützer auf den Plan.

Stephan Prinz zur Lippe.

Stephan Prinz zur Lippe. Foto: Oliver Krato

65 Millionen Euro will das Paderborner Unternehmen Westfalen-Wind nach eigenen Angaben investieren, um im Gebiet der Kommunen Schlangen, Horn-Bad Meinberg und Detmold 13 Anlagen vom Typ Enercon 160 zu errichten. Sie haben eine Nabenhöhe von 166 Metern, die Rotoren einen Durchmesser von 160 Metern, und sie können bei Volllast 5,5 Megawatt Strom erzeugen. Windräder dieses Typs sind getriebelos, so dass es kein Öl gibt, das sich entzünden und einen Waldbrand entfachen könnte.

Der Windpark soll 400 Hektar groß werden, 2,6 Hektar Boden werden nach Angaben der Investoren dauerhaft versiegelt. Der Genehmigungsantrag liegt beim Kreis Lippe, bis Ende der Woche sollen noch fehlende Gutachten nachgereicht werden.

Der Lippische Heimatbund, der NABU Lippe, der BUND, der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge, die Landesgemeinschaft Natur- und Umwelt und die Bezirkskonferenz Naturschutz haben sich zusammengetan, um das Vorhaben zu verhindern. Sie sehen in den Windrädern eine Gefahr für Vögel, sie fürchten um die weitere touristische Entwicklung des Teutoburger Waldes, aber vor allem befürchten sie, dass den Windrädern ökologisch wertvolle Laubmischwälder geopfert werden könnten.

Stephan Prinz zur Lippe sagt, ihn überrasche die massive Kritik, zumal den Verbänden ja noch gar nicht alle Details bekannt seien. „Die Fragen, die sie aufwerfen, sind Fragen, die der Kreis Lippe im Zuge des Genehmigungsverfahren prüfen wird. Das ist ein ganz normales Verfahren.“

Nach Angaben Stephan Prinz zu Lippes sollen die Windräder ausschließlich auf Flächen entstehen, in denen Fichten Trockenheit, Stürmen und Borkenkäfern um Opfer gefallen sind. „Insgesamt sind 500 Hektar meines Waldes zerstört.“ Einen Hektar aufzuforsten koste etwa 10.000 Euro, sagt der Detmolder. „Die jährliche staatliche Förderung ist auf 50.000 Euro pro Waldbesitzer beschränkt. Sie reicht also in keinem Fall, um die riesigen, zerstörten Flächen wieder aufzuforsten.“ Und die Natur alleine schaffe das nicht. „Fichtensamen wird vom Wind fortgetragen, sodass sich die Bäume gut vermehren können. Eicheln oder Bucheckern fallen aber einfach zu Boden. Es braucht Baumgenerationen, wenn ein Laubwald von selbst entstehen soll.“

Die Pachteinnahmen aus den Windradflächen könnten ihm deshalb helfen, mehr Mischwald im Teutoburger Wald zu schaffen, sagt der Rechtsanwalt. Außerdem wolle niemand ein Windrad vor der Haustür haben, und auf der Gauseköte würden 1150 Meter Abstand zu Siedlungen eingehalten.

Karsten Otte, Sprecher der Naturschutzkonferenz Ostwestfalen-Lippe.

Karsten Otte, Sprecher der Naturschutzkonferenz Ostwestfalen-Lippe. Foto: Ruth Matthes

Karsten Otte aus Hiddenhausen, Sprecher der Naturschutzkonferenz Ostwestfalen-Lippe, sagt, Stephan Prinz zur Lippe sei bisher immer auf Nachhaltigkeit bedacht gewesen. „Deshalb verstehen wir seine Windkraftpläne für den Teutoburger Wald nicht.“

Prinz zur Lippe zeichne ein „Zerrbild“, wenn er die Flächen mit den toten Fichten als Wüste darstelle. „Die Fläche hat weiterhin das volle genetische Material eines Waldes mit Baum- und Strauchsamen, Pilzen und Insekten.“ Zudem befürchte man, dass es nicht bei den Fichtenflächen bleiben werde, sondern auch gesunder Buchenwald bedroht sei.

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