Gemeinsame Erklärung von Verbänden zu Plänen an der Gauseköte - Stephan Prinz zur Lippe weist Kritik zurück
Naturschützer lehnen Windpark ab

Schlangen -

Mehrere Naturschutzverbände und Heimatvereine aus Ostwestfalen-Lippe wenden sich gegen die Pläne des lippischen Fürstenhauses, an der Gauseköte einen Windpark mit insgesamt 13 Windkraftanlagen zu errichten.

Mittwoch, 06.01.2021, 00:27 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 22:32 Uhr
Die Gauseköte ist erneut im Fokus öffentlicher Diskussionen. Nachdem lange die Sperrung der Passstraße die Gemüter erregte, gibt es nun Kritik von Naturschützern an den Plänen des Hauses Lippe für einen Windpark an der L937. Foto: Uwe Hellberg

Wie berichtet, sind sechs dieser Anlagen auf Schlänger Gebiet vorgesehen. Die Kritiker bezweifeln die Verträglichkeit der Windkraftanlagen mit dem Naturschutz. Stephan Prinz zur Lippe wies die Kritik zurück.

In einer gemeinsamen Erklärung werfen der Lippische Heimatbund, Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge, Landesgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) und die Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL sogar die Frage auf, ob das Vorhaben nicht die Zerstörung der Erholungslandschaft Teutoburger Wald bedeute.

Für die Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL betont deren Sprecher Karsten Otte, dass die Verbände sich ausdrücklich zur Energiewende und zum Ausbau re-generativer Energiequellen bekennen, besonders auch der Windkraft. Dieser Ausbau müsse aber naturverträglich erfolgen. Die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes seien dabei – besonders in Anbetracht des massiven Artensterbens – zu beachten. „Das ist bei dem Investmentprojekt des Hauses zur Lippe und der Westfalen-Wind GmbH bisher nicht zu erkennen“, heißt es in der Erklärung.

Für die Verbände bleiben laut Otte große Zweifel und Fragen: Wie verträgt sich das Projekt mit dem Ziel der Regionalplanung, die hier einen „Bereich zum Schutz der Natur“ ausweist? Was bedeutet das Projekt für die wertvollen FFH- und EU-Vogelschutzgebiete „Östlicher Teutoburger Wald“ und „Senne“? Welche Auswirkungen haben die Anlagen auf Fledermäuse und geschützte Vogelarten wie den Schwarzstorch und Zugvögel, die hier den Teutoburger Wald überqueren? Und: Wie wird sich das Landschaftsbild verändern, wenn 240 Meter hohe Windkraftanlagen das nicht weit entfernte Hermannsdenkmal um das Vierfache überragen? Werden durch den Bau der gewaltigen und tiefen Fundamente die Grundwasserleiter für die Wasserversorgung von Detmold und Schlangen beeinträchtigt?

Geplant sei für den Windpark die Beanspruchung von rund 400 Hektar Wald. Pro Anlage werde eine Fläche von etwa 5000 Quadratmetern versiegelt und geschottert. Die zentrale Erschließung solle über die Gauseköte erfolgen. Von dieser aus müsse jede der 13 Anlagen mit einer mindestens fünf Meter breiten Zufahrtsstraße erschlossen werden. Diese Straßen müssten in der Regel gradlinig, für Schwerlastfahrzeuge befahrbar sein und massiv befestigt werden. Dagegen aber spreche die Raumplanung, die hier als oberstes Ziel vorsehe, einen „Bereich zum Schutz der Natur“ zu erhalten.

Die Planung werde vom Waldeigentümer Stephan Prinz zur Lippe auch damit begründet, dass Teile der betroffenen Waldflächen abgestorben seien. Die Naturschutzverbände wenden ein: „Es handelt sich um Fichtenflächen, die wegen Dürre und Borkenkäferbefall kahl geschlagen wurden. Im Gebiet selbst und in unmittelbarer Nachbarschaft sind Flächen mit naturnahen Laubmischwäldern bestockt. Die Potenziale für eine natürliche Wiederbewaldung sind sehr gut. In Anbetracht des aktuellen Waldsterbens muss hier diese Bewaldung zum naturnahen, ökologisch stabilen Laubwald prioritär sein.“ Die bisher vorliegenden Unterlagen zeigen laut Otte: „Für einige Anlagen muss ökologisch wertvoller Laubwald gerodet werden.“

Das Bundesamt für Naturschutz bewertet den betroffenen Teutoburger Wald zusammen mit der Senne als „Hotspot der biologischen Vielfalt“. Er zählt deutschlandweit zu insgesamt 30 Regionen, die eine besonders hohe Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume aufweisen. Otte: „Die Fläche liegt im Bereich des 2013 gescheiterten Nationalparks Teutoburger Wald und ist nach dem Gutachten des Landesumweltamtes für eine Nationalpark-Ausweisung naturschutzfachlich geeignet.“ Die Naturschutzverbände kämpfen für einen Nationalpark Senne–Teutoburger Wald. Außer den Flächen des Truppenübungsplatzes gehören auch die benachbarten Waldflächen weiterhin zur potenziellen Kulisse eines solchen OWL-Nationalparks. Die Errichtung eines Windparks in dieser Gebietskulisse stünde diesem Ziel entgegen und würde die Nationalparkpläne erheblich gefährden oder sogar zunichte machen. „Will Stephan Prinz zur Lippe den ungeliebten Nationalparkplänen damit den Rest geben?“ fragt Karsten Otte.

Die Verbände befürchten außerdem, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, der zu weiteren Windkraftanlagen entlang der Kammlinie des Teutoburger Waldes und der Egge führen könne. Sie sind laut ihrer Mitteilung der Ansicht, „dass Politik und Verwaltung bei einer ehrlichen, sachbezogenen und verantwortlichen Auseinandersetzung mit den Fakten die Pläne für den genannten Windpark nur ablehnen können.“

Stephan Prinz zur Lippe ließ am Dienstag mitteilen, er bedaure sehr, dass sich die Bezirkskonferenz weder bei dem Planungsbüro, noch bei ihm als Landeigentümer über das Vorhaben informiert oder den Dialog gesucht habe. Entsprechend seien die Argumente teilweise oberflächlich, teilweise unrichtig.

Er betonte: „Weder findet eine Zerstörung der Erholungslandschaft Teutoburger Wald statt, noch sind naturschutzfachlich ausgewiesene Schutzgebiete betroffen. Der Artenschutz wurde eingehend geprüft und stellt nur ein geringes Konfliktpotenzial dar. Wertvoller Laubwald wird nicht tangiert.„

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