Detmolder Landgericht
Waschbärjagd: Prozess um blinden Jagdhund

Detmold (WB). Das Landgericht Detmold hat am Freitag den Fall eines Jagdterriers verhandelt, der von einem Jäger schwer verletzt worden war.

Sonntag, 25.03.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 25.03.2018, 10:38 Uhr
Waschbären leben zu tausenden in NRW. Foto: dpa

Die Jagdgesellschaft war im November 2015 in Lügde unterwegs. Der vier Jahre alte Terrier Winston stellte einen Waschbären und kämpfte mit ihm. Der Jäger, dem Winston gehört, sagte vor Gericht: »Ein Jagdkollege rief, er mache das schon. Er stellte sich breitbeinig über die kämpfenden Tiere, holte vor seinem Körper mit seinem Messer aus und stach nach unten zu.« Diese Schilderung bestätigte der Enkel (16) des Jägers.

Winston habe aufgejault und die Beute losgelassen, sagte der Besitzer. »Er blutete aus einem Auge und dem Fang.« Er sei zu mehreren Tierärzten gefahren, die ihm aber keine Hoffnung gemacht hätten, sagte der Jäger am Rande des Prozesses. »Schließlich wurde Winston in der Tierklinik Lichtenau gerettet.« Dort sei festgestellt worden, dass das Messer durch den Schädel gegangen sei. »Winston war von da an auf einem Auge blind. Inzwischen sieht er auch mit dem anderen Auge nichts mehr. Er hat nur noch seine Nase.« Der Jäger fordert etwa 15.000 Euro für den Hund, Tierarztkosten und entgangene Decktaxen.

Das darf nicht jeder Jäger machen, weil es auch längst nicht jeder Jäger kann.

Sachverständiger Friedhelm Röttgen

Der Sachverständige Friedhelm Röttgen aus Essen, Vizepräsident des Jagdgebrauchshundverbandes, sagte, es sei fehlerhaft, ein Tier mit einem Messer aus der Bewegung heraus zu töten. »Man muss das Messer ansetzen und zudrücken.« Grundsätzlich sei das Töten eines Tieres auf diese Weise schwierig, weil sich Hund und Beute bewegten. »Das darf nicht jeder Jäger machen, weil es auch längst nicht jeder Jäger kann.«

Der beklagte Jäger kam nicht zum Prozess. Er hatte vorher angegeben, Winston sei in das Messer hineingesprungen. Das schloss der Sachverständige aus. Der Vorsitzende Richter Manfred Pohlmeier regte einen Vergleich an, zu dem Winstons Besitzer bereit war. Aber die Lippische Landesbrandversicherung lehnte das für die Gegenseite ab. Das Urteil soll nun am 4. Mai gesprochen werden.

Die Waschbärenjagd ist umstritten. Jäger begründen sie mit Schäden an Vögeln und Niederwild wie Hasen und Kaninchen. Der Naturschutzbund NABU hält die Jagd zwar in Einzelfällen für nötig – etwa um bei großen Waschbär-Populationen wie in Ostwestfalen-Lippe bedrohte Arten zu schützen. Eine generelle Jagd lehnt der NABU aber ab. Er verweist auf Untersuchungen aus Skandinavien, wonach eine intensive Jagd die Reproduktion eher verstärkt haben soll.

In der letzten Jagdsaison wurden in Nordrhein-Westfalen 11.452 Waschbären erlegt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5614440?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949417%2F
Lockdown wird verlängert - mit Öffnungsmöglichkeiten
Bund-Länder-Runde: Lockdown wird verlängert - mit Öffnungsmöglichkeiten
Nachrichten-Ticker