Geologischer Dienst verspricht sich Blick in die Klimageschichte – mit Video:
Für dieses Rohr geht’s bald 160 Meter tief in die Erde

Detmold (WB). An einer ruhigen Landstraße im Detmolder Ortsteil Niederschönhagen entsteht derzeit ein 160 Meter tiefes Loch – zum Wohl der Wissenschaft.

Samstag, 04.05.2019, 05:00 Uhr
Achim Klingel (links) und Martin Gerwin beim Einsatz an der Dorla­straße in Detmold-Niederschönhagen: Per Rammkernbohrung dringen die beiden im Auftrag des Geologischen Dienstes NRW etwa 160 Meter ins Erdreich vor. Foto: Jan Gruhn

An seiner blauen Arbeitshose klebt feuchte Erde, ein kleiner Matschfleck ziert Achim Klingels rechte Wange. Kollege Martin Gerwin befreit gerade eine Bohrkrone vom Schlamm, sein weißer Overall strotzt vor Dreck. Ein Bauzaun umringt ihren Einsatzort – etwas verloren steht die kleine, schmutzige Baustelle in Sichtweite eines sattgelben Rapsfeldes.

So unscheinbar die Szenerie: Hier wird harte Wissenschaft betrieben. Im Auftrag des Geologischen Dienstes NRW führen Klingel und Gerwin von der Firma Daldrup und Söhne aus Ascheberg sogenannte Rammkernbohrungen durch. Dabei wird ein Rohr durch Rammschläge, also mit einer Art Hammer, in den Boden getrieben.

In der Mitte des Rohres sammelt sich eine Bodenprobe, die die Bodenschichten in ihrer natürlichen Reihenfolge erhält. Laut Klingel keine einfaches Unterfangen, denn immerhin soll sich der Bohrer 160 Meter in die Tiefe fressen. »Das kann nicht jeder«, sagt Klingel stolz.

Einen Blick in die Vergangenheit werfen

Hintergrund der Erkundungsbohrung: Die Wissenschaftler vom Landesbetrieb Geologischer Dienst wollen einen Blick in die Vergangenheit werfen. »Wir befinden uns in einer Erdsenke«, erklärt Geotechniker Bastian Mustereit, die sogenannte »Subrosionssenke von Mosebeck«.

Sie sei entstanden, weil einst tief unter der Oberfläche Salz durch Grundwasser ausgewaschen wurde. Die Fachleute gehen davon aus, dass die darüber liegenden Schichten besonders detailliert Auskunft über den Verlauf der klimatischen Bedingungen geben können.

Klingel und Gerwin arbeiten sich meterweise vor. Die gewonnen Bohrproben werden luftdicht verschlossen, nummeriert und an den Geologischen Dienst in Krefeld gesendet. Dort werden sie dann auf ihre Zusammensetzung untersucht. »Unser Schwerpunkt liegt auf den Pollen«, sagt Daniel Schrijver, Diplom-Geologe vom Landesbetrieb. Die Pollen welcher Pflanze finden sich wie oft in einer Schicht? Wie ist das Mengenverhältnis? »Daraus können wir auf die damaligen Bedingungen schließen«, sagt Schrijver. »In jeder Schicht ist eine gewisse Zeit repräsentiert.«

Drei bis vier Meter pro Tag

Die Aufgabe des Landesbetriebs ist es, möglichst viele Informationen über den Untergrund Nordrhein-Westfalens zu sammeln, zu bewerten und zu archivieren. Dabei gehe es zwar auch um Forschung. Aber auch die praktischen Fragestellungen spielen nach Angaben des Geologischen Dienstes eine wichtige Rolle: von dem Schutz und der Nutzung von Grundwasser über Geothermie (Erdwärme) bis hin zu geologischen Risiken.

Zwischen 500.000 und einer Millionen Jahre in die Vergangenheit – soweit hofft Schrijver mit den Proben blicken zu können. Sechs bis acht Wochen sollen Klingel und Gerwin immer weiter in die Erde vordringen, etwa drei bis vier Meter schaffen sie eigenen Angaben zufolge pro Tag.

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