Prozess vor dem Jugendschöffengericht: Duo erschreckt Fahrer auf B1 bei Schlangen
Steine geworfen und geblendet

Horn-Bad Meinberg/Schlangen (WB). Steine auf fahrende Autos zu werfen, ist nicht nur ziemlich dämlich, sondern auch eine Straftat: Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr standen am Donnerstag zwei junge Bad Meinberger vor Gericht. Sie hatten im vergangenen Dezember mehreren Autofahrern auf der B1 einen gehörigen Schrecken eingejagt, verletzt wurde zum Glück niemand.

Freitag, 10.07.2020, 09:40 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 09:42 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Eine Woche vor Weihnachten sorgten der 15-jährige Jugendliche und der 20-jährige Heranwachsende für einen Polizeieinsatz im Horn-Bad Meinberger Ortsteil Wehren. Gleich drei Autofahrer alarmierten am frühen Abend die Polizei, nachdem sie von einer Brücke über die B1 zunächst mit LED-Lampen geblendet worden waren – alle drei hatten jedoch unmittelbar nach dem Passieren der Brücke auch einen lauten Knall an ihrem Fahrzeug vernommen.

Scheibe von LKW getroffen

Eine 57-jährige Hausfrau als Blomberg stoppte ihren Mazda ein Stück weiter an einer Bushaltestelle, dann kam kurz darauf ein VW-Buli an, dessen Fahrer gleiches erlebt hatte, und wenige Minuten später stoppte auch ein LKW, der einen Steinschlag in der Frontscheibe hatte.

Die hinzugerufene Polizeistreife suchte sofort den Brückenbereich ab und entdeckte die zwei jungen Männer auf einem angrenzenden Waldweg. Während der 20-Jährige behauptete, er habe einen Radfahrer gesehen, der eine Taschenlampe bei sich gehabt habe, gab der 15-Jährige kurz darauf gegenüber den Beamten zu, dass beide für die gefährliche Aktion verantwortlich seien: Sie hätten die Autos angeleuchtet und dann kleine Steine von der Brücke ge­worfen.

80 Stunden gemeinnützige Arbeit

Der Prozess vor dem Jugendschöffengericht in Detmold ging für den 15-Jährigen glimpflich aus: 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit legte ihm das Gericht auf, nachdem es ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig gesprochen hatte. Er räumte zwar ein, mit der Taschenlampe auf die Straße geleuchtet zu haben, Steine habe er aber nur geworfen, wenn kein Auto gekommen sei. „Das war eine sehr, sehr unüberlegte Handlung von mir“, sagte der Schüler, der jedoch die Hauptschuld bei seinem älteren Kumpel sah – der habe die Idee gehabt und ihm die Steine gegeben, die er unterwegs aufgelesen habe. Das Ganze sei spontan passiert, eigentlich hätten beide einen Spaziergang durch den Beller Wald machen wollen. Das hingegen widerlegte die Aussage eines Polizeibeamten: Die beiden Angeklagten hätten keineswegs die passende Bekleidung getragen, um bei nassem Dezemberwetter im Dunkeln durch den Wald zu laufen.

20-Jährigem droht Einweisung in Psychiatrie

Der 20-Jährige wird noch auf sein Urteil warten müssen, denn sein Verfahren wurde abgetrennt – und es könnte für ihn übel enden. Der intelligenzgeminderte Heranwachsende, der wiederum seinen jüngeren Freund als Urheber der Aktion bezichtigte, ist bereits der Justiz wegen einiger Ausraster bekannt: Unter anderem wurde er wegen Brandstiftung an einem leerstehenden Hotel in Bad Meinberg und eines massiven tätlichen Übergriffs auf einen Lehrer verurteilt. Eine weitere Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung läuft.

Richter Christian von Borries fragte: „Kann man es verantworten, Sie draußen herumlaufen zu lassen?“ Jetzt soll der 20-Jährige erneut psychiatrisch begutachtet werden – das Jugendschöffengericht will prüfen, ob er überhaupt schuldfähig ist und ob seine Einweisung in die Psychiatrie geboten sein könnte.

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