Lemgo rettet am letzten Spieltag mit 32:31 gegen Gummersbach den Klassenerhalt Und dann trifft Tim Suton

Lemgo (WB). Jeder TBV-Treffer ein kollektives Aufatmen, jedes Gummersbacher Gegentor ein Stich ins lippische Handballherz: 31 Mal können die Zuschauer beim Bundesligafinale am Samstag in der Lipperlandhalle erleichtert jubeln. 31 Mal aber beginnt das bange Bibbern auch von Neuem. Und dann trifft Lemgos Tim Suton.

Von Hans Peter Tipp
Mit 20 Jahren schon eine Führungskraft: Tim Suton führt den TBV Lemgo mit sieben Treffern gegen den VfL Gummersbach zum Klassenerhalt.
Mit 20 Jahren schon eine Führungskraft: Tim Suton führt den TBV Lemgo mit sieben Treffern gegen den VfL Gummersbach zum Klassenerhalt. Foto: Paul Cohen

23 Sekunden vor der Schlusssirene tankt sich der erst 21 Jahre alte, künftige Nationalspieler im linken Rückraum entschlossen gegen zwei Verteidiger durch und befördert den Ball zum entscheidenden 32:31 des TBV Lemgo ins Gummersbacher Gehäuse – durch die Beine des früheren Lemgoer Torwarts Carsten Lichtlein.

In diesem Moment entlädt sich die ganze Anspannung des spannenden Abstiegskampfes in einer gewaltigen Eruption der Emotionen. Jeder im höllisch heißen Hexenkessel der Lipperlandhalle weiß genau: Das ist es. Ganz egal, ob den Gästen noch der Ausgleich gelingt – das reicht. Wenig später ist das 32:31 (15:13) der amtliche Endstand, der auch den Gummersbachern zum Klassenerhalt verhilft. Für Lemgo bedeutet der dritte Sieg in Folge im Fernduell mit dem Bergischen HC den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga. Die Solinger gewinnen am letzten Spieltag 32:24 gegen Hannover und steigen dennoch ab.

»Wir wurden schon aufgegeben«

»Was in diesem Jahr da unten los war, hat Nerven gekostet«, sagte TBV-Trainer Florian Kehrmann und lobte seine Profis: »Was die in den letzten Wochen zusammen performt haben, war unglaublich. Wir wurden schon aufgegeben. Wir haben Rückschläge eingesteckt, hatten Langzeitverletzte – und das alles hat uns nicht umgeworfen.« TBV-Routinier Christoph Theuerkauf stellte fest: »Unter dem Strich steht, dass wir über dem Strich stehen. Das zählt. Und ich glaube, wer sechs Punkte aus den letzten drei Spielen holt, der hat es auch verdient.«

Lemgos Rettung war haarscharf – wie Sutons entscheidender Treffer. »Den hätte Carsten Lichtlein auch halten können«, räumte der siebenfache Torschütze ein: »Vielleicht hatte ich ja das Glück des Tüchtigen.« Falls es so war, war es verdient – auch wegen Sutons unermüdlichen Einsatzes. In der 49. Minute humpelte der 21-Jährige in die Kabine, ließ sich das umgeknickte linke Sprunggelenk tapen und stand drei Minuten später wieder auf dem Feld. Suton: »Das hat echt wehgetan. Aber heute war noch ein bisschen mehr Adrenalin im Körper als sonst, so dass es leichter war, es durchzustehen.« Aber Suton wollte dieses Happy End. Unbedingt. Und alle anderen Lemgoer wollten es genauso. »Da hätte schon der Kopf oder ein Gliedmaß fehlen müssen, damit ich hier nicht auflaufe«, sagte Theuerkauf, der sich am Kreis trotz einer Rippenprellung immer wieder in die Schlacht warf. Bester TBV-Werfer war Tim Hornke (10/5 Tore).

Jari Lemkes Ruhe dreht das Ruder wieder rum

Zum wichtigen Faktor wurde auch Regionalligaakteur Jari Lemke, Lemgos Entdeckung der Saison als siebter Feldspieler. Am Samstag brachte Kehrmann den jüngeren Bruder des Nationalspielers Finn Lemke, der vor jeder Einwechslung sicherheitshalber durchzählt, wie viele Mitspieler auf der Platte stehen, als die Partie zu kippen drohte. Da war Gummersbach zum ersten Mal in der zweiten Halbzeit in Führung (24:23/43.) gegangen und der TBV in diesem Moment abgestiegen. Dank Kehrmanns taktischem Wechsel und Lemkes ruhigem und intelligentem Spielvortrag bekam der TBV die Partie aber wieder in den Griff. »Es ist unglaublich, welche Pässe Jari unter diesem Druck spielt und welche Entscheidungen er trifft. Ich freue mich, nächstes Jahr mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen«, sagte Kehrmann.

Dann soll beim TBV Lemgo allerdings nicht wieder bis zur letzten Sekunde gezittert werden. »Das war jetzt mein fünftes Jahr Abstiegskampf im Erwachsenenhandball«, sagte Tim Suton: »Vielleicht wäre es ein schönes Ziel, im nächsten Jahr etwas früher den Klassenerhalt zu schaffen.« Sein Vertrag läuft noch bis 2018. »Ziel des Vereins ist es, ihn länger als noch ein Jahr in Lemgo zu halten«, sagte TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike.

TBV-Tore: Hornke 10/5, Suton 7, Zieker 4, Kogut 3, Theuerkauf 3, Valiullin 3, Klimek 1, Lemke 1

VfL-Tore: Kühn 11/2, Ernst 5, Baumgärtner 3, Pevnov 3, Becker 2, Schmidt 2, Schröter 2, von Gruchalla 2, Schindler 1

Zuschauer: 4790 (ausverkauft)

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