Der Vater eines Opfers im Missbrauchsfall Lügde sei nicht informiert worden, weil er kein Sorgerecht habe
Fall Lügde: Vater hatte laut Landkreis kein Recht auf Infos

Lügde/Hameln (dpa). Der Vaters eines Opfers im Missbrauchsskandal von Lügde ist nach Darstellung des Landkreises Hameln-Pyrmont nicht über die Vorfälle informiert worden, weil er kein Sorgerecht hat. Der Mann habe deshalb kein Auskunftsrecht, sagte eine Sprecherin am Montag. Der Mann, der zum Schutz seiner Tochter in der Öffentlichkeit anonym bleiben wollte, hatte seine Vorwürfe im NDR erhoben.

Montag, 06.05.2019, 14:22 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 15:48 Uhr
Hier lebte der mutmaßlichen Täter auf dem Campingplatz Eichwald. Foto: dpa

Der Landkreis habe nicht auf seine wiederholten telefonischen Proteste gegen den verwahrlosten Aufenthaltsort seiner Tochter reagiert, nachdem er zufällig erfahren hatte, dass das Mädchen im Jahr 2016 in die Obhut des Hauptverdächtigen gegeben worden war. Dieser Vorwurf werde noch überprüft, sagte die Sprecherin.

Die FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag kritisierte am Montag die Kreisverwaltung. Es sei nicht nachvollziehbar, warum das Jugendamt auf die Hinweise des Vaters nicht reagiert habe, sagte die sozialpolitische Sprecherin Sylvia Bruns. »Dass der Vater weder kontaktiert, noch über den sexuellen Missbrauch seiner Tochter informiert wurde, ist eine Bankrotterklärung.«

»Es ist unglaublich und nicht nachvollziehbar, was im Jugendamt von Hameln-Pyrmont vorgeht«, kritisierte auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Dirk Toepffer. Er machte sich weiterhin für die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers stark.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Detmold wurden in Lügde 41 Mädchen und Jungen zum Opfer schweren sexuellen Missbrauchs. Ein 56-jähriger Dauercamper soll mit einem Komplizen (33) über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Männer sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft.

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