Daniela Tesch vermittelt in Ostwestfalen-Lippe ehemalige Legehennen
„Die Hühner geben einem so viel zurück“

Leopoldshöhe (WB). In ihrem Garten hält Daniela Tesch elf Hühner und einen Hahn. Nicht wegen der Eier, sondern aus Gründen des Tierschutzes. Die Frau aus Leopoldshöhe (Kreis Lippe) vermittelt ausgediente Legehennen an tierliebe Privatleute in OWL.

Montag, 09.03.2020, 11:47 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 13:46 Uhr
Daniela Tesch engagiert sich in Ostwestfalen-Lippe für Rettet das Huhn e.V. und vermittelt Legehennen. Foto: Andreas Schnadwinkel

Daniela Tesch vertritt in der Region den bundesweit agierenden Verein Rettet das Huhn e.V. Die Tierschützer übernehmen Legehennen aus Massentierhaltung, wenn diese zu alt (18 Monate) sind und nicht mehr genug Eier produzieren. In der Regel werden die ausrangierten Hühner in Schlachthöfen zu Tierfutter oder zu Brühwürfeln verarbeitet. Der Verein beziffert die Anzahl der pro Jahr getöteten Legehennen in Deutschland auf etwa 51 Millionen Tiere.

Tierlieb zu sein, ist die Grundvoraussetzung

„Im vorigen Jahr konnten wir immerhin 12.000 Hennen retten und in ein Zuhause vermitteln“, sagt Daniela Tesch. In OWL hat sie 2019 mehr als 200 Tiere an Privatleute gegeben. Rettet das Huhn e.V. arbeitet mit Legebetrieben (Bodenhaltung, Freilandhaltung, Biohaltung) in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern zusammen und übernimmt entsprechende Bestände. Für die Eierproduzenten lohnt sich das, denn sie sparen die Kosten für den Transport zum Schlachthof. Mitte April werden wieder 1400 Hennen abgeholt.

„Unser Ziel ist es, den Hühnern ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Wir wollen sie von Nutztieren zu Haustieren machen“, sagt Daniela Tesch und erläutert den Weg zum Haushuhn: „Immer mindestens zwei Tiere geben wir an Privatpersonen. Tierlieb zu sein, das ist natürlich die Grundvoraussetzung. Anfänger in Tierhaltung bekommen drei, falls ein Huhn schon nach kurzer Zeit sterben sollte. Das kann vorkommen. Der Verein schließt mit den Hühnerhaltern einen Schutzvertrag. Der regelt, dass pro Huhn mindestens zehn Quadratmeter Auslauffläche vorhanden und die Hennen vor Greifvögeln geschützt sind.“ Außerdem müsse der Stall sicher vor Mardern und Füchsen sein.

In der Regel macht die Vermittlerin keine Hausbesuche, um die Gegebenheiten zu kontrollieren. „Die Leute schicken mir Fotos vom Garten und vom Stall, das reicht meistens. Und wenn es Unklarheiten oder Zweifel geben sollte, dann machen wir einen Ortstermin“, so die ehrenamtliche Helferin.

Pro Woche 20 bis 25 Eier

In ihrem Garten hat sie kleine Schutzhütten aus Holz für die Hühner, die normales Körnerfutter bekommen, aufgestellt. „Die Hennen sind von ihrem Dasein im Legebetrieb so ausgezehrt, dass man sie gar nicht mehr fett bekäme.“ Aber Eier legen sie noch. Die Lipperin holt pro Woche 20 bis 25 Eier aus dem Stall und verschenkt sie an Freunde und Nachbarn. Wenn man sieht, wie sie ihre Tiere auf den Arm nimmt und mit der Hand über das Gefieder streicht, bekommt man eine Vorstellung davon, dass Hühner auch Haustiere sein können. Dazu gehört auch – wie bei Hund und Katze – der Besuch beim Tierarzt. Selbst vertraut sie einem auf Vögel spezialisierten Veterinär, der auch für die Adlerwarte Berlebeck tätig ist.

Bis zu fünf Jahre alt werden die Hennen im Schnitt. „Leider kann es vereinzelt passieren, dass Tiere kurz nach der Rettung sterben, weil sie die Umstellung von Gitterboden und künstlichem Licht zu Rasen und Natur nicht schaffen. Manche sind anfangs ängstlich und bleiben im Stall. Doch irgendwann orientieren sie sich an den anderen Hennen, gehen mit nach draußen und scharren fleißig“, sagt Daniela Tesch, die für ihre Tier auf lange Urlaube verzichtet. „Die Hühner geben einem so viel zurück, wenn man ihre Lebensfreude sieht.“

Auch in Salzkotten im Kreis Paderborn gibt es eine außergewöhnliche Form der Hühnerhaltung.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7317477?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949428%2F
Bielefelder Grüne stellen Milli-Görüs-Funktionär auf
Die Grünen Landesvorisitzende Mona Neubaur hält nichts von der Kandidatur des Milli-Görüs-Funktionärs. Foto: Jürgen Gebhard
Nachrichten-Ticker