Ex-Bundesumweltminister aus Höxter über die Zukunft Ostwestfalen-Lippes nach der Corona-Krise
Töpfer: Renaissance des Regionalen

Ostwestfalen-Lippe zum Vorbild für andere machen: Diesen Appell hat der ehemalige Bundesumwelt- und Bundesbauminister Klaus Töpfer (82) an die Vertreter von Politik und Behörden im Regionalrat gerichtet. ­

Dienstag, 08.12.2020, 12:54 Uhr
Klaus Töpfer, hier bei der Feier zu seinem 80. Geburtstag in Höxter, gilt als Umweltpolitiker der ersten Stunde. Sein Rat ist immer noch gefragt. Foto: Harald Iding

Dazu schlug der CDU-Politiker aus Höxter, der am Montag bei der letzten Sitzung des Gremiums in dieser Legislaturperiode, zwei Felder vor: den Klimaschutz und die Kreislaufwirtschaft.

„Warum sollte OWL nicht die erste Region in Deutschland sein, die klimaneutral wird?“, fragte Töpfer. Oder: „Warum sollte OWL nicht Vorreiter bei der Kreislaufwirtschaft sein?“

Unter Kreislaufwirtschaft versteht man ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverbrauch minimiert werden, zum Beispiel durch langlebige Produkte, Instandhaltung, Reparatur und Wiederverwendung.

„Schon vor 30 Jahren habe ich als Umweltminister das erste Kreislaufwirtschaftsgesetz der Welt gemacht. Bei bald neun Milliarden Menschen auf der Welt können wir doch keine Wegwerfgesellschaften bleiben“, sagte Töpfer. Aber es gebe gute Ansätze. Wenn ihm vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass der Bundeshalt 2021 neun Milliarden Euro für die Entwicklung der Wasserstofftechnologie enthalten werde, hätte er ihn einen „Träumer“ genannt.

Man sei zwar in einem „schrecklichen Jahr“, einem „annus horribilis“, und die Auswirkungen auf die Wirtschaft seien noch gar nicht absehbar, aber die Corona-Krise könne auch einen Nutzen haben. „Die ganzen Milliarden des Bundes und der EU müssen so eingesetzt werden, dass sie eine doppelte Dividende bringen – bei Wirtschaft und Klimaschutz. Beides separat zu sehen, kann nicht funktionieren“, so der 82-Jährige.

Als eine weitere Konsequenz aus der Corona-Krise nannte er die „Renaissance des Regionalen“. Und dafür sei OWL in seiner Struktur prädestiniert. „Die großen und mittelständischen Familienunternehmen mit ihrer tiefen Bindung in die Region sind ein Riesenvorteil für OWL.“ Ostwestfalen-Lippe sei „nicht homogen, sondern vielfältig. Und Vielfalt sorgt für Stabilität.“

Töpfer gestand ein, dass es schwierig sei, ein OWL-Gefühl als regionale Identität zu erzeugen. Aber das müsse man angehen, um die Region als „Einheit im Bewusstsein“ zu verankern.

Die OWL GmbH sei eine „gute Sache, aber sie muss beim Bürger ankommen.“ Wenn er in Höxter in seiner Kneipe nach der OWL GmbH fragen würde, wüsste er nicht, „ob die einer kennt“.

Töpfer meinte dies nicht als Vorwurf, sondern als Aufruf. Für ihn als Höxteraner ist das Weltkulturerbe Kloster Corvey natürlich eine Herzensangelegenheit. „2022 feiert die Unesco 50 Jahre Weltkulturerbe. Warum veranstalten wir zu diesem Jubiläum nicht einen Unesco-Weltkongress in Corvey?“, fragte Töpfer und bemerkte vielsagend: „Ich habe in der Sache Kontakt nach Berlin aufgenommen.“

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