Am Donnerstag Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern – A 2 am Mittwochmorgen gesperrt Wetterdienst warnt vor Orkanböen in NRW – Glätteunfälle in OWL

Vlotho/Lichtenau/Düsseldorf (WB/gv/peb/dpa). Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Orkanböen in Nordrhein-Westfalen. Orkantief »Friederike« soll am Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometern über das Land fegen.

Der Auflieger steht quer auf der Autobahn.
Der Auflieger steht quer auf der Autobahn. Foto: Guido Vogels

Schulen dürfen schließen

Ob trotz des Orkans die Schulen am Donnerszag normal öffnen, entscheiden nach Angaben des Schulministeriums die Schulträger und die Schulleiter. Bleibe eine Schule geöffnet, könnten aber die Eltern zusätzlich entscheiden, ob sie ihre Kinder zu Hause lieber lassen wollen. Sie müssten dann die Schule informieren, teilte das Ministerium mit.

Schulschließungen wegen Sturmfolgen hatte es etwa Anfang Juni 2014 in weiten Teilen des Ruhrgebietes gegeben. Dort blieben damals die Schulen zu, weil die Verantwortlichen nach einem heftigen Pfingststurm und möglicherweise umstürzenden Bäumen oder herabfallenden Ästen um die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg fürchteten.

»Orkanböen sind bis ins Flachland möglich«, sagte Meteorologe Franz Molé am Mittwoch in Essen. Am Vormittag soll es von Westen her losgehen. Die volle Wucht werde im Rheinland am Mittag erreicht. Im Osten soll es vor dem Orkantief zunächst schneien. Auch Gewitter seien möglich. Am Nachmittag soll das Unwetter von Westen her nachlassen.

Schnee, Regen und Eis haben am frühen Mittwochmorgen den Verkehr vielerorts in Nordrhein-Westfalen behindert.

Unfall auf der A2 bei Vlotho

Nächtlicher Schneefall hat am Mittwochmorgen zu einem schweren LKW-Unfall auf der A 2 bei Vlotho geführt. Kurz vor 4 Uhr kam dort ein Sattelzug aus Hamburg auf einer Gefällstrecke ins Schleudern.

Nach Polizeiangaben hatte der 50-jährige Fahrer in Höhe Vlotho den mittleren Fahrstreifen in Richtung Hannover befahren. Dort schleuderte er auf schneeglatter Fahrbahn über den rechten Fahrstreifen und die Standspur zunächst gegen die rechte Schutzplanke. Anschließend drehte sich der Auflieger und kam quer zur Fahrbahn zum Stehen.

Dadurch wurden der rechte und der mittlere Fahrsteifen blockiert. Nachfolgende Fahrzeuge konnten zum Glück rechtzeitig anhalten. Der Fahrer wurde bei dem Unfall verletzt und mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus nach Bad Oeynhausen gebracht.

Zunächst wurde der Verkehr über den linken Fahrstreifen an der Unfallstelle vorbeigeführt. Mit Beginn der Bergungsarbeiten sperrte die Polizei die Autobahn in Richtung Hannover komplett und leitete den Verkehr ab der Anschlussstelle Vlotho-West ab.

Kurz nach 7 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben.

Unfälle in Ostwestfalen-Lippe

Auf A 44 in Richtung Dortmund mussten aufgrund eines Unfalls in Höhe von Lichtenau (Kreis Paderborn) ebenfalls beide Fahrspuren gesperrt werden. Auch hier blockierte ein Lastwagen nach einem Unfall auf rutschiger Fahrbahn die Autobahn. In Paderborn kam es bereits am Dienstagabend zu einem Unfall.

Auch auf der B 64 in Paderborn kam es am Dienstagbend zu einem schweren Unfall. Bei der Kollision verletzte sich ein 29-jähriger Paderborner, der in den Gegenverkehr schleuderte, und ein 27 Jahre alter Mann aus Bad Driburg .

In den Gegenverkehr geriet zudem am Mittwoch eine 78-Jährige. Sie verursachte in Warburg (Kreis Höxter) einen Unfall.

In Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) wurde eine Mutter mit ihren drei Kindern bei einem Glatteisunfall. Im selben Kreis rutschte ein 25-Jähriger aus der Gemeinde Hille in einen Graben und überschlug sich.

Ebenfalls hat sich ein Fahrer aus dem Kreis Paderborn mit seinem Auto auf der A 33 in Höhe der Auffahrt Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh ) überschlagen.

Schneematsch gefriert

»Ich habe aufgehört zu zählen«, sagte auf Anfrage der Beamte auf der Halle Polizeiwache. Er meint die vielen kleinen Unfälle, die wegen der anhaltenden Schneefälle seine Kollegen in den Streifenwagen ebenso in Atem halten wie die Streudienste von Stadt, Kreis Gütersloh und Landesbetrieb Straßen.

Besonders kritisch ist am Nachmittag die Situation auf den Passstraßen über den Teutoburger Wald. Hapkenberg, Grüner Weg und die Straße über »Peter auf’m Berge« zwischen Steinhagen und Bielefeld sind vorübergehend nicht passierbar und werden teilweise auch von der Polizei gesperrt. Denn der nasse Schneematsch auf der Fahrbahn gefriert in den höheren Lagen gleich wieder.

Busse in Bielefeld betroffen

Vor allem in den Nachmittagsstunden kam es auch überall im Stadtgebiet Bielefeld zu Verkehrsunfällen. Dabei blieb es aber bei Blechschäden, wie die Polizei mitteilte; verletzt wurde niemand.

Von den Witterungsbedingungen beeinträchtigt war auch der öffentliche Personennahverkehr. »Wir haben Verspätungen auf allen Buslinien«, beschrieb Mobiel-Sprecherin Lisa Schöniger die Lage gegen 16.30 Uhr. Busse einzelner Linien stünden teilweise direkt hintereinander, der Fahrplan sei kaum mehr einzuhalten. Auch dabei waren Lisa Schöniger zufolge Linien besonders betroffen, die auf Bergstraßen verkehren, etwa die Linien 24, 34 und 39.

NRW und Deutschland

Schnee, Regen und Eisglätte haben den Berufsverkehr in vielen Teilen Deutschlands getroffen. Autofahrer vor allem im Norden, Westen und in der Mitte Deutschlands kamen am Mittwoch ins Rutschen, Busse mit Schulkindern und Lastwagen kippten um, Autobahnen wurden zeitweise gesperrt.

Drei Busse mit Schulkindern verunglückten in Nordrhein-Westfalen bei Glätte. Dabei wurde ein Busfahrer schwer verletzt, weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. In Nümbrecht im Bergischen Land kam ein Bus auf abschüssiger Strecke bei Schneeglätte von der Fahrbahn ab. Dabei seien der Fahrer sowie weitere sieben Menschen leicht verletzt worden, auch Schulkinder.

Bei Euskirchen wurden zudem sieben Menschen bei einem Unfall mit einem Schulbus leicht verletzt - auch hier sollen Schüler unter den Verletzten sein. Bei Zülpich krachte ein Schulbus gegen einen Baum. Der Busfahrer sei schwer verletzt worden, ein Fahrgast erlitt leichte Verletzungen, sagte die Polizei.

Gurken-Laster stürzt auf Feld

In Thüringen stürzte am Morgen auf der A9 bei Schleiz ein mit Gurken beladener LKW bei Schneeglätte auf ein 30 Meter entferntes Feld neben der Fahrbahn - der Fahrer blieb unverletzt. In Nordrhein-Westfalen musste etwa die Autobahn 2 zwischen Herford und Vlotho in Fahrtrichtung Hannover gesperrt werden. Grund war laut Polizei ein Glätteunfall mit einem Lastwagen, dessen Anhänger zwei Spuren blockierte. Der Fahrer kam mit Verletzungen in eine Klinik.

Auf der A 623 im Saarland kippte nahe dem Autobahndreieck Friedrichsthal ein Lebensmittellaster um. Weil der 18-Tonner die Fahrbahn blockierte, wurde die Autobahn in beide Richtungen gesperrt. Der Fahrer wurde bei dem Unfall leicht verletzt.

Auch in Hessen behinderte winterliches Wetter den Verkehr. Auf der Autobahn 7 gab es bei Kassel-Nord Beeinträchtigungen in beide Richtungen wegen Schneeglätte. Auch dort blockierten Lastwagen die Fahrbahnen.

Auf glatten Straßen in Niedersachsen gab es zahlreiche nächtliche Unfälle. In Salzbergen im Emsland kippte am Morgen der Anhänger eines Transporters mit 100 Schweinen um. Mindestens 18 Tiere verendeten.

Im nördlichen Schleswig-Holstein berichtete die Feuerwehr von einigen Glätteunfällen, bei denen es auch Verletzte gab. Auf der Autobahn 23 bei Itzehoe seien am Morgen drei Autos von der Fahrbahn abgekommen, sagte ein Polizeisprecher. Ein Mensch wurde verletzt.

Bahn warnt Fahrgäste

Laut Deutschem Wetterdienst ist am Mittwoch in der Südwesthälfte mit Sturmböen, auf Bergen auch mit Orkanböen zu rechnen. Es kann regnen, graupeln oder Schneeschauer geben - bei wechselnder bis starker Bewölkung. In den Mittelgebirgen werden 15 bis 30 Zentimeter Neuschnee erwartet, in den Alpen oberhalb von 1200 Metern sogar ein halber bis ein Meter.

Die Deutsche Bahn warnte ihre Fahrgäste im Internet vor möglichen Einschränkungen im Südwesten wegen möglicher orkanartiger Stürme am Mittwoch und Donnerstag: »Aus Sicherheitsgründen behalten wir uns die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit unserer Züge und im Einzelfall auch die Einstellung des Bahnbetriebs vor.«

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