Fall Arzu Özmen: Urteile gegen Geschwister rechtskräftig BGH lehnt Revision ab

Detmold (WB). Im Fall Arzu Özmen sind alle Urteile gegen ihre Geschwister rechtskräftig: Der Bundesgerichtshof hat jetzt die Revision gegen ihre Brüder Osman (23) und Kirer (26) zurückgewiesen.

Von Bernd Bexte
Das Landgericht Detmold hatte Strafen gegen die Geschwister verhängt.
Das Landgericht Detmold hatte Strafen gegen die Geschwister verhängt. Foto: Oliver Schwabe

Die 18-jährige Detmolderin war in der Nacht zum 1. November 2011 von fünf Geschwistern aus der Wohnung ihres deutschen Freundes entführt und nahe Lübeck erschossen worden. Arzu Özmen war bei ihrer Familie in Ungnade gefallen, weil sie eine Beziehung zu dem Nichtjesiden hatte. Der Haupttäter Osman Özmen wurde am 16. Mai vergangenen Jahres vom Detmolder Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er hatte gestanden, Arzu mit zwei aufgesetzten Kopfschüssen getötet zu haben.

Sein Verteidiger Jerrit Schöll hatte im Prozess die Tat als Totschlag gewertet. Kirer Özmen wurde wegen Geiselnahme sowie Beihilfe zum Mord zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft wegen Mordes gefordert, sein Anwalt Andreas Chlosta auf gemeinschaftliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung plädiert. Beide Brüder fochten die Urteile des Landgerichts an, scheiterten jetzt aber vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, der keine Verfahrensfehler feststellen konnte.

Urteile gegen Geschwister

Die Detmolder Richter verhängten im Mai gegen Arzus Schwester Sirin (28) wegen Beihilfe zum Mord und Geiselnahme eine zehnjährige Haftstrafe, gegen Kemal Özmen (25) fünfeinhalb Jahre Haft wegen Geiselnahme. Beide akzeptierten ihre Urteile. Lediglich Elvis Özmen (22) strebte zunächst eine Revision vor dem Bundesgerichtshof an, nahm sie jedoch im August wieder zurück. Er war beim Verfahren in Detmold wegen Geiselnahme zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Der Fall Arzu Özmen ist damit aber noch nicht beendet. Ihr Vater Fendi Özmen (52) muss sich vom 28. Januar an vor dem Landgericht in Detmold verantworten. Die Anklage wirft ihm Anstiftung zum Mord, Beihilfe zur Geiselnahme, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung vor. Bisher sind vier Verhandlungstage geplant, an denen das Gericht 23 Zeugen und drei Sachverständige hören will.

Die Staatsanwaltschaft hatte auch Arzus Mutter Adle (47) angeklagt, weil sie ihre Tochter nicht vor den Übergriffen ihres Vaters und der Geschwister geschützt habe. Doch das hat die Strafkammer mit Verweis auf den kulturellen Hintergrund der Familie abgelehnt. Es spreche vieles dafür, dass die Mutter innerhalb der Familie nicht die Stellung gehabt habe, um Ehemann und Sohn von der Tat abhalten zu können.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Beschwerde eingelegt.

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