Richter Jens Gnisa (56) soll als Landrat den Kreis Lippe von der SPD zurückerobern
CDU nominiert Amtsgerichtsdirektor

Bad Salzuflen (WB/ca). Die CDU will bei den Kommunalwahlen den traditionell roten Kreis Lippe von der SPD zurückerobern. Am Freitagabend nominierten Mitglieder des Kreisverbands Lippe den B ielefelder Amtsgerichtsdirektor Jens Gnisa (56) mit mehr als 99 Prozent der Stimmen für die Landratswahl am 13. September.

Samstag, 01.02.2020, 07:42 Uhr aktualisiert: 01.02.2020, 07:46 Uhr
Jens Gnisa bat die lippischen CDU-Mitglieder am Freitagabend um ihre Stimmen. Foto: Christian Althoff

Gnisa lebt seit 30 Jahren in Horn-Bad Meinberg. Er war Präsident des Deutschen Richterbundes und hatte dieses Amt zum Jahreswechsel abgelegt, um jeden Interessenkonflikt auszuschließen. Sollte er im Herbst zum Landrat gewählt werden, verliert er auf Lebenszeit sein Richteramt.

Gnisa war mit seiner Frau, seinen drei Töchtern, dem Schwiegersohn und dem Enkelkind erschienen. Vor 161 Parteimitgliedern, die ins Kurhaus nach Bad Salzuflen gekommen waren, sagte Gnisa, dies sei ein Abend, von dem er seinen Enkeln erzählen werde.

„Die Menschen aufsuchen“

Dann wurde er politisch. „In Lippe erlebe ich ständig, dass Züge ausfallen, dass ich keinen Handyempfang habe und dass ich im Stau stehe.“ Als Landrat dürfe man nicht nur auf die Bahn, die Telekom und das Landesstraßenbauamt zeigen, sondern müsse selbst aktiv werden. Auch die Wirtschaft brauche mehr Aufmerksamkeit. „Ich war kürzlich bei einer bekannten lippischen Unternehmerin, und die sagte, dass noch nie ein Bürgermeister bei ihr gewesen sei!“ Er werde sich nicht in seinem Büro verstecken, sondern die Menschen aufsuchen. „Sie werden mich auch mal im Streifenwagen sehen oder beim Karnevalsverein. Das wird vor allem meine Frau freuen, denn die kommt aus Köln.“

Defizite des „politischen Mitbewerbers“ sieht Gnisa auch bei der medizinischen Versorgung: „Was hat die SPD in Ostwestfalen dazu beigetragen, dass wir eine Medizinfakultät in Bielefeld und eine Uniklinik in Detmold bekommen? Nichts!“ Zum Thema Sicherheit erklärte Jens Gnisa, die Behörden müssten noch besser zusammenarbeiten. In Horn-Bad Meinberg, wo es im Zusammenhang mit dem Zuzug von Bulgaren Klagen über Lärm und Müll gibt, müssten Gesetze konsequenter umgesetzt werden. „Die fahren seit Jahren Autos mit ausländischen Kennzeichen, was verboten ist, und sie respektieren die Schulpflicht nicht.“ Der Kreis tue zwar etwas, aber das gehe ihm zu langsam.

„Zu unseren Werten stehen“

Der Jurist kritisierte, dass Menschen wegen einer abweichenden Meinung sofort in Schubladen gesteckt würden. „Für mich ist jede Meinung gleich viel wert, auch wenn es nicht meine ist. Welche Ansicht umgesetzt wird, wird in einer Demokratie von der Mehrheit entschieden.“ Er wolle als jemand, der für Recht und Gesetz eintrete, nicht am rechten Rand fischen, sondern Menschen aus diesem Bereich, den er nicht akzeptiere, zurückholen. „Das gelingt aber nur, wenn wir fest zu unseren Werten stehen.“

Die anderen Kandidaten für die Landratswahl sind Amtsinhaber Axel Lehmann (54) von der SPD und Sozialrichter Robin Wagener (39), der für die Grünen antritt.

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