Blutspende: DRK verschärft Hygienevorschriften und streicht traditionellen Imbiss
Lunchpaket statt Butterkuchen

Bad Salzuflen (WB). Es ist meine 14. Blutspende beim Deutschen Roten Kreuz, aber diesmal ist einiges anders. Schon an der Tür steht ein Automat zur Händedesinfektion, und ein rotes Schild fordert mich auf, zwei Meter Abstand zu anderen Spendern zu halten. Ein Schild von mehreren, denen ich noch begegnen werde.

Donnerstag, 26.03.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 09:28 Uhr
Beim Blutspenden kann es zu Wartezeiten kommen, weil die Zahl der Entnahmeplätze verringert wurde, um Abstand zu halten. Foto: Althoff

Bevor es in den Raum mit den Liegen geht, wird am Empfangstresen meine Stirntemperatur gemessen. Erst will das Gerät nicht so richtig, dann meldet es 35,6 Grad. Alles okay.

Den Besuch von Blutspendeterminen hat die Landesregierung in ihrer Coronaschutzverordnung vom Montag ausdrücklich erlaubt. „Wir erleben in diesen Tagen einen unglaublichen Ansturm”, sagt Claudia Müller vom Blutspendedienst West, zu dem neben Nordrhein-Westfalen auch Rheinland-Pfalz und das Saarland gehören. „Was letzte Woche bei uns los war, war einfach irre.”

Große Spendenbereitschaft

Die große Spendebereitschaft führt die Sprecherin des Blutspendedienstes nicht nur darauf zurück, dass viele Menschen jetzt mehr Zeit haben. „Ich denke, viele haben einfach das Bedürfnis, in der Krise irgendwie zu helfen.”

Meinen Spenderausweis fasst die Mitarbeiterin am Empfang trotz ihrer Handschuhe nicht an. Sie nimmt ihn auf einem Teller entgegen, um dann die Daten abzulesen und einen Laufzettel für mich anzulegen. Den Ausweis nicht zu berühren ist nach allem, was Virologen sagen, übertrieben. Aber schaden kann es ja nicht – oder verunsichert es vielleicht den ein oder anderen?

Ein Raum weiter. Ein Pieks, dann ringt Tilman Eichler meinem rechten Mittelfinger einen Tropfen Blut ab, um den Eisengehalt zu bestimmen. Zu wenig blutbildendes Eisen wäre ein Ausschlusskriterium für die Spende, aber Eichler hat nach einem Blick auf das Analysegerät nichts zu meckern. Der Mitarbeiter des Entnahmeteams trägt nicht nur Handschuhe und eine Atemmaske. Sein gesamtes Gesicht wird von einem halbrunden Plexiglasvisier geschützt, das mit zwei Gurten an seinem Kopf befestigt ist. „Es sind eben besondere Zeiten”, erklärt er und lacht: „Ich höre hinter dem Ding immer den Hall meiner Stimme!”

Arzt trägt Mundschutz und Handschuhe

Die Anamnese führt ein Arzt in einem Nebenzimmer durch. Anders als sonst trägt auch er Mundschutz und Handschuhe. Er misst meinen Blutdruck und stellt die üblichen Fragen nach Sexualkontakten, Operationen, Medikamentengebrauch, Drogenkonsum und Auslandsaufenthalten. Dann sieht er mir tief in die Augen und fragt, ob ich in den letzten Tagen gehustet habe. Habe ich nicht, und deshalb geht’s jetzt auf die Liege. Vier Stück stehen in dem großen Entnahmeraum, sonst sind es sieben. Sicherheitsabstand eben.

Ich bin in der Zentrale des DRK-Blutspendedienstes Ostwestfalen- Lippe in Bad Salzuflen, der einzigen permanenten Blutspendeeinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes in der Region. Hier gibt es an mehreren Nachmittagen in der Woche Spendetermine. Und von hier aus fahren die DRK-Mitarbeiter mit Lastwagen voll Equipment zu den vielen Entnahmeterminen, die das Jahr über in Schulen und Gemeindehäusern zwischen Petershagen und Warburg und zwischen Lügde und Versmold stattfinden.

Etwa zehn Minuten braucht ein halber Liter Blut, um meinen rechten Arm zu verlassen und einen Plastikbeutel zu füllen. Genug Zeit zum Reden. Tilman Eichler eröffnet mir, dass es diesmal nach der Blutspende den üblichen Imbiss zur Stärkung des Kreislaufs nicht geben werde. Kein Butterkuchen, keine Würstchen, keine Frikadellen, keine belegten Brötchen. Stattdessen dürfe ich ein Lunchpaket mitnehmen. Kreislaufstärkung to go.

Kein Imbiss

„Wir hatten gestern einen Blutspendetermin in Oelde”, erzählt Eichler. „Natürlich haben es die Blutspender vermisst, hinterher noch zusammenzusitzen. Zu essen, zu trinken und zu klönen, wie sie es seit Jahrzehnten kennen. Aber das geht eben aus Infektionsschutzgründen nicht mehr. Da war aber auch keiner, der das nicht eingesehen hätte.”

Etwa 800.000 Blutkonserven werden jedes Jahr im Bereich des DRK-Blutspendedienstes West gewonnen. Die etwa 400.000 Spender sind im Durchschnitt 40 Jahre alt. Aber die älteren über 60 Jahre spenden häufiger als die anderen. Frauen dürfen vier Mal im Jahr zur Ader gelassen werden, Männer sechs Mal.

Geschafft! Mein halber Liter Blut ist gut verpackt und wartet darauf, jemandem zu helfen.

Geschafft! Mein halber Liter Blut ist gut verpackt und wartet darauf, jemandem zu helfen. Foto: Althoff

Eine Sorge treibt das Deutsche Rote Kreuz um: Die Krankenhäuser haben in den letzten Tagen wegen Corona tausende planbarer Operationen abgesagt, und auch deshalb sind die Blutbanken des DRK im Moment gut gefüllt. „Wenn in den nächsten Tagen noch mehr Menschen Blut spenden, fehlen sie uns vielleicht in ein paar Wochen, wenn wir ihr Blut möglicherweise dringender brauchen”, sagt Claudia Müller. „Vielleicht ist es deshalb sinnvoll, ein, zwei Wochen später zu spenden.”

Der Beutel ist voll. Tilman Eichler befreit mich von der Nadel im Arm und presst einen Tupfer auf die Stelle. Sechs Wochen ist meine Blutspende jetzt haltbar. Wer sie wohl bekommen wird? Ein Unfallopfer? Oder ein Krebspatient?

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