Gefängnis: kein Hinweis auf geplantes Entweichen eines Gewalttäters Spontane Flucht?

Bad Salzuflen/Bielefeld (WB/ca). Die Justizvollzugsanstalt Werl (Kreis Soest) hat nach eigenen Angaben keinen Anhaltspunkt dafür, dass Daniel Vojnovic (31) seine Flucht geplant hatte.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

»Im Gegenteil«, erklärt der stellvertretende Anstaltsleiter Dr. Jörg-Uwe Schäfer. »Nach seinem Entkommen haben wir sein Zimmer durchsucht. Wir haben Schriftstücke gefunden, mit denen er die Genehmigung bestimmter Gegenstände beantragen wollte. Das spricht eher dafür, dass er sich spontan entschlossen hat, zu fliehen.« Etwas, das auf eine geplante Flucht hinweise, sei nicht entdeckt worden. Einen Zugang zum Internet habe Vojnovic nicht gehabt.

Der Bielefelder hatte seine Strafe (drei Jahre und acht Monate Haft wegen eines Schusses auf einen Türsteher) in der Justizvollzugsanstalt Aachen verbüßt und war dann, weil er weiter als gefährlich galt, nach Werl verlegt worden. Dort lebte er seit etwa einem Jahr in der Abteilung für Sicherungsverwahrte.

Daniel Vojnovic ist seit Mittwoch auf der Flucht. Foto: Polizei

Am Mittwoch nutzte er einen Besuch bei seinen Eltern in Bad Salzuflen, um zwei bewaffneten Justizvollzugsbeamten zu entkommen. Wie genau der Häftling floh – dazu äußert sich die Haftanstalt nicht, »weil der Fall noch intern untersucht wird«. Allerdings wurde bekannt, dass die Flucht den Bewachern wohl nicht sofort auffiel.

»Milieukontakte« über Flucht informiert

Aus seinem Elternhaus soll Daniel Vojnovic durch ein Fenster entwichen sein, was die Beamten aber nicht unmittelbar mitbekommen haben sollen. Sie wussten wohl zunächst auch nicht, ob er zu Fuß oder mit einem Auto auf der Flucht war. Als sich herausstellte, dass er den silbernen Opel Zafira seiner Eltern genommen hatte (LIP-NV 102), soll es zu spät für eine Verfolgung gewesen sein. Jörg-Uwe Schäfer: »Die Bewacher verfügten zwar über ihren Dienstwagen, aber sie kannten die Fluchtrichtung nicht. Deshalb sind sie nicht losgefahren.«

Die beiden Beamten haben inzwischen einen Bericht geschrieben, der jetzt der Direktion Strafvollzug im NRW-Justizministerium vorliegt. Ob die Flucht tatsächlich spontan war oder Vojnovic vielleicht Helfer hatte, versuchen Beamte des Polizeipräsidiums Bielefeld zu ermitteln. Sie haben außerdem mehrere Menschen, darunter die früheren »Milieukontakte« des Gesuchten, über dessen Flucht informiert.

Vojnovic war »unauffällig«

Zu Gerüchten, der 31-Jährige habe vor, Menschen zu töten, erklärten Sprecher des NRW-Justizministerium und der Haftanstalt Werl am Wochenende, sie hätten keine entsprechenden Erkenntnisse. Dr. Jörg-Uwe Schäfer: »Ich habe mit dem Therapeuten gesprochen, der Herrn Vojnovic bei uns betreut hat. Die beiden kamen gut miteinander klar, zumal der Therapeut ebenfalls serbisch spricht. Ihm gegenüber hat es keine entsprechenden Äußerungen gegeben.« Der Therapeut sei anderenfalls auch verpflichtet gewesen, irgendwelche Ankündigungen von Gewalt sofort zu melden. »Schweigepflicht hin, Schweigepflicht her.« Daniel Vojnovic sei unauffällig gewesen – »sonst hätte es auch keine Ausführung zu seinen Eltern gegeben.«

Insgesamt sind in Werl 140 Sicherungsverwahrte untergebracht – Männer, die ihre Strafe abgesessen haben, aber nach Einschätzung eines Gerichts weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Für gefährliche Frauen gibt es in Nordrhein-Westfalen keinen Platz – sie werden zum Beispiel in Frankfurt sicherungsverwahrt. Zu den wenigen Frauen gehört eine sadistische Mörderin aus Hüllhorst (Kreis Minden-Lübbecke). Sie hatte ihre Lebensgefährtin in Tunesien über Monate zu Tode gefoltert. Die sadistischen Neigungen der Frau sollen sich später auch im Gefängnis gezeigt haben.

Kommentare

Woher kamen die Hinweise..?

Das bei allen Erklräungsversuchen der JVA-Leitung seit Tagen zugrundeliegende Argument ist sinngemäß "das kann nicht sein, dann hätten wir ja falsch gehandelt" ist nicht tragfähig. Woher kamen denn nun die von zahlreichen Medien verbreiteten Hinweise darauf, dass eine Gefährdung für verschiedene Personen durch den Geflohenen besteht? Durch den Therapeuten, wie es zunächst hieß? Oder durch anderes Anstaltspersonal? Oder gab es, wie seitens der JVa angegeben wird, gar keine Hinweise?

Haarsträubend auch, dass die eingesetzten Beamten zunächst nichts bemerkten und auch erst später feststellten, dass der Sicherungsverwahrte (!) mit dem PKW seiner Eltern unterwegs ist...ohne Worte!

Nun bleibt zu hoffen, dass die Polizei ihn schnell fassen kann.

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