Kürschner Thorsten Pohle aus Lage schneidert aus gebrauchten Werkstoffen neue Modelle Weicher Pelz trifft grobes Zelt

Lage (WB). Pelze, wohin man schaut: Pelze. Und Unmengen an weißen Schnittmustern. Mittendrin: Thorsten Pohle (55), Kürschner, Designer, ein Mann, in dessen Kopf es nur so an Ideen sprudelt. „Die Kleiderschränke sind voll von Omas ausrangierten Pelzmänteln. Doch wohin damit?“ Sein Rezept: Felle und alte Zeltplanen mitein­ander kombinieren.

Von Bärbel Hillebrenner
Thorsten Pohle aus Lage ist Kürschner und Pelz-Designer aus Leidenschaft. Er hat immer eine Idee, wie man aus alten Pelzjacken und -mänteln ein neues, modisches Modell schneidern kann. Die aufwändige Handarbeit hat natürlich ihren Preis. Eine konkrete Summe nennt er aber nicht.
Thorsten Pohle aus Lage ist Kürschner und Pelz-Designer aus Leidenschaft. Er hat immer eine Idee, wie man aus alten Pelzjacken und -mänteln ein neues, modisches Modell schneidern kann. Die aufwändige Handarbeit hat natürlich ihren Preis. Eine konkrete Summe nennt er aber nicht. Foto: Moritz Winde

Aus einem 50 Jahre alten Nerz wurde ein modischer Mantel. Das Fell wurde in eine über 60 Jahre alte Zeltplane aus Algerien eingearbeitet. Foto: Moritz Winde

Mit dem Handy am Ohr begrüßt der Designer die Besucherin. Gerade spricht er mit einer betagten Seniorin. „Sie ist schon über 90, aber immer noch top-modisch“, erzählt er nach dem Anruf. Ja, Seniorinnen verbindet man schnell mit einem langhaarigen Nerz oder einem kurz geschorenen Persianer. Doch weit gefehlt! Auf den Kleiderstangen seines Pelzateliers im lippischen Lage hängen trendige Kurzjacken, sportliche Parkas und flotte Mäntel, die alles, nur nicht altbacken sind.

Das Thema Nachhaltigkeit und Wiederverwertung treibt den Designer schon lange um, schließlich sei der Grundstoff, die haarige Tierhaut, bereits vorhanden. „Entweder liegt Omas Pelz aber in der hintersten Schublade, wird an Recyclingbörsen verschenkt oder im Internet verkauft.“

Wegwerfen ist keine Option

Designer Pohle aber kann Besseres damit anfangen, denn Wegwerfen ist für ihn keine Option. Der 55-jährige Kürschner aus Lage – in vierter Generation mit seiner Schwester Ina Pohle-Holz Inhaber des Modeateliers – hatte eine Idee, die zunächst kurioser kaum klingen kann. „Bei einem Anbieter für Militaria hatte ich gelesen, dass kaum benutzte Zelte verkauft werden, in denen Soldaten während des Krieges übernachtet hatten. Auch für Altbestände der Nationalen Volksarmee wurde eine neue Verwendung gesucht“, berichtet Thorsten Pohle.

Seine Fantasie begann Visionen zu spinnen: Warum eigentlich nicht derbe Planen mit weichen Fellen kombinieren? Aus etwas altem Gebrauchtem etwas ganz neues Modisches machen? Die Zeltstoffe sind aus Baumwolle, wetterfest und unverwüstlich. Pohle: „Irgendwas Künstliches wie Polyester kommt mir nicht ins Haus.“ Also runter mit dem angestaubten Image vom muffigen Pelz und auf zu La Mode très chic!

Einige Teile mit NVA-Stempel

Pohle kaufte also die groben Werkstoffe, bekam zum Teil unbenutzte, aber auch verwitterte Exemplare geliefert. „Einige hatten noch Stempel der NVA drauf, mit original Ösen und Knöpfen. Manche Planen hatten Risse, waren natürlich auch oft verdreckt.“

Für den Designer alles kein Problem – die Wiederverwendung dieser Kriegszelte und der ausrangierten Pelze war genau das, was für ihn eine sinnvolle, umweltschonende und nachhaltige Mode ausmacht. Kein Arbeitsstoff könne so häufig verändert und umgestaltet werden wie das Fell – bei trockener Lagerung hält es immerhin bis zu 60 Jahre.

Entwürfe für Herbst- und Wintertage

Die Zeltbahnen werden gründlich gereinigt und neu imprägniert. Ihre Farben bleiben erhalten: oliv, sand oder anthrazit. Sie haben nun eine besondere Patina, sind griffig – und vor allem exklusiv. Großmutters Nerz, Persianer oder Lammfellmantel ist nach der Umarbeitung nämlich nicht wiederzuerkennen: Der Designer entwirft, je nach Kundenwunsch, ein völlig neues Model – außen Zelt, innen Fell, einzigartig in Ostwestfalen-Lippe, meint der Kürschner. Seine Kollektion besteht größtenteils aus sportiven Parkas mit Kapuze oder klassischen Jacken mit hohem Kragen. Knöpfe, Ösen oder Belüftungsschlitze der Planen können eingearbeitet werden. „Das ist immer eine besondere Herausforderung für den Designer, gibt der Kleidung aber einen ganz individuellen Pfiff“, sagt Pohle. Das Alu-Zubehör könne aber auch durch neue Verschlüsse oder Haken ersetzt werden.

Alle Entwürfe sind für windige Herbsttage oder kalte Winter geeignet, denn das kuschelige Fell als wärmendes Innenfutter trotzt eisiger Kälte.

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