Staatsanwaltschaft und Restaurant-Inhaber ziehen Berufung zurück Maden in der Suppe: Ex-Gastronom muss zahlen

Detmold (WB). Dreck, tote Insekten, Gestank: In erster Instanz wurde der Inhaber des Detmolder Restaurants »Toro Blanco« zu einer Geldstrafe verurteilt . Doch der 55-jährige Ex-Gastronom und die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung – zogen sie nun aber zurück.

Von Lukas Brekenkamp
Der 55-Jährige, hier mit seinem Anwalt Remzi Yalcin, führte das Detmolder Restaurant »Toro Blanco«.
Der 55-Jährige, hier mit seinem Anwalt Remzi Yalcin, führte das Detmolder Restaurant »Toro Blanco«. Foto: Lukas Brekenkamp

Richterin Sabine Diekmann brauchte einige Minuten, um die Lebensmittel aufzuzählen, die aufgrund der baulichen und hygienischen Mängel im »Toro Blanco« entsorgt werden mussten – 197 Kilo insgesamt. »Das ist schon einiges«, sagte die Richterin mahnend.

Mehrfach wurde das Restaurant des 55-jährigen Syrers kontrolliert. Immer wieder wurden große Mängel festgestellt. Wieder braucht die Richterin Minuten, um die desolaten Zustände der Küchenräume in dem Restaurant zu erläutern und aufzuzählen. Schimmel, verdorbene Lebensmittel, überschrittene Haltbarkeit, Dreck, Ablagerungen, tote Insekten, faulige Gerüche. Das Restaurant gegenüber dem Freilichtmuseum geriet durch einen Vorfall im Juni 2018 in die Schlagzeilen: Besucher hatten Maden in ihrer Fischsuppe gefunden.

Zuvor noch nie als Koch gearbeitet

Rückblick: Der 55-jährige Inhaber eröffnete 2013 das Restaurant, in dem vor allem Tapas angeboten wurden. Weder in Deutschland noch in seiner Heimat habe der vierfache Vater zuvor als Koch gearbeitet. Im »Toro Blanco« will der Inhaber jedoch nur für die Einkäufe zuständig gewesen sein, ließ er gestern über einen Dolmetscher erklären. Mehrfach wurde sein Restaurant ab 2017 kontrolliert. Dabei wurden immer wieder »unhygienische Zustände« festgestellt, die der Inhaber auszubessern hatte. Zum Teil tat er dies, jedoch wurden später wieder drastische Mängel von den Kontrolleuren festgestellt. Die waren so immens, dass das Restaurant letztendlich geschlossen wurde. Schilder weisen aber noch immer auf das ehemalige Restaurant in der Oberen Mühle hin. Auch eine Speisekarte hängt noch vor dem Gebäude.

Erstes Urteil schon 2018

Der 55-Jährige wurde Ende vergangenen Jahres in erster Instanz vor dem Detmolder Amtsgericht verurteilt: Er sollte insgesamt 10.400 Euro zahlen . Sowohl der Inhaber als auch die Staatsanwaltschaft legten Berufung ein. Die Verteidigung deutete an, das Einkommen des Mannes habe sich nach der Schließung der Restaurant geändert, eine solche Summe sei zu hoch. Außerdem sei der Gesundheitszustand des Inhabers nach einem Schlaganfall kritisch gewesen – er habe daher die Überwachungsaufgaben seines Personals schleifen lassen. Die Staatsanwaltschaft deutete derweil an, von einer möglichen Freiheitsstrafe noch nicht abgesehen zu haben. Das Urteil des Amtsgericht sei nur gerade noch vertretbar.

Während des Prozesses am Dienstag einigten sich jedoch beide Parteien, die Berufung zurückzuziehen. Das Urteil ist somit rechtskräftig.

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