Projekt in der Kita Alte Rothe wird vom Bund gefördert – Kinder besuchen Bücherei
„Sprache ist der Schlüssel zur Welt“

Schlangen (WB). Bundesweit gibt es etwa 7000 sogenannte „Sprach-Kitas”. Die Kindertagesstätte Alte Rothe in Schlangen gehört zu ihnen. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt und wird mit Mitteln des Bundesfamilienministeriums gefördert. Die bisherige Bilanz vor Ort fällt positiv aus.

Mittwoch, 05.02.2020, 06:00 Uhr
Gleich dreimal haben die Jungen und Mädchen aus der „Sprach-Kita“ Alte Rothe gemeinsam mit Erzieherin Sonja Kühn die Gemeindebücherei besucht. Leiterin Ulrike Knickmann (hinten) begrüßte die Gruppe mit der schlauen Eule „Archimedes“. Foto: Kita Alte Rothe

Neue Wege bei der Sprachförderung

Seit März 2017 darf sich die Schlänger Kindertageseinrichtung offiziell „Sprach-Kita” nennen. Sonja Kühn spricht rückblickend von einem „wichtigen wie wegweisenden Datum”. Und sie muss es wissen: Denn die ausgebildete Erzieherin ist in der Kita Alte Ro­the zusätzlich als Fachkraft für Sprache tätig.

Mit dem 2016 gestarteten Programm geht die Bundesregierung neue Wege in der Sprachförderung. Sie setzt verstärkt auf die drei Schwerpunkte sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik und Zusammenarbeit mit den Eltern. „Sprache ist der Schlüssel zur Welt”, gibt sich Sonja Kühn überzeugt und ergänzt: „Ein Kind, das früh über Sprachkompetenzen verfügt, verbessert seine Bildungschancen nachdrücklich.” Das hätten im Übrigen auch wissenschaftliche Studien bestätigt.

„Sonja Kühn ist eine sehr engagierte Mitarbeiterin, die das ‚Sprach-Kita‘-Programm lebt und ihr geballtes Wissen gezielt auch an das Erzieherinnenteam weitergibt. Sie ermutigt die Kolleginnen, ihr Tun und Handeln mit Sprache zu begleiten und so den Wortschatz und die Sprachfähigkeiten der Kinder zu erweitern”, lobt Petra Claes, Mitarbeiterin der Gemeinde.

Eltern sollen Sprachentwicklung der Kinder mit unterstützen

Vieles lasse sich spielerisch vermitteln, so Kühn. Die Kita habe dazu eigene Ideen entwickelt wie den Erzählwürfel oder die Quatschkiste. Die Sprachförderung sei aber nicht einzig und allein Aufgabe von Kindergärten und Schulen – auch das macht Sonja Kühn deutlich. „Wir versuchen, auch die Eltern aktiv in unsere Arbeit mit einzubeziehen.” Mutter und Vater seien die wichtigsten Bezugspersonen und könnten die Sprachentwicklung ihrer Kinder aktiv unterstützen. Es mache schon einen Unterschied aus, so Kühn, ob zuhause viel miteinander gesprochen werde oder die Eltern die Freizeit hauptsächlich am Computer oder Smartphone verbringen.

Insgesamt 71 Jungen und Mädchen werden aktuell in der Kindertagesstätte Alte Rothe betreut, 18 von ihnen wechseln nach Ende der Sommerferien von der Kita zur Grundschule.

Jungen und Mädchen besuchen zum ersten Mal eine Bücherei

„Zum Spracherwerb gehört natürlich auch die Fähigkeit zu lesen”, sagt Sonja Kühn. Und deshalb stand vor wenigen Tagen auch ein Besuch der Gemeindebücherei im Schulzentrum auf dem Programm. Knapp 11.000 unterschiedliche Medien stehen hier zur Auswahl. „Die Mehrzahl sind Bücher und davon mehr als die Hälfte Kinderbücher”, weiß Leiterin Ulrike Knickmann zu berichten. Aber auch Spiele, Zeitschriften, Kassetten und CD´s finden sich in dem breit gefächerten Programm. Ausleihetag ist jeweils mittwochs in der Zeit von 12 bis 13.30 Uhr.

Angeführt von Ulrike Knickmann und der schlauen Eule „Archimedes“, einer Handpuppe, machten sich die Jungen und Mädchen gleich zu Beginn auf Entdeckungstour durch die Bücherei. Am Anfang des Rundgangs ging es betont sachlich zu. Ulrike Knickmann erläuterte, wie die Bücherei aufgebaut ist und welche Bücher wo in den Regalen zu finden sind. Die Kleinen hatten sich auf diesen Besuch besonders vorbereitet: Jedes Kind trug einen selbst gemachten Anstecker am Pullover, der es als Bibliotheks­experten auswies.

Während sich die einen für spannende Tiergeschichten und Pferdeabenteuer interessierten, suchten andere gezielt nach Wissensbüchern, in denen es unter anderem auch um die Feuerwehr ging. „Dieses Thema behandeln wir aktuell in der Kita”, sagt Sonja Kühn.

Knapp 11.000 Medien – und für die Kinder sogar kostenlos

Lesen können die Kinder im Vorschulalter noch nicht. „Dennoch ist es für die meisten von ihnen ein Vergnügen, in dem einen oder anderen Buch zu blättern und sich Bilder anzuschauen”, weiß Ulrike Knickmann aus langjähriger Erfahrung. Und natürlich wurde an dem Vormittag auch aus dem einen oder anderen Buch vorgelesen. Zum Abschluss des Vormittags verteilte Ulrike Knickmann an die Kinder Skizzen mit einer Eule, die sie zuhause ausmalen sollten.

Einige Tage später besuchten die Jungen und Mädchen noch einmal die Gemeindebücherei. Erklärt wurde dabei beispielsweise, wie ein Buch ausgeliehen wird und was passiert, wenn ein Exemplar nicht oder verspätet zurück gegeben wird.

Und da aller guten Dinge drei sind, gab es noch einen weiteren Termin in der Gemeindebücherei; Daran nahmen dieses Mal auch die Eltern der Vorschulkinder teil. Kurz vor dem Eintreffen hatte Ulrike Knickmann die bunt ausgemalten Eulenbilder für alle gut sichtbar aufgehängt. Anders als sonst üblich, nahmen dieses Mal die Kinder ihre Eltern an die Hand, um ihnen ihre Lieblingsbücher zu zeigen.

Es kam auch zu dem einen oder anderen Gespräch mit der Büchereileiterin. Dabei stellte sich Knickmann zufolge heraus: „Nicht jeder Vater oder jede Mutter wusste, dass es in Schlangen eine Gemeindebücherei gibt. Dabei ist es hier doch so einfach, ein Buch auszuleihen. Und für die Kinder ist das Ganze sogar kostenlos.”

Als „Sprach-Kita” erhält die Kindertagesstätte Alte Rothe vom Bundesfamilienministerium jährlich 25.000 Euro. Mit dem Geld wird unter anderem Sonja Kühn als Fachkraft für Sprache bezahlt (19,5 Stunden-Stelle). Finanzielle Unterstützung kommt auch von der Gemeinde Schlangen. Das Programm ist auf vier Jahre angelegt und läuft in Schlangen Ende 2020 aus.

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