Arbeitsbelastung bis zu viermal größer als in anderen Behörden
Lippe: nur ein Polizist für 32 Missbrauchsfälle

Detmold (WB). Für die Aufklärung von Kindesmissbrauch ist keine Kreispolizeibehörde in Ostwestfalen-Lippe personell so schwach aufgestellt wie die in Detmold.

Dienstag, 19.03.2019, 04:00 Uhr
In der Behörde Lippe ist die Arbeitsbelastung bei Sexualtaten besonders hoch. Foto: Christian Althoff

Nach WESTFALEN-BLATT-Recherchen mussten die für Sexualtaten zuständigen lippischen Polizisten 2018 durchschnittlich drei- bis viermal so viele Fälle von Kindesmissbrauch bearbeiten wie ihre Kollegen in den anderen Kreisen. Bei dieser Berechnung sind die Missbrauchsfälle vom Campingplatz »Eichwald« in Lügde noch nicht berücksichtigt.

Sexualtaten dürfen in NRW nur von besonders weitergebildeten Kriminalbeamten bearbeitet werden. Die Grundschulung, die vom Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei (LAFP) vermittelt wird, dauert zwölf Wochen. Zusätzlich gibt es Weiterbildungsmodule, darunter eines zur Befragung kindlicher und jugendlicher Opfer und eines zum Umgang mit der psychischen Belastung, die solche Verfahren für die Beamten bedeuten.

»Jede Behörde entscheidet selbst, wie viele Beamte Sexualdelikte bearbeiten.«

Während das NRW-Innenministerium die Gesamtstellenzahl für Polizeibehörden vorgibt, hat es nur in wenigen Fällen Einfluss darauf, in welchen Bereichen Polizisten eingesetzt werden. Sprecher Wolfgang Beus: »Jede Behörde entscheidet selbst, wie viele Beamte Sexualdelikte bearbeiten.«

Im Kreis Höxter sind es zwei Sexualsachbearbeiter, im Kreis Lippe ebenfalls, im Kreis Herford sind es drei, im Kreis Paderborn vier, im Kreis Gütersloh und im Kreis Minden-Lübbecke jeweils fünf.

Präsidium in Lippe will die Zahl nicht veröffentlichen

Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zu den 2018 angezeigten Fällen von Kindesmissbrauch (ohne den Fall Lügde) ergibt sich: Im Kreis Minden-Lübbecke musste ein Beamter durchschnittlich 6,6 Fälle von Kindesmissbrauch bearbeiten, gefolgt von den Kreisen Höxter (8), Gütersloh (8,2), Paderborn (10,25) und Herford (10,3). Schlusslicht ist der Kreis Lippe, wo jeder der beiden Sachbearbeiter im Schnitt 31,5 Fälle auf den Tisch bekam.

Dazu kommen jeweils noch die vielen anderen Sexualstrafverfahren, in denen es nicht um Kinder geht. Lars Ridderbusch, Sprecher der Behörde in Lippe: »Im Moment werden Kollegen geschult, um die Sachbearbeitung in diesem Bereich zu verstärken.«

Ob das Polizeipräsidium Bielefeld in diesem Vergleich besser oder schlechter abschneidet als der Kreis Lippe, lässt sich nicht sagen: Die Behörde hält als einzige die Zahlen geheim.

»Alles Gute und ein dickes Fell«

Für die Anzahl der Sexualsachbearbeiter im Kreis Lippe ist letztlich Landrat Axel Lehmann (SPD) zuständig, der den von seinen Führungskräften ausgearbeiteten Stellenplan absegnen muss. Eine Stellungnahme war gestern von ihm nicht zu bekommen – möglicherweise wegen zahlreicher Sitzungen.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich ein Detmolder Strafrichter mit einem Brief an Polizisten aus Lippe gewandt hat. Er wünscht ihnen unter anderem »Alles Gute und ein dickes Fell«.

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