Kalletaler Bürgermeister-Kandidaten stellen sich den Fragen
Amtsinhaber und Herausforderer

Kalletal (WB/jg). Amtsinhaber Mario Hecker (parteilos) oder Herausforderer Ingo Mühlenmeier (UKB): Die Wählerinnen und Wähler entscheiden in wenigen Tagen darüber, wer in den nächsten fünf Jahren die Geschicke der Gemeinde leiten wird. Für das WESTFALEN-BLATT beantworten beide Kandidaten gleichlautende Fragen.

Samstag, 05.09.2020, 04:11 Uhr aktualisiert: 05.09.2020, 04:20 Uhr
Die Wählerinnen und Wähler entscheiden darüber, wer in den nächsten fünf Jahren Chef im Kalletaler Rathaus ist. Foto: Jürgen Gebhard

Warum glauben Sie, dass Sie für das Amt des Bürgermeisters geeignet sind?

Ingo Mühlenmeier: Ich bin Kalletaler durch und durch. Von mir kann man Ehrlichkeit und Offenheit erwarten, mache ich einen Fehler, stehe ich dafür ein und suche nicht nach anderen Schuldigen. Ich bringe über 20 Jahre politische Erfahrung mit und kenne das Kalletal wie meine Westentasche. Und ein Quereinsteiger in der Verwaltung kann ja auch ein Vorteil sein!

Mario Hecker: Die Kalletaler Bürgerinnen und Bürger werden sich sicherlich noch an die unruhigen Zeiten vor meiner Amtszeit erinnern. In meiner Funktion als Bürgermeister habe ich es gemeinsam mit den Mitgliedern des Rates geschafft, Ruhe und Beständigkeit in die Politik zu bringen und Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde Kalletal zu treffen. Das war zuvor anders und hat Kalletal in seiner Entwicklung gehemmt. Ich habe in den zurückliegenden Jahren daher bereits bewiesen, dass ich es kann. Daran möchte ich anknüpfen. Verwaltungserfahrung ist dabei unabdingbar. Parteilos und unabhängig zu sein, kommt mir ebenfalls zu Gute.

Stärken und Schwächen

Wo sehen Sie Ihre größte Stärke?

Mühlenmeier: Ich kann auf die Bürger zugehen und anpacken. Ich höre mir ihre Probleme und Anregungen an und suche nach schnellen, bestmöglichen (und gesetzeskonformen?) Lösungen. Ich bin sturmerprobt und lasse mich nicht so leicht ins Boxhorn jagen – das ist in der Politik ganz wichtig.

Hecker: Viele Leute spiegeln mir wieder, dass meine ruhige und unaufgeregte Art eine meiner größten Stärken sei. Sie versetzt mich beispielsweise in die Lage, die handelnden Akteure auch unter schwierigen Bedingungen an einen Tisch zu holen und den Entscheidungsprozess so zu moderieren, dass am Ende ein Ergebnis erzielt wird, mit dem alle Beteiligten leben können. Sie hilft mir auch dabei, Versuche äußerer Einflussnahme Stand zu halten und im Interesse der Gemeinde zu handeln.

Was können Sie nicht so gut?

Mühlenmeier: Ich bin kein Showtalent. Facebook ist mir natürlich bekannt und vertraut, aber sicher nicht mein Lebensinhalt. Wie schon gesagt, ich packe lieber an, statt mich zu vermarkten. Da unterscheide ich mich deutlich von meinem Mitbewerber.

Hecker: Es fällt mir schwer, die Tür meines Büros zu schließen. Diese steht in der Regel stets offen. Ich halte es für zielführend, mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, ansprechbar zu sein und bin kein Freund von langfristigen Terminvereinbarungen, damit Entscheidungsprozesse nicht unnötig aufgehalten werden. Manchmal muss ich mich aber auf entscheidende Dinge fokussieren können und brauche dazu etwas Ruhe – dann kann ich diese vermeintliche Schwäche auch umgehen.

Bürgernähe

Was verstehen Sie unter Bürgernähe?

Mühlenmeier: Entscheidungen nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern treffen. Die Hinterzimmer-Politik, die wir von der UKB schon immer kritisieren, muss endlich ein Ende haben.

Hecker: Bürgernähe setzt sich aus verschiedenen Dingen zusammen, die nur als Ganzes ihre Wirkung entfalten. Sie bedeutet für mich, ansprechbar für alle Kalletaler zu sein, den Einladungen der Vereine zu folgen oder auch mal eine Rolle im Theaterstück der Laienspielgruppen zu übernehmen. Ferner das Wirken der Verwaltung über unterschiedliche Medienwege transparent zu gestalten und neue Services, zum Beispiel Online-Terminvereinbarungen im Rathaus, anzubieten, um Wartezeiten zu verkürzen. Das alles zusammen ist für mich die „Bürgernähe“ eines engagierten Bürgermeisters. Genauso habe ich es bisher gelebt und möchte das auch weiterhin tun.

Was läuft im Kalletal zurzeit schon recht gut?

Mühlenmeier: Ich bin stolz auf das Vereinsleben im Kalletal und wie sich die Vereine für ihre Gemeinschaft, ihren Ort, ihre Nachbarn einsetzen. Das macht Mut, hier will ich unterstützend helfen – zwinkersmiley Richtung Kalldorfer Sportplatz. Mich freut es auch, dass ich eine deutliche Verbesserung an den Spielplätzen feststellen kann... es hat gedauert...

Hecker: Dass sich Rat und Verwaltung auf Kreis-, Landes- und Bundesebene den Ruf eines verlässlichen Partners erarbeitet haben. Wir nutzen für Maßnahmen, die ohnehin durchgeführt werden müssen, intensiv die Möglichkeiten der angebotenen Förderprogramme, indem wir Anträge zielführend formulieren sowie frühzeitig stellen und die finanziellen Mittel fristgerecht abrufen. Das führt dazu, in Netzwerken mitwirken zu können, zu denen die Gemeinde bisher keinen Zugang hatte, um damit einen Schritt voraus zu sein. So wird uns beispielsweise zukünftig die erarbeitete Nachhaltigkeitsstrategie in eine komfortable Ausgangsposition bringen.

Geringere Einnahmen

Was muss in der Gemeinde verbessert werden?

Mühlenmeier: Transparenz! Ein Chaos wie beim Flächennutzungsplan (Windenergie) darf es nicht mehr geben. Lobbyinteressen dürfen nicht über dem Wohl der Gemeinde und seiner Bürger stehen.

Hecker: Ich wäre gerne mit der bereits in 2016 thematisierten Nahwärmeversorgung in Hohenhausen deutlich weiter, zumal davon unser Freibad hinsichtlich der Wassertemperaturen maßgeblich profitieren würde. Bisher waren die Rahmenbedingungen aber nicht so, um es wirtschaftlich darstellen zu können. Hier zeichnen sich aber alternative Fördermöglichkeiten ab, womit wir wieder bei der Nachhaltigkeitsstrategie und deren Bedeutsamkeit für die Gemeinde wären.

Coronabedingt müssen die Kommunen mit geringeren Einnahmen rechnen. Wo würden Sie zuerst sparen und weshalb?

Mühlenmeier: Leider haben wir keine großen Spielräume mehr um zu sparen. Wir dürfen einfach nicht mehr jeden Fördertopf in Anspruch nehmen, nur um des Fördertopfes willen. Denn wir müssen immer einen Eigenanteil erbringen. Warum baut man eine Toilette neben einem Backhaus, wenn wenige Meter in einem Dorfgemeinschaftshaus sich die selbige befindet? Mario Barth möchte ich im Kalletal nicht live erleben!

Hecker: Rat und Verwaltung haben für diesen Fall bereits in den zurückliegenden Jahren vorgesorgt und sich von vielen unterhaltungs- und damit kostenintensiven Gebäuden getrennt, diese veräußert oder abgerissen. Gleichzeitig wurden durch geschickte Kombination mit Förderprogrammen kommunale Gebäude energetisch saniert und damit der finanzielle Aufwand im laufenden Betrieb gesenkt. Ferner hat die Gemeinde seit Jahren der Haushaltssicherung diese jetzt verlassen. Die Ergebnisse seit 2017 waren durchgehend positiv, zuletzt mit einem Überschuss in Millionenhöhe, der uns einen Ausgleich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ermöglichen wird.

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