Gericht entscheidet: Kein Mord – 35-Jähriger muss zwei Jahre in Haft Mann durchtrennt Bremsleitungen am Auto seiner Frau

Detmold (WB). Ein Detmolder (35), der die Bremsleitungen am Wagen seiner getrennt lebenden Frau mit einem Seitenschneider zerstört hat, muss zwei Jahre ins Gefängnis.

Von Ulrich Pfaff
Der Angeklagte, hier mit Verteidiger Andreas Scharmer, war wegen Mordversuchs angeklagt.
Der Angeklagte, hier mit Verteidiger Andreas Scharmer, war wegen Mordversuchs angeklagt. Foto: Ulrich Pfaff

Ein Mordversuch, wie vom Staatsanwalt angeklagt, war es aus Sicht des Detmolder Schwurgerichts nicht, sondern eine versuchte gefährliche Körperverletzung und ein versuchter gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Außerdem muss der Mann in eine Entziehungsanstalt. Denn Alkohol und Drogen sind die Ursache nicht nur für die Manipulation am Auto seiner Frau, sondern für die letzten 20 Jahre eines Lebens mit sieben Vorstrafen und Haftzeiten.

Die Ehe scheiterte nach fünf Jahren an seiner Sucht. Im Herbst 2013 warf die 35-Jährige ihren Mann mit Hilfe der Polizei aus der gemeinsamen Wohnung in Lage. Zuvor gab es immer wieder heftige Auseinandersetzungen, weil der Ehemann das Geld seiner Frau für Heroin ausgab. Oft gab es Krach. Einmal schlug er eine  Katze tot, die er für die beiden Kinder mitgebracht hatte,  weil seine Ehefrau gegen das Haustier war.  

»Ich liebe meine Frau noch immer«

Nach dem Rauswurf bombardierte der 35-Jährige seine Frau mit SMS und drohte, sie oder auch sich  umzubringen. Am Tattag im April 2014 hatte er nach eigenen Angaben zehn Flaschen Bier getrunken und Heroin gespritzt und war nachts zu Fuß von Detmold neun Kilometer nach Lage zur Wohnung seiner Frau gelaufen. Dort durchtrennte er mit einem Seitenschneider zwei Bremsleitungen an ihrem neuen  Ford Mondeo. Er habe einen möglichst hohen Schaden an dem Auto verursachen wollen. Er habe aber nicht beabsichtigt, einen Unfall herbeizuführen. »Ich liebe meine Frau noch immer.«

Der Schwiegervater, ein Berufskraftfahrer, hatte am folgenden Morgen schon unmittelbar nach dem Starten des Motors den Bremsendefekt bemerkt und  fuhr gar nicht erst los. Deshalb ging das Gericht von keiner objektiven Gefährdung für die Benutzer des Fahrzeugs aus. Verteidiger Andreas Scharmer hatte Erfolg mit seinem Hinweis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes, das in einem nahezu identischen Fall eine Tötungsabsicht verneint hatte.

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