Lippes Polizisten unterfordert? Gewerkschaft bemängelt Analyse des Landes GdP kritisiert Polizei-Report

Detmold (WB). Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert den Bericht über die Kreispolizeibehörde Lippe , den das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) angefertigt hat. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte die Behörde nach den Ermittlungspannen im Fall Lügde durchleuchten lassen .

Von Christian Althoff
Michael Kling von der GdP kritisiert den Bericht über die Kreispolizeibehörde Lippe.
Michael Kling von der GdP kritisiert den Bericht über die Kreispolizeibehörde Lippe. Foto: Althoff/GdP

Arbeitsbelastung in sechs Behörden verglichen

Wie am Dienstag berichtet, kommt der Bericht unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Polizisten in Lippe deutlich weniger belastet sind als die anderer Behörden. Die Experten hatten die Arbeitsbelastung der lippischen Beamten mit der in fünf ähnlichen Behörden verglichen, darunter Minden-Lübbecke, Paderborn und Gütersloh. Betrachtet wurde der Zeitraum seit 2014. Demnach war die Zahl der Fälle pro Mitarbeiter im Ermittlungsdienst nirgendwo so niedrig wie in Lippe. Hier war laut Bericht jeder Beamte im Jahresschnitt mit 265 Fällen befasst. In der Gütersloher Behörde waren es dagegen 280, im Kreis Paderborn 314, und in Minden-Lübbecke 325.

GdP-Vorsitzender: Zahlen „mit Vorsicht zu betrachten“

Michael Kling ist Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Lippe und Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft in Ostwestfalen Lippe. Er sagt: „Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu betrachten.“ Denn es sei möglich, Werte in den Statistiken nach oben zu treiben, ohne dass die Zahl der Fälle tatsächlich zu- oder abgenommen habe. „Lippe gehört aber nicht zu den Behörden, die das tun.“

Hintergrund ist, dass sich die Personalstärke der 47 Kreispolizeibehörden in NRW vor allem an der Zahl der Straftaten und Verkehrsunfälle orientiert. Kling: „Hohe Zahlen bedeuten also mehr Mitarbeiter.“ Um das zu erreichen, gebe es mehrere Möglichkeiten: „Nach einer Schlägerei würde man normalerweise eine Anzeige schreiben. Wenn sich aber die beiden Kontrahenten gegenseitig beschuldigen, kann ich auch zwei Anzeigen schreiben. Der Arbeitsaufwand der Polizei ist nur geringfügig höher, aber in der Statistik tauchen zwei Taten auf.“

Ähnliches sei auch möglich, um die Einsatzbelastung einer Behörde höher oder niedriger erscheinen zu lassen. „Wird ein Streifenwagen rausgeschickt, trägt die Leitstelle ein Stichwort ins Einsatzsystem ein. Je nachdem, welches Stichwort sie wählt, wird die Fahrt als Einsatz gewertet – oder eben auch nicht.“

Kling sagte, wenn die Belastung in Lippe so gering sei, wie der Bericht des Landesamtes es vermuten lasse, dann wundere er sich, warum er seit Jahren täglich erlebe, dass seine Kollegen in Arbeit untergingen.

„Normalerweise dauert es zwölf Monate, eine Kreispolizeibehörde routinemäßig zu durchleuchten. In Lippe wurde dagegen unter Zeitdruck in nur drei Monaten ein Bericht verfasst, der uns an vielen Stellen nur staunen lässt.“ So stehe in dem Report, dass jeder Polizist in Lippe pro Tag nur 0,5 Vorgänge erstelle. „Das LZPD schuldet uns bis heute die Antwort auf unsere Frage, wie es zu dieser Zahl gekommen ist.“

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