Ermittlungen der Kripo Bielefeld lösen neues Großverfahren aus
Lügde-Opfer auch von eigenem Vater missbraucht?

Lügde/Bielefeld (WB). Bei Nachermittlungen im Missbrauchsfall Lügde ist die Kripo Bielefeld auf die Namen zweier weiterer mutmaßlicher Sexualstraftäter aus Niedersachsen gestoßen. In einem Fall hat sich daraus in den vergangenen Woche der Verdacht gegen 130 Pädokriminelle ergeben, von denen bisher 32 identifiziert wurden.

Donnerstag, 06.08.2020, 09:08 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 09:10 Uhr
Auf dem Campingplatz Eichwald hatte Andreas V. hundertfach Missbrauch an Kindern und Jugendlichen begangen. Foto: dpa

Auch nach dem rechtskräftigen Urteil im Fall Lügde ging die Ermittlungskommission „Eichwald” weiter einigen noch offenen Spuren nach. So vernahm sie Ende vergangenen Jahres noch einmal den verurteilten Haupttäter Andreas V. (58). Dabei erhielt sie konkretere Angaben zu zwei Männern - S. und K. Die Ermittlungskommission hatte beide schon vorher auf dem Schirm, aber die eher vagen Hinweise hatten bis dahin nicht für Durchsuchungen gereicht. Das soll sich durch die Angaben von Andreas V. geändert haben. S. und K. leben in Niedersachsen, weshalb die dortigen Behörden die Fälle übernahmen.

Hinweise auf 130 Verdächtige gefunden

S. wohnt in Northeim. Er soll, wie die Staatsanwaltschaft Göttingen nach entsprechenden Ermittlungen am Dienstag mitteilte, in Niedersachsen sieben Kinder und Jugendliche missbraucht haben – darunter die heute zehn Jahre alte Melanie (Name geändert), die schon auf dem Campingplatz Lügde von Andreas V. vergewaltigt worden war. S. kam in Untersuchungshaft. In seiner Wohnung fanden Polizisten Datenträger mit Hinweisen auf 130 Verdächtige. Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue aus Göttingen: „Es geht um schweren sexuellen Kindesmissbrauch, um Vergewaltigung, um den Besitz von Kinderpornographie.” Von 32 der 130 Beschuldigten habe man die Namen ermittelt, obwohl sie sich mit gefälschten Identitäten im Internet bewegt hätten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Vater von Opfer auch Täter?

K., der zweite Mann, zu dem der verurteilte Andreas V. Angaben gemacht hat, lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Dorf in der Nähe von Einbeck. Er hat drei Söhne und eine Tochter – es ist „Melanie”, die von Andreas V. und K. missbraucht worden sein soll.

Fast jeden Tag des Lügde-Prozesses saß K. als Vater eines Opfers im Zuschauerraum des Landgerichts Detmold und verfluchte in den Verhandlungspausen die Angeklagten. Jetzt steht er selbst im Verdacht, seiner Tochter „Melanie” etwas angetan zu haben. Dann wäre das Mädchen von drei Männern missbraucht worden.

Nachdem Andreas V. einen Hinweis auf K. gegeben hatte, wurde „Melanie” im April von besonders geschulten Vernehmungsbeamten im Bielefelder Polizeipräsidium befragt. Dabei soll sie Missbrauchstaten geschildert und ihren Vater belastet haben. Deshalb nahm das Jugendamt „Melanie” noch am selben Tag aus der Familie. Die drei Söhne durften bleiben – weil die Staatsanwaltschaft Göttingen keine Gefahr für sie sah.

Jetzt änderten die Behörden ihre Ansicht: Französische Polizisten nahmen am Dienstag am Urlaubsort der Familie auch die drei Jungen in Obhut. Ihr Vater ist weiter in Freiheit und sagte dieser Zeitung am Telefon, er sei unschuldig. „Das wird ein Glaubwürdigkeitsgutachten bestätigen, das jetzt über unsere Tochter angefertigt wird.” Zuvor hatten die Söhne im Internet ein Video veröffentlicht und die Unschuld des Vaters beteuert .

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