Familien ziehen in das ehemalige Wohnheim für Suchtkranke in Kohlstädt ein 59 neue Plätze für Flüchtlinge

Schlangen (WB). Krieg, Verfolgung und Armut zwingen Menschen aus vielen Teilen der Welt zur Flucht. Die Zahl der Asylbewerber ist in diesem Jahr weitaus höher als von der Bundesregierung zunächst prognostiziert. Das erfordert die Schaffung weiterer Unterkünfte. So hat sich auch die Gemeinde Schlangen auf diese Situation eingestellt: Im ehemaligen Wohnheim »Startbahn 53« in Kohlstädt gibt es nun Platz für 59 Flüchtlinge.

Von Michaela Weiße
Das ehemalige Wohnheim für Suchtkranke in der Lippspringer Straße in Kohlstädt wird neue Unterkunft für Flüchtlinge.
Das ehemalige Wohnheim für Suchtkranke in der Lippspringer Straße in Kohlstädt wird neue Unterkunft für Flüchtlinge. Foto: Michaela Weiße

»Die Bundesregierung hat für dieses Jahr 300 000 neue Asylanträge erwartet. Diese Zahl wurde bereits im April erreicht und die Prognose auf 800 000 korrigiert«, berichtet Bürgermeister Ulrich Knorr. So ist auch die Anzahl von 31 in Schlangen erwarteten Flüchtlingen gestiegen. Aktuell leben hier 90.

Die Menschen aus 24 verschiedenen Nationen sind in Gemeinschaftsunterkünften in Schlangen und Oesterholz-Haustenbeck untergebracht. Nun hat die Gemeinde einen dritten Standort gefunden. In das ehemalige Wohnheim für suchtkranke Menschen, »Startbahn 53« in Kohlstädt, sollen in diesen Tagen Familien und Frauen aus den Gemeinschaftsunterkünften in Schlangen und Oesterholz umziehen.

Turnhallen sindkeine Lösung

Dies sind aktuell insgesamt 35 Personen. »Diese Anlage ist für Familien besser geeignet. Für Kinder gibt es dort auch einen Außenbereich zum Spielen«, sagt Knorr. »In der Einrichtung mussten keine größeren baulichen Veränderungen vorgenommen werden«, berichtet Hauptamtsleiter Frank Rayczik.

Wie viele Asylsuchende bis Anfang nächsten Jahres noch nach Schlangen kommen werden, dazu kann der Bürgermeister keine Prognose abgeben. Auch eine Lösung, wo weiterer Wohnraum geschaffen werden kann, gebe es noch nicht. Doch eins stehe fest: »Turnhallen können hier keine Lösung sein, denn wir sind kein Durchgangslager. Die Menschen bleiben hier mindestens zwei Jahre oder länger«, sagt Ulrich Knorr, der sich eine größere Hilfe und Unterstützung von Bund und Land erhofft hatte.

Engagement gefragt

»Wir können den Menschen eine Unterkunft und Verpflegung bieten. Für eine intensive Betreuung fehlen uns jedoch die Mittel«, betont der Bürgermeister. Trotz ehrenamtlicher Hilfe sei beispielsweise die Bewältigung von Traumata aufgrund der fehlenden Mittel nicht möglich. Es gibt bereits einige Menschen in Schlangen, die sich bei der Arbeit mit Flüchtlingen engagieren. Die Gemeinde möchte jetzt alle Akteure und Initiativen mitein­ander vernetzen und einen Austausch ermöglichen. »Gleichzeitig wäre es schön auf diesem Weg weitere Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren möchten«, so Knorr.

So können zum Beispiel Schlänger mit Fremdsprachenkenntnissen bei der Verständigung helfen. Ehrenamtliche und die, die es werden möchten, sollen sich daher mit einer E-Mail an neue-nachbarn@gemeinde-schlangen.de an die Gemeinde wenden.
Die Flüchtlingssituation in Schlangen in Bezug auf das Zusammenleben beschreibt Bürgermeister Knorr als unkompliziert. Unter den Flüchtlingen und mit den Nachbarn gebe es keine größeren Reibungspunkte.

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