Dreister Betrug mit nicht existenten Geldanlagen: Bielefelder verliert Hunderttausende Euro
Totalfälschungen und Schwarzgeld-Schulden

Bielefeld/Detmold (WB). Geld anlegen mit guter Rendite, aber ohne Risiko. So wie viele Menschen hat es sich ein Bielefelder auch gewünscht. Aber gründlich Schiffbruch erlitten, weil er an einen mit allen Wassern gewaschenen Betrüger geraten ist. Den schickt das Landgericht Detmold für einige Jahre hinter Gitter.

Montag, 08.06.2020, 02:35 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 06:38 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Die Rollen in dieser für den 56-jährigen Post-Mitarbeiter tragischen Geschichte sind illuster besetzt. Auf der Anklagebank: ein einschlägig vorbestrafter, eloquenter Finanzmakler (53) aus Blomberg in Lippe. Die Opfer: ein hochbetagter Landschaftsgärtner mit Theologiestudium aus Berlin, ein sparsamer Arbeiter aus dem Havelland, und der angesichts der horrenden finanziellen Einbußen mittlerweile schwer depressive Bielefelder. Sie eint eines: Statt einer sicheren Geldanlage haben sie von dem Blomberger nur eine Scheinwelt bekommen, durchdacht zusammengefügt aus Fälschungen von vorne bis hinten.

Um die 400.000 Euro anvertraut

Anlagen in regenerative Energien habe der Makler dem Bielefelder versprochen, mit 5,2 Prozent Zinsen, einen österreichischen Sparbrief vorgelegt, der regelmäßig verlängert werde. Letzterer erwies sich nach Feststellung der angeblich ausstellenden Bank als „eine Totalfälschung“, ebenso wie alle Unterlagen von der jährlichen Zinsbescheinigung bis hin zum Bericht einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Um die 400.000 Euro sind es, die der Bielefelder dem windigen Makler zur Vermögensverwaltung anvertraut hatte – eigentlich seine Altersversorgung, teils aus einem Erbe. Von 2011 bis 2018 habe er dem Mann immer wieder Geld überwiesen in der Erwartung, sein Vermögen werde weiter gemehrt – was durch angebliche Zinszahlungen und Ausschüttungen auch zuverlässig vorgegaukelt wurde. Stattdessen nahm der 53-Jährige den Post-Mitarbeiter aus wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans: „Ich bin mein Leben lang ein Sozialfall, ich bin erledigt“, sagt der Bielefelder immer wieder im Zeugenstand. Trotz diverser Rückzahlungen seien 240.000 Euro weg, „er hat von meinem Geld gelebt und sich einen schönen Tag gemacht.“ Von schweren Depressionen werde er geplagt angesichts seines Verlustes, „ich will gar nicht mehr leben.“

Viereinhalb Jahre Haft

Aufgeflogen war die Sache durch einen alerten Banker aus Berlin, dem eine Geldanlage seines betagten Nachbarn unseriös vorkam und der in Lippe nachfragte. Und später fiel der Bielefelder aus allen Wolken, als die Polizei bei ihm vorstellig wurde – bis dahin wähnte er sein Geld in guten Händen.

Viereinhalb Jahre Haft verhängt die Wirtschaftsstrafkammer gegen den 53-jährigen Makler. Er hat gestanden, bereut, um Entschuldigung gebeten. Er habe die Taten „unter enormem Druck“ begangen: Seit 2011, noch im offenen Vollzug, habe er Schulden bei „durchaus bedrohlichen“ Kunden begleichen müssen, die er zuvor betrogen und dafür eine Haftstrafe kassiert hatte – das veruntreute Geld dieser Kunden sei deren Schwarzgeld gewesen.

Kommentare

Günter  wrote: 08.06.2020 08:50
Betrug
Dieser Mann der Menschen Vorsätzlich betrogen hat , gehört wenigsten , aber wenigstens 10 Jahre in Haft ohne offenen Vollzug , da hat er mehr Zeit zum Nachdenken ,nach 4 Jahren macht er doch das gleiche wieder
Total 1 comments
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