Ostersonntag in Lügde Jahrhundertealter Osterbrauch: In Lügde rollen wieder die Feuerräder

Lügde (dpa). »Das Wetter kann noch so widrig sein - die Räder laufen! So oder so!«, versichert Dieter Stumpe aus Lügde im Naturpark Teutoburger Wald. Er spricht vom Osterräderlauf - Tradition in dem Ort an der Grenze zu Niedersachsen seit über 250 Jahren. Sechs brennende Räder mit 1,70 Meter Durchmesser - 400 Kilogramm schwer - werden dabei einen Berg in Lügde heruntergerollt. An diesem Ostersonntag startet das Spektakel gegen 21 Uhr, wenn es dunkel ist.

Das Feuerrad donnert den Berg hinab.
Das Feuerrad donnert den Berg hinab. Foto: dpa

Lügde gilt als Hochburg des Osterbrauchs. Seit 2012 trägt die Stadt sogar offiziell den Titel »Stadt der Osterräder«. »Man ist da einfach stolz drauf, weil das im Grunde etwas Einmaliges ist«, sagt Dieter Stumpe vom »Dechenverein Lügde«, der die alte Tradition hochhält.

Die erste Urkunde zum Osterräderlauf stammt aus dem Jahr 1743. Das Feuerspektakel ist seit 2014 auch von der Unesco als immaterielles Kulturgut in Nordrhein-Westfalen geschützt. »Man könnte meinen, die Sonne sei vom Himmel gefallen«, beschreibt ein englisches Gedicht den Osterbrauch schon im 16. Jahrhundert, so die Stadt Lügde.

Volkskundler Thomas Schürmann vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe bringt die Osterräder mit dem noch älteren Brauch des Osterfeuers in Verbindung: Die Tradition in Lügde sei eine »Intensivierung des Osterfeuerbrauchs«. Als Osterräder erstmals aktenkundig wurden, im Jahr 1743, wurden sie von der Kirche verboten. Möglicherweise sei der Brauch der Kirche zu wild und ungestüm gewesen. »Man wollte das soziale Leben besser unter Kontrolle bringen«, erklärt der Volkskundler aus Münster.

Eine Minute dauert das Spektakel

Kernmotiv von Osterbräuchen generell sei »das Feuer als segensreiche, fruchtbringende Kraft« zum Ende der Fastenzeit, so Schürmann: »Das ist immer ein großes Spektakel und schafft ja Wärme und Gemeinschaft.«

Traditionell werden die sechs Räder aus Holz und Stroh angezündet und rollen den Lügder Osterberg zum Fluss Emmer herunter. Eine Minute dauert das Spektakel rund um die flammenden Räder. Davor ist aber viel Arbeit angesagt: Bis zu 150 Kilogramm Stroh stopfen die Helfer am Ostersonntag in jedes Holzrad. Dabei folgen die Lügder Jahrhunderte alter Tradition, erklärt Dieter Stumpe: »Bindfäden kann man nicht nehmen, die würden abbrennen und das Stroh nicht im Rad halten. Wir nehmen inzwischen Haselnussruten, die kann man wunderbar zum Einflechten nehmen.«

Die Ruten seien robust genug, um dem Feuer lange genug standzuhalten, danach kann das brennende Stroh aus den Rädern und Befestigungen gezogen und das Osterrad gelöscht werden. Auch das Anzünden ist etwas Besonderes. In Lügde nimmt man keine Feuerzeuge oder Streichhölzer, sondern Fackeln von einem Osterfeuer, das nebenan brennt. Wie und wo man die Räder ansteckt, ist Erfahrungssache, sagt Stumpe: »Das muss sehr genau passen, damit die Räder unten vollbrennend ankommen.«

Das älteste Rad 40 Jahre alt

Da die Räder erst am Tag des Osterräderlaufs gestopft werden, ist die Tradition auch für Naturschützer weniger kritisch als konventionelle Osterfeuer. »Das ist einer der Mindestansprüche, dass kurzfristig gestopft wird, so dass sich keine Lebewesen im Stroh verstecken können«, sagt Dirk Jansen, Sprecher des Bund in Nordrhein-Westfalen.

Obwohl der Ostersonntag für den Verein natürlich der Höhepunkt des Jahres ist, haben die Traditionsfreunde das komplette Jahr über zu tun. Sie bauen den Roggen für das Stroh selbst an. »Wir brauchen sehr langes Stroh, damit der Feuerball entsprechend groß ist. Deswegen dreschen wir das auch selber mit einer uralten Maschine«, beschreibt Stumpe.

Bevor das Stroh in die alten Holzräder gestopft wird, wässern die Räder eine Woche lang in der Emmer - einem Weser-Nebenfluss - denn die brennenden Halme sollen die alten Räder nicht beschädigen. Die Räder halten sehr lange - neue werden meist zu bedeutenden Anlässen gebaut wie etwa 1990 zur deutschen Vereinigung. Aktuell ist das älteste Rad 40 Jahre alt.

Bei gutem Wetter bewundern um die 20 000 Zuschauer die brennenden Osterräder. Aus Sicherheitsgründen werden große Fangzäune aufgebaut, denn die Feuerräder rollen mit bis zu 60 Stundenkilometern. »Da sieht man mal, was für eine Dynamik das hat. Das könnte schon gefährlich werden. Aber passiert ist noch nie etwas«, sagt Stumpe.

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