Oberverwaltungsgericht lehnt Berufungsklage ab – Hermann Lüdeking (83) wurde seinen polnischen Eltern geraubt
Opfer ohne Anerkennung

Münster/Lemgo (WB). Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hat die Berufungsklage des 83 Jahre alten Hermann Lüdeking abgelehnt. Er war während des Zweiten Weltkriegs »zwangsgermanisiert« worden und hatte eine symbolische Wiedergutmachung verlangt.

Montag, 08.04.2019, 07:54 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 10:00 Uhr
Hermann Lüdeking mit seiner Pflegemutter aus Lemgo. Foto: Privat

Blond, blaue Augen – 1942 wurde Hermann Lüdeking, der damals anders hieß, als Kind von den Nationalsozialisten aus Polen verschleppt. Die SS verpasste ihm über ihren Lebensborn-Verein ei­nen deutschen Namen und linientreue deutsche Pflegeeltern. Als 16-Jähriger entdeckte er die Unterlagen seiner Lebensborn-Adoption in ei­ner Kommode ­seiner Pflegemutter und brachte sie an sich. Wer seine Eltern waren, weiß er bis heute nicht.

83-Jähriger verlangte 2500 Euro

Sein Schicksal gleicht dem Tausender anderer – mit ei­nem Un­ter­schied: Der heute 83-Jährige, der in Lemgo aufwuchs und seit vielen Jahren in Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz lebt, verlangte eine Entschädigung von der Bundesrepublik. Da sich das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­teri­um querlegte, ging Lüdeking vor Gericht. Vor dem Verwaltungsgericht in Köln zog er 2018 den Kürzeren. Jetzt war das Oberver­waltungs­gericht Münster am Zug. Doch das entschied am Donnerstag, die Berufung nicht zuzulassen.

Hermann Lüdeking als 83-Jähriger.

Hermann Lüdeking als 83-Jähriger. Foto: Privat

2500 Euro hatte der 83-Jährige verlangt. Der Betrag war symbolisch gewählt, letztlich ging es ihm um die Anerkennung als Opfer. Die bleibt ihm nun verwehrt.

Opferzahlen gibt es nicht

Die Leistung des Bundes an Kriegsopfer sei eine freiwillige Leistung ohne gesetzlich geregelten Anspruch, begründete der 11. Senat. Gewährt werden sie laut der Richtlinien der Bundesregierung über Härteleistungen jenen Menschen, die »wegen ihres gesellschaftlichen oder persönlichen Verhaltens vom NS-Regime als Einzelne oder als Angehörige von Gruppen angefeindet wurden und denen deswegen Unrecht zugefügt wurde«. Erwähnt werden hier ausdrücklich Euthanasie-Opfer, Zwangssterilisierte und Homosexuelle. Lüdeking wolle »den Kreis der geschädigten und damit anspruchsberechtigten Personen erweitern«, was jedoch dem Grundgedanken einer freiwilligen Leistung widerspreche, schrieben die Richter.

Das SS-Projekt »Lebensborn«, gegründet von Reichsführer-SS Heinrich Himmler, sollte »rassisch gewünschten Nachwuchs« aus den besetzten Ländern ins Reich bringen. Die Jungen und Mädchen wurden ihren Eltern geraubt, Väter und Mütter oftmals ermordet. Opferzahlen gibt es nicht. Die Schätzungen reichen von 50.000 bis zu 250.000 Kindern. »Es ist eine Ungerechtigkeit, dass diese Opfergruppe vergessen worden ist«, sagt Christoph Schwarz vom Verein »Geraubte Kinder – vergessene Opfer«.

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