Experten diskutieren beim »Schlänger Gespräch« der SPD Wald braucht neue Baumarten

Schlangen (WB). Bei ihrem ersten »Schlänger Gespräch«, zu dem die SPD am Mittwochabend ins Bürgerhaus eingeladen hatte, drehte sich alles rund um das Thema Waldsterben. Experten präsentierten den aktuellen Stand, Ergebnisse und zukünftige Lösungsmöglichkeiten.

Von Phil Hänsgen
Am ersten »Schlänger Gespräch« nahmen teil: (von links) Hans-Ulrich Braun (Forstabteilung Landesverband), Arne Brand (Landesverband), Julian Koch (SPD), Heinz Kriete (SPD-Ortsverein), Daniel Telaar (Kreis Lippe) und Peter Rüther (Biologische Station).
Am ersten »Schlänger Gespräch« nahmen teil: (von links) Hans-Ulrich Braun (Forstabteilung Landesverband), Arne Brand (Landesverband), Julian Koch (SPD), Heinz Kriete (SPD-Ortsverein), Daniel Telaar (Kreis Lippe) und Peter Rüther (Biologische Station). Foto: Phil Hänsgen

»Vergangenes Jahr war es nur eine Million, dieses Jahr sind es 15 Millionen Festmeter Holz, das von Borkenkäfern befallen ist. Wir brauchen in der Zukunft Wälder, die leistungsfähig sind«, stellte Hans-Ulrich Braun, Leiter der Forstabteilung des Landesverbandes Lippe, fest. Zusammen mit Arne Brand (Allgemeiner Vertreter des Verbandsvorstehers), Daniel Telaar (Fachgebietsleiter Landschaft/Naturhaushalt beim Kreis Lippe) und Peter Rüther (Leiter der Biologischen Station) informierte er die mehr als 30 interessierten Besucher über die Problematik im lippischen Wald und beantwortete anschließend Fragen aus der Zuhörerschaft.

Höhepunkt der Borkenkäferausbreitung wird erst in 2020 erwartet

Zum Einstieg wurde die plakativ gestellte Frage »Stirbt der Wald?« von Brand mit »Jein« beantwortet. Er wies auf die aktuelle Situation hin: »Wir haben enorme Probleme mit Borkenkäfern, weshalb sich die Bäume braun verfärben. Zudem ist der Boden durch zwei sehr regenarme und warme Sommer ausgetrocknet, wodurch Schwierigkeiten in der Wasserversorgung auftreten.« Diese erfordern laut den Experten diverse Antworten und ein schnelles Handeln. Besonders problematisch seien Borkenkäferarten, die sich jeweils in einer bestimmten Baumart ausbreiten und diesem nach und nach zusetzen.

Zahlen belegen das Ausmaß: Auf jedem Hektar Fichtenfläche sind hochgerechnet eine Million Borkenkäfer unterwegs, was ungefähr 10.000 Käfern pro Fichte entspricht – problematisch für einen Baum sind schon 200 bis 300 Tiere. Der Höhepunkt der Käferausbreitung wird dazu erst im kommenden Jahr erwartet, wie Hans-Ulrich Braun berichtet: »Etwas dagegen zu tun ist nicht einfach, da man das schnelle Handeln schon innerhalb von 14 Tagen verpasst hat. Natürliche Feinde wie Vögel kommen nicht hinterher, befallenes Holz wegzutransportieren ist zu umständlich und benötigt zu viele Lastwagen. Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden wir wohl leider nicht verhindern können.«

Eichenanteil im Wald soll erhöht werden

In Schlangen speziell ist besonders die Fichte gefährdet und ein Problem. Für das Gebiet »Nasse Sand« bestehe bei passendem Wetter mit viel Niederschlag aber noch Hoffnung. Für Peter Rüther von der Biologischen Station wird Europa ein Waldkontinent bleiben, der sich aber an die schnellen klimatischen Veränderungen und kranke Baumbestände gewöhnen muss. Laut Daniel Telaar ist es Zeit, sich von einer alten Denkweise zu trennen: »Bis jetzt verstand man unter Naturschutz immer, was da ist zu erhalten und zu bewahren. Davon müssen wir uns aber langsam verabschieden und uns darüber Gedanken machen, welche Bäume wo und wie angepflanzt werden.« Denn jede Baumart hat unterschiedliche Klimahöhlen, wodurch manche Arten zum Beispiel mehr Hitze oder weniger Feuchtigkeit vertragen.

Geplant ist zukünftig in Lippe, den Eichenanteil von 10 auf 13 bis 15 Prozent zu erhöhen. Außerdem soll sich mehr um die Kiefern gekümmert und der Lärchenanteil erhöht werden. Braun rechnet mit einem Verlust des Fichtenbestandes. Insgesamt wird sich das Erscheinungsbild der deutschen Wälder in Zukunft verändern: »Es wird buntere und standortangepasste Baumbestände geben und viel mehr gemischt werden. Dies ist allerdings ein sehr langwieriger und kostenintensiver Prozess, der finanzielle Unterstützung benötigt«, so Braun. Zur Diskussion stehen viele neue Baumarten wie die Douglasie, die Einzug in deutsche Wälder erhalten sollen.

SPD-Ortsverein will Gesprächsreihe fortsetzen

Das Ergebnis der Diskussion war deutlich: Die Wälder müssen bewahrt und aufgeforstet werden. Bürger könnten zum Beispiel die Förster unterstützen, durch weniger CO 2 -Ausstoß – oder sich an einer der Onlineaktionen für eine Aufforstung des Waldes beteiligen. Das erste »Schlänger Gespräch« des SPD-Ortsvereins wurde von den Gästen als sehr aufschlussreich wahrgenommen und soll laut Vorsitzendem Heinz Kriete im Januar 2020 mit neuen Experten und einem weiteren Thema in die zweite Runde gehen.

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