Verein Osthilfe kehrt aus Mukatschewo in der Ukraine zurück
Hilfe aus Schlangen für die Ärmsten

Schlangen (WB). Eine Hilfsaktion der Osthilfe aus Schlangen hat Pastor Edmond Szekely in die Ukraine geführt. Ziel der Reise war das 1200 Kilometer entfernte Mukatschewo. „Viele Menschen leben dort in großer Armut”, weiß der 30-Jährige. Einige von ihnen durften sich jetzt über eine Lebensmittelspende aus Deutschland freuen.

Donnerstag, 06.02.2020, 06:00 Uhr
Der Großeinkauf wurde zunächst in einer Kirche gelagert und dann über mehrere Stunden von einem fleißigen Helferteam verpackt. Pastor Edmond Szekely (Vierter von rechts) freute sich, dass so viele Päckchen zusammen kamen, dass sogar eine Grundschule mit in den Empfängerkreis aufgenommen werden konnte. Foto: privat

Bei einem Trödelmarkt Spendengelder gesammelt

Die Osthilfe hat im vergangenen Dezember einen vorweihnachtlichen Trödelmarkt veranstaltet. Mit dem eingenommen Geld und weiteren Spendengeldern von zusammen 2000 Euro sollte kurzfristig eine Hilfsaktion finanziert werden.

Ein konkreter Verwendungszweck war schnell gefunden: Edmond Szekely ist stellvertretender Vorsitzender der Osthilfe und war zwischen 2013 und 2018 als Pastor im ukrainischen Mukatschewo tätig: „Die Alltagssorgen der oft sehr armen Menschen dort ist mir aus dieser Zeit noch sehr gut bekannt. Ihnen zu helfen, ist der Osthilfe ein besonderes Anliegen.”

In nur acht Minuten Abfertigung an der Grenze

Die Fahrt Richtung Mukatschewo verlief problemlos. „Kurz vor 21 Uhr erreichten wir die ungarisch-ukrainische Grenze. Nur knapp acht Minuten später waren alle notwendigen Formalitäten erledigt, und es konnte weitergehen”, erinnert sich Szekely. Auf der achttägigen Reise wurde er von seiner Familie begleitet.

Am Ziel angekommen, wartete bereits ein Freund auf die Gäste aus Deutschland. Edmond Szekely und Illia Antonovitsch sind beide Adventisten und kennen sich noch aus ihrer gemeinsamen Zeit als Pastoren in Mukatschewo. „Unsere Verbindung ist auch nach dem Umzug meiner Familie nicht abgebrochen”, betont der 30-Jährige.

Geld muss in ukrainische Währung getauscht werden

Da die Ukraine nicht Mitglied der Europäischen Union ist, mussten die Spendengelder aus Deutschland zunächst erst einmal umgetauscht werden. Für die 2000 Euro gab es 75.000 Hrywnja – so heißt die ukrainische Landeswährung.

Der Basar von Mukatschewo ist legendär. „Hier gibt es eigentlich alles zu kaufen”, weiß Edmond Szekely zu berichten. „Mit einer langen Einkaufsliste haben wir uns dann auf den Weg gemacht und vor allem nach haltbaren Lebensmitteln Ausschau gehalten. Angefangen bei Zucker, Mehl, Reis und Öl über Konservendosen mit Bohnen und Erbsen bis hin zu Käse, Nudeln und Buchweizen.”

Nicht alles war sofort vorrätig und musste demzufolge kurzfristig bestellt werden. „Doch schon am nächsten Morgen hatten wir alles zusammen”, so Szekely. Die eine oder andere Süßigkeit hatte er bereits in Deutschland besorgt.

Helfer stellen 80 Lebensmittelpäckchen zusammen

Der Großeinkauf wurde zunächst in einer Kirche gelagert und dann über mehrere Stunden von einem fleißigen Helferteam verpackt: „Ursprünglich waren wir davon ausgegangen, dass so 80 Lebensmittelpäckchen zusammen kommen würden. Zu unserer Überraschung sollten es am Ende aber deutlich mehr sein, so dass wir auch eine Grundschule in Mukatschewo in den Empfängerkreis mit aufnehmen konnten”, freut sich Edmond Szekely rückblickend.

Für die Verteilung der Lebensmittelpäckchen haben dann Illia Antonovitsch und weitere befreundete Pfarrer gesorgt. Es gab nur eine Bedingung: Die Auswahl der Empfänger sollte sich ausschließlich und allein danach richten, wie bedürftig ein Mensch ist und nicht nach seiner Religionszugehörigkeit.

„Das ist ein Geschenk aus Deutschland“

Einige dieser Menschen hat Edmond Szekely persönlich besucht. Die Begegnung mit einer 96 Jahre alten Frau, die das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat, ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Sie (wie auch viele andere, bei denen Edmond Szekely vorbei geschaut hat) kennen nicht selten nur bitterste Armut: „Diese Menschen wissen oft nicht, wovon sie am nächsten Tag leben sollen. Und trotzdem fragten sie mich, wie viel Geld die Lebensmittel kosten sollten. Ich sagte dann: ‚Das ist ein Geschenk aus Deutschland‘ und schaute dabei in dankbare Augen.”

Ukrainischer Zoll stoppt Lieferung von 30 Krankenhausbetten

Kurz vor der Abreise bekam Edmond Szekely noch einen Anruf eines Mitarbeiters einer ungarischen Partnerorganisation. „Die fragten an, ob es irgendwo dringenden Bedarf für 30 Krankenhausbetten gebe”, sagt Szekely. „Die Betten, so wurde uns mitgeteilt, seien acht Jahre alt und in einem guten Zustand.”

Ein Empfänger war schnell gefunden. Ein Krankenhaus in der Nähe von Mukatschewo zeigte großes Interesse. Doch bislang sind die Betten noch nicht beim Empfänger eingetroffen. Der ukrainische Zoll hat die Hilfslieferung überraschend gestoppt. „Wir hoffen, dass wir in den kommenden Tagen aber grünes Licht von dort bekommen”, gibt sich Szekely optimistisch.

Die Osthilfe in Schlangen kümmert sich seit 25 Jahren um die Ärmsten der Armen. Edmond Szekely und der Vorsitzende des Vereins, Fritz Klöpping, sind von ihrer Mission überzeugt: „Es ist ein gutes Gefühl, anderen Menschen in Not helfen zu können.”

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