Missbrauchsfall Lügde: Demonstranten kritisieren die gegen einen Angeklagten verhängte Bewährungsstrafe
Mahnwache vor dem Landgericht Detmold

Detmold (WB/ca/dpa). Am sechsten Verhandlungstag im Missbrauchsfall Lügde hat das Landgericht Detmold Tatvideos und -Fotos geprüft. Die etwa 100 Teilnehmer der Mahnwache kritisierten die Bewährungsstrafe für einen der Angeklagten.

Donnerstag, 01.08.2019, 12:10 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 08:36 Uhr
Um das Ausmaß des Lügder Skandals zu veranschaulichen, stellt die Aktion »Kinder von Lügde« für jedes mutmaßlich missbrauchte Kind symbolisch einen kleinen Schuh auf. Foto: Christian Althoff

Während des sechsten Verhandlungstages fand in der Detmolder Innenstadt und später vor dem Landgericht eine Mahnwache statt. Zu den etwa 100 Teilnehmern gehörten auch Erwachsenene aus vielen Teilen Deutschlands, die nach eigenen Angaben als Kinder missbraucht worden waren. Sie kritisierten die Bewährungsstrafe, die das Gericht am 17. Juli gegen einen der Angeklagten im Fall Lügde verhängt hatte, und forderten die Abschaffung von Verjährungsfristen bei Kindesmissbrauch.

Mahnwache vor dem Landgericht und Demo in Detmold

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Foto: Christian Althoff
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Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat das Landgericht Detmold Fotos und Videos von den Taten geprüft. Dabei ging es um Bilder, die der Angeklagte Mario S. gemacht hatte. Nach Angaben von Nebenklagevertreter Peter Wüller war auf den Videos unter anderem der Missbrauch eines sechsjährigen Opfers durch den heute 34-Jährigen zu sehen. »Alle Prozessbeteiligten waren sehr betroffen, als sie diese Videos anschauen mussten«, sagte Wüller in einer Pause.

Prozess soll am 15. August fortgesetzt werden

Das Verfahren gegen den zweiten Angeklagten Andreas V. wurde wegen einer Erkrankung des 56-Jährigen abgetrennt . Damit der Prozess gegen ihn nicht platzt, kommt das Landgericht am Freitag zu einem kurzen Termin zusammen. Ursprünglich wollte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda am 16. August ein Urteil verkünden. Wegen der Verzögerung wird das Gericht jetzt erst frühestens im September den Prozess beenden können. Sollte es der Gesundheitszustand von Andreas V. zulassen, wird der Prozess gegen beide Männer am 15. August fortgesetzt.

Zeugen sagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Am sechsten Prozesstag sagten mehrere Zeugen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, darunter ein 21-Jähriger mit einer geistigen Behinderung, der von Mario S. missbraucht worden sein soll. »Er ist auf dem Niveau eines 6-Jährigen und ist nicht in der Lage, Nein zu sagen«, schilderte Wüller Details der Aussage der gesetzlichen Betreuerin des Mannes.

Die zwei Angeklagten sollen über Jahre auf einem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben.

Demos in Detmold gegen erstes Urteil

Mehrere Dutzend Menschen haben vor dem Landgericht Detmold gegen das ihrer Meinung nach zu milde erste Urteil im Missbrauchsfall Lügde demonstriert. Nach Angaben der Polizei in Lippe standen rund 70 Menschen vor dem Gerichtsgebäude. Das Gericht hatte Mitte Juli einen Mann aus Niedersachsen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der 49-Jährige aus Stade hatte vor über acht Jahren per Webcam in vier Fällen den sexuellen Missbrauch eines Kindes beobachtet und einen Mitangeklagten angestiftet. Nach einer mehrmonatigen Untersuchungshaft verließ der Verurteilte das Gericht als freier Mann. Der Prozess gegen die Haupttäter läuft noch.

Initiatoren der Demo vor dem Gericht war die Aktionsgruppe »Kinder von Lügde«, die zu einer Mahnwache in der Detmolder Innenstadt aufgerufen hatte. Die private Initiative demonstriert seit Ende März einmal wöchentlich in Hameln für mehr Kinderschutz. Um das Ausmaß des Lügder Skandals zu veranschaulichen, stellt sie dabei für jedes mutmaßlich missbrauchte Kind symbolisch einen kleinen Schuh auf.

Während des sechsten Verhandlungstages fand in der Detmolder Innenstadt und später vor dem Landgericht eine Mahnwache statt. Zu den etwa 100 Teilnehmern gehörten auch Erwachsenene aus vielen Teilen Deutschlands, die nach eigenen Angaben als Kinder missbraucht worden waren. Sie kritisierten die Bewährungsstrafe, die das Gericht am 17. Juli gegen einen der Angeklagten im Fall Lügde verhängt hatte, und forderten die Abschaffung von Verjährungsfristen bei Kindesmissbrauch.

 

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