Ex-Rechtsanwalt aus Bielefeld zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt
Betrug: Kinderstiftung verliert 110.000 Euro

Bielefeld/Detmold -

Ein früherer Strafverteidiger (64) aus Bielefeld ist am Mittwoch vom dortigen Schöffengericht wegen Betrugs in vier Fällen zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Zu den Geschädigten gehört auch eine Kinderstiftung.

Donnerstag, 01.04.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 07:19 Uhr
„Kinder brauchen Liebe“: So wirbt die Stiftung um Spenden, aktuell unter anderem für Kinder in der Ukraine. Foto: Althoff

Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt – unter anderem, weil der Rechtsanwalt seine Zulassung im Dezember zurückgegeben hatte und damit keine weiteren Taten von ihm zu erwarten seien, wie die Vorsitzende Richterin sagte.

Zwischen 2012 und 2016 hatte der Anwalt Mandantengelder für sich genommen, aber auch einen Kredit erschlichen – insgesamt im sechsstelligen Bereich.

Zu den Geschädigten gehört die als gemeinnützig anerkannte Stiftung „Kinderarche“ aus Detmold, die nach eigenen Angaben Kindern in Not hilft und dafür Spenden sammelt. 2016 hatte der Stiftungsvorstand dem Rechtsanwalt, den man persönlich kannte, 200.000 Euro Kredit zu fünf Prozent Zinsen pro Quartal gewährt, wofür der Verein auf das Stiftungsvermögen zurückgegriffen haben soll. Der Anwalt konnte das Darlehn aber nicht bedienen. Heute fordert die Kinderstiftung von ihm die noch offenen 110.000 Euro plus 73.000 Euro Zinsen – Geld, das sie wohl nie wiedersehen wird.

Wofür der Jurist, der die Taten gestanden hat, das Geld brauchte, wurde in der Verhandlung nicht ganz klar. Er will er sich vor Jahren mit Immobilien verspekuliert haben.

 Der Fall der Stiftung „Kinderarche“ war nur einer von mehreren, in denen der Anwalt fremdes Geld für sich genommen hatte. In einigen Fällen war es ihm mit Hilfe eines Freundes gelungen, den Schaden durch Rückzahlungen zu begrenzen. Verurteilt wurde er letztlich wegen Betrugs in vier Fällen. Richterin Astrid Salewski sagte zu dem gesundheitlich angeschlagenen Angeklagten: „Schwerwiegend war vor allem der Fall eines ihrer Mandanten, der als Bewährungsauflage Geld zahlen musste, das sie für sich genommen haben.“ Der finanzielle Schaden sei gering gewesen, aber die Sache hätte für den Mandanten „böse enden“ können.

Zum Fall der Stiftung „Kinderarche“ erklärte die Richterin, hier sei zwar der höchste Schaden entstanden, doch habe die Stiftung möglicherweise ihren Teil dazu beigetragen, indem sie die Bonität des Anwalts nicht richtig geprüft habe.

Richterin spricht von milder Strafe

Mit dem Urteil entsprach die Richterin dem Antrag von Verteidiger Sebastian Nickel und blieb zwei Monate unter der Forderung von Oberstaatsanwältin Dagmar Weitkamp. Der Verurteilte nahm den Richterspruch an, das Urteil ist damit rechtskräftig. Die Vorsitzende Richterin sprach von einer „milden Strafe“, doch seien die Folgen der Taten für den Angeklagten erheblich. „Sie als ehemals erfolgreicher Strafverteidiger mit schickem Haus leben jetzt in einer Mietwohnung, können nicht mehr als Anwalt arbeiten und haben nur noch bescheidene Einkünfte.“

Ins Urteil schrieb die Richterin nicht nur die Haftstrafe, sondern auch eine sogenannte Einziehung von Wertersatz in Höhe von 203.000 Euro. Für diese Summe haftet der Verurteilte gegenüber den Opfern. Sie setzt sich zusammen aus 93.000 Euro, die eine Frau noch von dem Ex-Anwalt bekommt, und 110.000 Euro für die Kinderstiftung. Die von der „Kinderarche“ geforderten Zinsen, die die Richterin abenteuerlich nannte, kamen nicht mit ins Urteil.

Stiftungsvorstand 2017 unter Verdacht

 Die 110.000 Euro scheinen für die Stiftung verloren. 2017 hatte die Staatsanwaltschaft Detmold deshalb wegen Untreue gegen den Stiftungsvorstand ermittelt und die Mitglieder 2019 wegen Untreue angeklagt. Doch das Amtsgericht Detmold stellte das Verfahren ein, der Vorstandsvorsitzende musste 600 Euro Geldstrafe zahlen.

Die Bezirksregierung in Detmold ist für die Stiftungsaufsicht zuständig. Ein Sprecher sagte am Mittwoch, laut Stiftungsgesetz dürfe man sich nicht zu einzelnen Fällen äußern. Grundsätzlich sei es aber so, dass Stiftungen, weil es am Kapitalmarkt kaum Zinsen gebe, gelegentlich das Stiftungsvermögen durch gesicherte Kredite zu mehren versuchten. Nur wenn mehr als ein Drittel des Stiftungsvermögens betroffen sei, müsse das der Stiftungsaufsicht angezeigt werden.

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