Terrier Winston seit Unfall auf einem Auge blind
Jäger will Waschbären erstechen und trifft fremden Jagdhund

Detmold (WB). Wie erlegt man einen Waschbären waidgerecht? Diese Frage muss das Landgericht Detmold klären, nachdem ein Jäger mit seinem Messer einen fremden Jagdhund schwer verletzt hat.

Mittwoch, 21.03.2018, 05:44 Uhr aktualisiert: 21.03.2018, 05:50 Uhr
In NRW kommen Waschbären vor allem in Ostwestfalen-Lippe vor. Foto: dpa

Die Jagd fand in einem lippischen Revier statt. Zwei Jagdhunde verfolgten einen Waschbären, und einer der Hunde, der Jagdterrier Winston, stellte die Beute – er packte den Waschbären am Hals und hielt ihn fest. Die Jäger kamen hinzu, und einer zog sein Messer.

Ein Jagdexperte, der nicht an dem Rechtsstreit beteiligt ist und namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt: »Hat ein Jagdhund ein Tier gefasst, benutzt man zum Schutz des Hundes keine Schusswaffe, sondern erlegt die Beute mit einem Messer. Das wird am Brustkorb angesetzt und hineingestoßen.« Genau das soll der Jäger in Lippe aber nicht getan haben. Dr. Mathias Kapitza, Sprecher des Landgerichts Detmold: »Wir gehen bisher davon aus, dass der Mann mit seinem Messer ausgeholt hat und dann in Richtung Waschbär zustechen wollte.«

Besitzer fordert Schadenersatz

Der Waschbär hielt aber naturgemäß nicht still, sondern wand sich im Fang des Jagdterriers. In diesem Tumult traf der Jäger mit seinem Messer Winston ins Auge.

Der Hund ist seit dem Jagdunfall nicht nur auf einer Seite blind, auch ein Nerv wurde getroffen. Der Besitzer fordert nun von seinem Jagdgenossen Schadensersatz – etwa 6000 Euro für den Hund, 100 Euro für ein Privatgutachten und 9600 Euro für entgangene Decktaxen.

Dr. Kapitza: »Vor dem Unfall wurde Winston nach Angaben des Klägers sechs Mal im Jahr zum Decken eingesetzt, was jedesmal 400 Euro eingebracht haben soll. Laut Kläger nehmen potentielle Kunden jetzt aber Abstand davon, ihre Hündin von Winston decken zu lassen, wenn sie seinen Kopf gesehen haben.«

Die Haftpflichtversicherung des Jägers will der Forderung nicht nachkommen. Sie bewertete den Schaden mit 1200 Euro, zog 50 Prozent Mithaftung des Hundebesitzers ab und überwies dem Jäger 600 Euro. Der reichte deshalb Klage ein. Der Fall wird am Freitag vor dem Landgericht Detmold verhandelt.

»Das war Wahnsinn«

Rechtsanwalt Hans-Peter Maas aus Dortmund, der Winstons Besitzer vertritt: »Das unkontrollierte Zustechen war ein klassischer Fehler, der keinem Jäger unterlaufen sollte. Das war Wahnsinn.« Dr. Michael Haak, Anwalt des Beklagten, sagte gestern, dass es keineswegs feststehe, dass sein Mandant unkontrolliert zugestochen habe.

Das Gericht hat für Freitag einen Jagdsachverständigen und mehrere Zeugen geladen, die an der Jagd teilgenommen hatten.

In Nordrhein-Westfalen dürfen Waschbären zwischen dem 1. September und dem 28. Februar gejagt werden, Jungtiere haben keine Schonzeit. In der Jagdsaison 2016/2017 wurden 11.452 Waschbären in NRW erlegt. 2001 waren es nur 2076.

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