Abschluss von „Wege durch das Land“ – Festival beginnt 2021 am 12. Mai
Jazz-Gebläse am Ende der Wege

Bad Salzuflen (WB). Die Erleichterung ist groß – und spürbar. „Wir sind froh und dankbar, wie es gelaufen ist“, sagt die künstlerische Leiterin Helene Grass an diesem Sonntagnachmittag in der Konzerthalle Bad Salzuflen. Nach 14 Veranstaltungen des Kulturfestivals „Wege durch das Land“ setzen die Schauspieler Jasmin Tabatabai („Bandits“, „Der Baader Meinhof Komplex“) und Florian Lukas („Absolute Giganten“, „Good Bye, Lenin!“) den Schlusspunkt.

Montag, 05.10.2020, 02:00 Uhr
Zum Abschluss von „Wege durch das Land“ haben Saxophonist Peter Weniger und Trompeter Joo Kraus die Lesung aus „Zazie in der Metro“ mit Jazz begleitet. Foto: Andreas Schnadwinkel

Literatur- und Musikfest vom späten Frühjahr in den frühen Herbst verlegt

Wegen der Corona-Pandemie stand die regionale Vorzeigereihe in diesem Jahr vor dem Aus. Doch den Machern gelang es mit einem anderen Konzept, das Literatur- und Musikfest vom späten Frühjahr in den frühen Herbst zu verlegen. „Das hat viel Kraft gekostet. Und es hat sich gelohnt, weil wir unser Festival so lieben“, sagt die Tochter des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass und nennt bereits das Datum für den Auftakt der „Wege“ 2021: Am 12. Mai soll die 22. Saison beginnen.

Zum Abschluss steht ein Stoff im Mittelpunkt, der in Frankreich so bekannt und beliebt ist wie „Pippi Langstrumpf“ bei uns. „Zazie in der Metro“ (1959) von Raymond Queneau passt perfekt zum Motto „Der Fehler ... eine Liebeserklärung“. Denn die Geschichte folgt keiner nachvollziehbaren Handlung, außerdem werden die Pariser Sehenswürdigkeiten konsequent verwechselt. „Das Fehlermachen ist unabdingbar beim künstlerischen Schaffensprozess. Und hier hat der Autor scheinbar keinen Plan. Sein Sprachstil ist voller Fehler, er schreibt Umgangssprache auf und verschriftlicht vernuschelte Sätze zu eigenen Worten“, erläutert Albrecht Simons von Bockum Dolffs, warum er dieses Buch ausgewählt hat. Der Reiz liegt für den Dramaturgen im „Entziffern“.

Man merkt den Szenen, die Jasmin Tabatabai und Florian Lukas überaus amüsant vortragen, etwas Zeitgemäßes an. Und in der Tat ist „Zazie in der Metro“ im vorigen Jahr ein zweites Mal ins Deutsche übersetzt worden.

Der Jazz, den Peter Weniger und seine Band „Point of Departure“ spielen, fängt die Atmosphäre der Erzählung mit Saxophon-Arrangements ein. Die Mischung aus eigenen Kompositionen und Improvisationen passt zum „Fehler“-Motto, denn wie schon Jazz-Legende Miles Davis sagte: „Do not fear mistakes, there are none“ (Fürchte keine Fehler, es gibt keine). Trompeter Joo Kraus („Tab Two“) agiert etwas zurückhaltend und klingt im Vergleich zu Peter Wenigers Saxophon beinahe untersteuert.

Wenn man bedenkt, dass „Zazie“ Einfluss auf „Die fabelhafte Welt der Amélie“ hatte, dann wäre der Komponist der Filmmusik ein großartiger Gast bei den „Wegen“ 2021: der Pianist Yann Tiersen.

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