Sechsjähriges Mädchen lebte trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie bei dem arbeitslosen Dauercamper
Missbrauchsfall: Vater kritisiert Jugendamt Hameln

Hameln/Lügde (WB). Im Missbrauchsfall Lügde gibt es neue Vorwürfe gegen das Jugendamt in Hameln.

Sonntag, 05.05.2019, 20:24 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 15:16 Uhr
Eine Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde. Foto: dpa

Das Amt steht unter dem Verdacht, e in sechsjähriges Mädchen trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie in die Obhut eines arbeitslosen Dauercampers gegeben zu haben. Gegen den Mann laufen Ermittlungen wegen des Verdachts, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Gegenüber dem NDR äußerte sich nach Senderangaben jetzt der leibliche Vater des Mädchens. Er sagte demnach dem Regionalmagazin »Hallo Niedersachsen«, er habe sich vom Jugendamt allein gelassen gefühlt. Von dem mutmaßlichen Missbrauch seiner Tochter habe er aus der Presse erfahren.

Der 25-Jährige, der in der Öffentlichkeit zum Schutz seiner Tochter anonym bleiben wolle, sagte dem NDR den Angaben zufolge im Interview, das Jugendamt habe ihn nicht kontaktiert, als es von dem schwerwiegenden Tatverdacht erfahren hatte: »Ich kann das gar nicht in Worte fassen. Da kam telefonisch nichts, es kam per Post nichts, es kam per E-Mail nichts. Ich wurde auch nicht dazu befragt, wie es weitergeht.«

Vater habe nie einen Rückruf bekommen

Er sei selbst noch Schüler gewesen, als die Tochter 2011 zur Welt gekommen sei. Er habe die Vaterschaft anerkannt, die Unterlagen liegen dem NDR nach eigenen Angaben vor. Das Sorgerecht habe von Beginn an nur bei der Mutter gelegen. Heute mache er sich große Vorwürfe, sagt der junge Mann laut dem Sender. Er hätte seine Mitsprache mehr einfordern müssen, doch ihm habe in jenen Jahren selbst der familiäre Rückhalt gefehlt. Inzwischen habe er sich einen Anwalt genommen und bemühe sich, das Sorgerecht zu erhalten.

2016 soll das Jugendamt das Kind auf Wunsch der Mutter bei dem arbeitslosen Dauercamper Andreas V. nahe Lügde in Pflege gegeben haben. Der leibliche Vater, so heißt es im NDR-Bericht weiter, habe zufällig davon erfahren und sage im Interview, er sei erschrocken gewesen. Bei einem Besuch des Mädchens sei er von dem heute Hauptbeschuldigten Andreas V. vertrieben worden. Die Schilderung des Vaters wird dem Bericht zufolge durch einen Zeugen bestätigt. Der Vater beteuere, er habe das Jugendamt danach mehrfach angerufen und seinen Protest auf dem Anrufbeantworter hinterlassen: »Ich sagte, wie kann es sein, dass ein Kind auf einem Campingplatz abgegeben wird? Ob die sich da mal umgeschaut haben, wie verwahrlost das ist? Ob das deren Ernst ist, auf die Wünsche der Mutter einzugehen?« Doch einen Rückruf habe er nie bekommen.

Jugendamt verweist nach Senderangaben auf den Datenschutz

Das Jugendamt in Hameln verweist nach Senderangaben in einer Stellungnahme gegenüber dem NDR auf den Datenschutz: Es könne keine detaillierte Auskunft zu konkreten Personen geben. Grundsätzlich würden neben den Fachleuten des Amtes alle Entscheidungen unter Würdigung der Willensäußerung der sorgeberechtigten Person gefällt.

Gegen den 56-jährigen Andreas V. Dauercamper läuft ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Detmold.

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