Versuchter Mord in Detmolder Psychiatrie – „Patienten dürfen Feuerzeug besitzen“
Gefesselten Mann angezündet

Detmold  (WB). Die Staatsanwaltschaft Detmold hat einen Mann (66) wegen versuchten Mordes angeklagt. Er soll im Gemeinde-Psychiatrischen Zentrum (GPZ) Detmold einen Patienten angezündet haben, der an fünf Stellen ans Bett fixiert war und sich nicht bewegen konnte.

Mittwoch, 04.03.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 11:40 Uhr
Der Mann, der in seinem Bett angezündet wurde, konnte sich nicht bewegen, weil er festgebunden war. Foto: dpa

Oberstaatsanwalt Christopher Imig: „Der Tatverdächtige leidet an Schizophrenie. Nach unseren Ermittlungen ist er am 29. September auf der Isolierstation des GPZ in ein Nachbarzimmer gegangen, um einen Mitpatienten zu töten.“ Er habe das Fußende des Bettes, auf dem der Patient bewegungsunfähig gelegen habe, mit einem Feuerzeug angezündet. „Er musste damit rechnen, dass das Opfer vor dem Tod schwerste Schmerzen erleiden würde.“ Das Opfer hatte bereits Verbrennungen zweiten Grades an den Beinen und eine schwere Rauchvergiftung, als es von zwei Pflegerinnen gerettet wurde. Auch sie erlitten Verbrennungen.

Über das Motiv ist nichts bekannt. Christopher Imig: „Der Mann ist aufgrund seiner Krankheit schuldunfähig. Ich strebe seine Unterbringung in der Gerichtspsychiatrie an.“

Drei Feuer gelegt

Der Prozess soll am Dienstag vor dem Landgericht Detmold stattfinden. Dort wird aktuell gegen eine weitere Patientin aus dem GPZ Detmold verhandelt, die dort Feuer gelegt haben soll. Die 32-Jährige, die ebenfalls als schuldunfähig gilt, litt an Wahnvorstellungen. Sie hörte Stimmen und fühlte sich von der Mafia verfolgt. Dreimal soll sie im GPZ einen Brand gelegt haben. Niemand wurde verletzt, möglicherweise auch, weil die Frau vor den Brandstiftungen nachgesehen hatte, ob jemand in der Nähe war. Oberstaatsanwalt Imig: „Diese Brandlegungen können auch Hilferufe gewesen sein.“

Aber warum haben schwer psychisch Kranke in der Psychiatrie überhaupt ein Feuerzeug? Lydia Penner, Sprecherin beim Kreis Lippe: „Patienten einer psychiatrischen Klinik dürfen Feuerzeuge nicht grundsätzlich verboten werden. Solche Zwangsmaßnahmen dürfen nur nach einer Zwangseinweisung ergriffen werden.“

Ungefährliche Alternativen

Ungefährliche Alternativen können Zigarettenanzünder wie im Auto sein – oder ein Rauchverbot.  Eine im Juli 2017 in „The Lancet“ veröffentlichte Studie Debbie Robsons vom King’s College London zeigt, dass ein allgemeines Rauchverbot auf dem Gelände psychiatrischen Kliniken nicht zu einer Zunahme von Gewalttaten durch Patienten führt.

Psychisch Kranke sind oft starke Raucher. Manche Ärzte nehmen an, dass Nikotin sie beruhigt. 2014 wurde in vier Londoner Psychiatrien das Rauchen verboten, stattdessen gab es E-Zigaretten und Hilfe bei der Rauchentwöhnung. Robson schrieb, die Gewalt sei um 39 Prozent zurückgegangen. Die Studie zeige, dass Nikotin keine therapeutische Wirkung bei Psychosen habe. Unruhe, Reizbarkeit und Suche nach einer Rauchmöglichkeit seien nicht Ausdruck der Erkrankung, sondern Folge der Nikotinabhängigkeit.

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