Ehemalige Villa an der Weser ist jetzt ein Artenschutzhaus
Hier ziehen Vögel und Insekten ein

Kalletal (WB) -

Die Eulen haben es sich auf dem Dachboden gemütlich gemacht. Im ersten Stock wohnen bereits Zaunkönig und Hausrotschwanz. Spatzen sitzen neugierig in den Fenstern. Im Erdgeschoss ist reichlich Platz für Kleintiere, Insekten und Amphibien. Die Renovierung des Artenschutzhauses an der Weserstraße in Stemmen ist abgeschlossen. Jetzt kann das Leben in dem ehemaligen Zuhause der Familien Klemme und Varlemann neu beginnen.

Samstag, 06.02.2021, 13:00 Uhr
Das Artenschutzhaus an der Weserstraße in Stemmen ist bezugsfertig. Christian Höppner hat das ehemalige Zuhause der Familien Klemme und Varlemann für Tiere und Pflanzen hergerichtet. Foto: Frank Dominik Lemke

„Wir haben das Artenschutzhaus so hergerichtet, dass möglichst viele Tierarten hier ein Zuhause finden“, sagt der Leiter des Projekts, Christian Höppner. Als Christian und Auguste Klemme das Haus 1932 bauten, wollten sie daraus eine Pension machen. Der Krieg kam dazwischen. Als die Wirtschaft wieder florierte, lebten hier mehrere Familien. Bis 2013 wohnte Ewald Klemme in dem Haus. 2014 kaufte es Phillip Reese. Der Unternehmer fragte den Landschaftsökologen Christian Höppner, ob es Möglichkeiten gebe, daraus etwas für den Naturschutz zu tun. Der hatte viele Ideen, erstellte Konzepte, ging mit Phillip Reese in die Umsetzung.

Artenschutzhaus Kalletal

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  • Das Handyfoto zeigt den Abriss der zerfallenen Doppelgarage.

    Das Handyfoto zeigt den Abriss der zerfallenen Doppelgarage.

    Foto: Frank Dominik Lemke
  • Steine, Stämme, Stroh: Das Haus bietet Raum für viele Tierarten.

    Foto: Frank Dominik Lemke
  • Der Blick aus dem Fenster: Hinter dem Balkon ist das Kieswerk Pampel zu sehen.

    Foto: Frank Dominik Lemke
  • Ein Insektenhotel wartet auf die ersten Bewohner.

    Foto: Frank Dominik Lemke
  • Christian Höppner hat das ehemalige Zuhause der Familien Klemme und Varlemann für Tiere und Pflanzen hergerichtet.

    Foto: Frank Dominik Lemke

Bislang hat die Unternehmensgruppe Reese 38.000 Euro in dieses Projekt investiert. Unter der Leitung von Christian Höppner haben Mitarbeiter des Unternehmens das Haus gereinigt, entkernt und für Tiere und Pflanzen hergerichtet. An der Fassade wachsen jetzt Kletterpflanzen. Nistkästen laden Vögel ein. Fenster stehen offen.

„Kommen sie. Ich zeige ihnen alles“, sagt Christian Höppner und führt seinen Besucher in das ehemalige Wohnzimmer mit Ausblick auf das Kieswerk Pampel gegenüber. Der Rolladenkasten über dem Fenster ist angebohrt. „Damit Hornissen einziehen können. Vielleicht kommen auch Wespen oder Brutvögel“, sagt er. Wer sich umsieht, entdeckt Hunderte Details: ein aufgebrochenes Loch in der Decke, Nistkästen in den Ecken, Stroh, Holz und Sandsteine auf dem Boden. „Zwischen den Steinen können Amphibien eine sichere Zuflucht finden“, sagt Christian Höppner. Das Erdgeschoss ist vor allem für Kleintiere gedacht.

Eine alte Holztreppe führt in das erste Stockwerk. „Das haben wir vor allem für Vögel hergerichtet“, sagt Christian Höppner. Vor den offenen Fenstern sind Stahlgitter angebracht. Darauf können Vögel landen, sich drinnen umsehen und entscheiden, was sie machen. Im ehemaligen Bad hatte schon vor der Renovierung ein Hausrotschwanz gebrütet. Doch Unbekannte störten das Weibchen. Heute sichern Kameras das Gebäude.

Auf dem insgesamt 2,3 Hektar großen Grundstück wachsen jetzt 44 neu gepflanzte Obstbäume. Im Frühjahr sollen Rinder am Haus grasen. In fünf Jahren werden die Kletterpflanzen das ganze Haus einhüllen. Christian Höppner bietet auf Anfrage Führungen durch das Artenschutzhaus an. Der 34-Jährige hat sich 2017 mit seinem Unternehmen patroVIT selbstständig gemacht. Wer mehr über die Geschichte des Hauses erfahren möchte, kann diese im kommenden Heimatblatt Nr. 6 der Kirchengemeinde Varenholz nachlesen, von der Autorin Vera Varlemann.

 

Weitere Informationen über das Projekt unter:

www.patrovit.de

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