Neue Suche förderte seit Mittwoch etwa 50 Beweisstücke zutage
Polizei übersah noch mehr Datenträger

Lügde (WB). Bei der Spurensicherung im Missbrauchsfall Lügde hat die Kripo Lippe mehr Beweise übersehen als bisher bekannt.

Samstag, 02.03.2019, 08:31 Uhr
Spürhund Artus am Tatort. Foto: Christian Althoff

Die »Ermittlungskommission Eichwald« des Bielefelder Polizeipräsidiums teilte am Freitag mit, sie habe seit Mittwoch bei ihrer dreitägigen Spurensuche auf dem Campingplatz einen USB-Stick, CDs, Disketten, Handykarten und SD-Speicherkarten gefunden. Geholfen hatte dabei ein spezieller Spürhund der sächsischen Justiz. Die Gegenstände werden dem Hauptbeschuldigten Andreas V. (56) aus Lügde zugerechnet. Auch in der Campingplatz-Behausung des zweiten Beschuldigten, Mario S. (33) aus Steinheim, seien einige Datenträger entdeckt worden. Insgesamt liege die Menge der seit Mittwoch sichergestellten Gegenstände »im mittleren zweistelligen Bereich«. Die Datenträger sollen im Polizeipräsidium kopiert und eingeschlossen werden. Die Kopien werden dann ausgewertet – in Bielefeld und anderen Polizeibehörden.

Behausung nicht gesichert

Die Kripo Lippe hatte die Wohnwagen und Hütten der Hauptbeschuldigten seit Dezember viermal durchsucht. Die Behausungen wurden danach versiegelt, aber nicht gesichert. Jeder hätte dort eindringen und die später gefundenen Datenträger stehlen können.

Nachdem das Innenministerium den Fall am 31. Januar der Polizei Bielefeld übertragen hatte, hatten die Beamten eine erste eigene, grobe Durchsuchung durchgeführt, und dabei schon eine Festplatte, einen PC, 131 CDs und einen USB-Stick gefunden. Diese Woche kamen dann bei der akribischen Suche weitere Datenträger dazu.

Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), sagte, die Versäumnisse könne er sich nicht erklären. »Die haben auch nichts mit zu wenig Personal zu tun.« Möglicherweise sei den Beamten nicht bewusst gewesen, dass der Tatort in diesem Fall so akribisch wie ein Mord-Tatort hätte untersucht werden müssen.

Die Ermittlungskommission will in der kommenden Woche einige Kinder erneut befragen, um Hinweise einordnen zu können, die sich während der Ermittlungen ergeben haben.

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