Landgericht Detmold: Fünfeinhalb Jahre Gefängnis für Steinmetz aus Bad Salzuflen
Vater missbraucht Tochter dreimal pro Woche

Detmold/Bad Salzuflen (WB). Das Mädchen war zwölf, als es zum ersten Mal vergewaltigt wurde. Über Jahre hat ein heute 39 Jahre alter Steinmetz aus Bad Salzuflen seine Tochter missbraucht – bis sich das Mädchen Verwandten anvertraute. Am Montag verurteilte das Landgericht Detmold – wie berichtet – den Mann zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.

Dienstag, 05.05.2020, 03:02 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 05:02 Uhr
Landgericht Detmold: Ein Justizwachtmeister führt den angeklagten Steinmetz aus der Gewahrsamszelle in den Gerichtssaal. Foto: Meier

Bevor er zum Verbrecher wurde, führte der Angeklagte ein unauffälliges Leben. Er war acht Jahre alt, als er mit seinen Eltern und zwei Geschwistern aus Russland nach Deutschland kam. Da seine Mutter immer schon Plattdeutsch gesprochen habe, sei es ihm leicht gefallen, Deutsch zu lernen, sagte der Angeklagte. Nach der Hauptschule machte er eine Lehre als Steinmetz und Bildhauer und arbeitete bis zuletzt in seinem Beruf.

„Mir kamen zwischendurch Bedenken“

Wann er denn seine Frau kennengelernt habe, wollte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda wissen, und der Angeklagte musste nicht einen Moment überlegen. Er nannte das Datum des ersten Treffens und das der Hochzeit im Jahr 2003. Zwei Kinder seien aus der Ehe hervorgegangen, die Tochter und ein jüngerer Sohn. „Aber jetzt läuft die Scheidung.” Seit seiner Inhaftierung im Dezember habe er keinen Kontakt mehr zu den dreien.

Es sei „einfach passiert”, sagt der Handwerker, als die Vorsitzende Richterin fragte, wie es 2016 zu der ersten Tat gekommen sei. Er habe wegen eines Bandscheibenschadens die Nächte im Wohnzimmer in einem Sessel verbracht, und eines Abends sei seine Tochter zu ihm gekommen, weil sie in ihrem Bett Angst vor Geistern gehabt habe. „Irgendwann war es dann normal, dass wir beide im Wohnzimmer schliefen und meine Frau und unser Sohn in ihren Zimmern.”

Seine Frau habe sexuell schon lange kein Interesse mehr an ihm gehabt, und er habe das Gefühl gehabt, als könne mit seiner Tochter „eine Beziehung entstehen". Er habe damals schon geahnt, dass das falsch sei, habe das aber nicht wahrhaben wollen. „Mir kamen zwischendurch Bedenken, aber die habe ich verworfen.”

War er eifersüchtig?

Während seine Frau und der Sohn schliefen, verging sich der Angeklagte im Wohnzimmer an seiner Tochter. Staatsanwältin Jaqueline Kleine-Flaßbeck hatte fast 300 Verbrechen angeklagt und sprach von Vaginal-, Oral- und Analverkehr. Verteidiger Remzy Yalcin nickte. „Ja, das stimmt alles, das hat mein Mandant getan.” Die Taten seien aber nicht täglich passiert, wie es die Tochter wohl in Erinnerung habe, sondern seltener. „Vielleicht dreimal pro Woche”, meinte der Angeklagte. Er sei jemand, der zu seinen Fehlern stehe und sie zugebe – auch, um seiner Tochter eine Aussage vor Gericht zu ersparen.

Dem Mädchen soll der Vater eingeredet haben, es sei völlig normal, was sie täten, denn schließlich hätten sie ja „eine Beziehung”. Als seine Tochter auf Klassenfahrt ging, rief der Vater die Lehrerin zweimal an und sagte, sie solle aufpassen, dass seine Tochter „nichts mit Jungs macht”. War er eifersüchtig?

Er habe von seiner Tochter gelassen, wenn sie gesagt habe, sie wolle „das nicht”, erklärte der Angeklagte. Das Mädchen hatte allerdings gegenüber der Kripo Detmold ausgesagt, ihr Vater sei jedes Mal „pissig” geworden, wenn sie sich ihm verweigert habe.

Staatsanwältin hatte drei Monate mehr gefordert

Im Dezember 2019 schließlich erzählte das Mädchen alles seiner Mutter und einer Tante. Polizisten nahmen den Steinmetz fest und fanden bei der Durchsuchung des Hauses einen Kalender, in dem der Mann über etliche seiner Sexualverbrechen penibel Buch geführt hatte – warum, dazu äußerte sich der Angeklagte im Prozess nicht.

Das Gericht wertete sein bisher unauffälliges Leben und das Geständnis als strafmildernd und verhängte fünfeinhalb Jahre Gefängnis wegen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen in 155 Fällen. Die Staatsanwältin hatte drei Monate mehr gefordert.

Verteidiger Remzy Yalcin: „Ich habe meinem Mandanten geraten, das Urteil anzunehmen.”

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