Stefanie Quabus verhindert Enkeltrick-Betrug an Seniorin
Die Heldin von Helpup

Oerlinghausen (WB). Es sieht nach einem normalen Auftrag für Stefanie Quabus vom Fahrservice Dream-Liner aus Oerlinghausen (Kreis Lippe) aus. Doch auf der Fahrt wird ihr schnell klar: Hier stimmt etwas nicht! Denn die Geschichte, die ihr Fahrgast Sophia G. erzählt, kommt ihr mehr als verdächtig vor.

Dienstag, 31.03.2020, 03:05 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 05:00 Uhr
Stefanie Quabus vor einem ihrer Dream-Liner, mit dem sie auch Taxifahrten erledigt. Ihr couragiertes Eingreifen verhinderte, dass eine Seniorin aus Helpup im Kreis Lippe Opfer des Enkeltricks wurde. Foto: Alice Koch

Als bei Sophia G. in diesen Tagen das Telefon klingelte, meldet sich eine Frauenstimme. „Hallo, ich bin es. Weißt du, wer dran ist?“ Etwas verdutzt fragte die alte Dame: „Bist du das, Ille?“ Die vermeintliche Ille, die beste Freundin ihrer Tochter, behauptet am Telefon, sie wäre gerade bei einer Auktion und habe ein Auto ersteigert. Allerdings käme sie im Moment nicht an ihr Geld und bat die 86 Jahre alte Seniorin, ihr mit 20.000 Euro auszuhelfen. Sophia G. kennt Ille schon lange und weiß, dass sie genug Geld hat, um sich ein so teures Auto leisten zu können.

Deshalb hat sie keine Bedenken, ihr den hohen Geldbetrag zu leihen. Zumal „Ille“ überzeugend versprach, sie würde das Geld bereits am nächsten Tag zurückbekommen. Dass bei der Geldübergabe auch ein Notar dabei wäre, überzeugt Sophia G. schließlich.

Sie ruft Stefanie Quabus an und lässt sich von ihr zur Sparkasse fahren. Sie kennt die 41-Jährige, weil sie sich von ihr jede Woche zum Kaffeekränzchen der AWO bringen lasst. Obwohl „Ille” der Seniorin geraten hat, niemandem zu erzählen, wofür das Geld sei, vertraut sie sich Stefanie Quabus an und erzählt von dem Anruf. „Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl und habe nachgefragt, ob sie sich sicher ist, dass es sich bei der Anruferin tatsächlich um die Freundin ihrer Tochter handelt“, sagt Stefanie Quabus.

Als Sophia G. ihr dann noch erzählt, dass „Ille” ihr gesagt hat, sie solle den Telefonhörer einfach auf den Tisch legen, sie würde so lange in der Leitung bleiben, bis die Senioren mit dem Geld zurück sei, wird Stefanie Quabus hellhörig. Sie vermutet den Enkeltrick und versucht, die Seniorin von ihrem Vorhaben abzubringen: „Ich bin mir sicher, dass Sie betrogen werden.“ Sie beschließt, Sophia G. zum Sparkassenschalter zu begleiten. Als sie der Mitarbeiterin der Sparkasse ihr Sparbuch überreicht und ihr Ansinnen vorträgt, steht Stefanie Quabus hinter der alten Dame und schüttelt heftig den Kopf. Auch der Mitarbeiterin kommt das Ganze nicht geheuer vor. „So viel Bargeld haben wir nicht verfügbar. Größere Summen müssen immer vorher angemeldet werden“, sagt sie.

Erleichtert stellt Sophia G. fest: „Dann geht das wohl nicht.“ Ohne das Geld geht sie mit Stefanie Quabus zum Auto zurück. „Ich bin dann schnell noch mal in die Sparkasse zurückgelaufen und habe darum gebeten, dass die Polizei verständigt wird.“

Sie wartete mit Sophia G. vor dem Haus, bis die Polizisten eintrafen. In der Wohnung stellten sie fest, dass der Akku des Telefons leer war. Doch „Ille” rief noch einmal an. Diesmal ging Stefanie Quabus dran. Aber als die Anruferin das bemerkte, hat sie sich hastig mit den Worten „Oh, Entschuldigung. Ich habe mich verwählt“ verabschiedet. „Ich bin dann noch eine halbe Stunde bei Sophia G. geblieben um sie zu beruhigen, bis ihre Tochter kam“, erinnert sich Stefanie Quabus, die glücklich ist, dass dieser Fall so glimpflich ausgegangen ist.

Dass es auch anders sein kann, erfährt die Dream-Linerin bereits einige Tage später, als sie das Beinahe-Opfer wieder zum Kaffeekränzchen bringt. Sie nutzt die Gelegenheit, die Senioren aufzuklären und erzählt die Geschichte. „So was würde mir nie passieren“ und „Der Enkeltrick ist doch ein alter Hut“ waren die Reaktionen, bis eine der Damen aufsteht und kleinlaut berichtet, dass ihr genau das passiert ist. Ihr vermeintlicher Enkel hatte sie vor einigen Tagen angerufen und gesagt, dass er Geld für ein Auto brauche. 800 Euro Anzahlung hätte er bereits geleistet. Wenn er nicht sofort den Rest bezahlen würde, sei auch die Anzahlung weg. Sie habe den Anrufer tatsächlich für ihren Enkel gehalten, ruft sich ein Taxi, fährt zur Sparkasse und hebt 10.000 Euro ab. Die Geldübergabe an eine „Mitarbeiterin des Rechtsanwaltes“ ihres „Enkels” fand auf einem Spielplatz statt. Ohne ein Wort zu sagen, hielt sie der Seniorin ihre geöffnete Tasche hin, in die sie den Umschlag mit dem Geld legte. „Erst in diesem Moment war mir bewusst, dass ich betrogen worden war und dass mein Enkel auch erst 17 ist und gar kein Auto braucht.“

Stefanie Quabus ist wütend und traurig. „Die Dame hat erst kürzlich einen kleinen Geldbetrag von ihrem Bruder geerbt. Das Geld ist jetzt weg. Hilflose, alte Menschen so zu betrügen ist einfach nur gemein.“

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