Ehemaliger Anwalt: »Er ist hochgefährlich und unberechenbar« – Eltern in Bad Salzuflen besucht Gewalttäter weiter auf der Flucht

Bad Salzuflen (WB). Der hochgefährliche Gewalttäter (31), der am Mittwoch in Bad Salzuflen (Kreis Lippe) zwei Justizvollzugsbeamten entkommen ist, ist weiter auf freiem Fuß.

Von Christian Althoff
2014: Polizisten am Tatort in Porta Westfalica.
2014: Polizisten am Tatort in Porta Westfalica. Foto: Christian Mathiesen

Er floh, wie berichtet, als er seine Eltern besuchen durfte. Eine Polizeisprecherin erklärte am Donnerstagmorgen: »Er ist noch unterwegs.« Alle bekannten Anlaufpunkte des Sicherungsverwahrten seien von der Polizei angefahren worden.

Das Landgericht Bielefeld hatte den Mann zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, die er vor einem Jahr abgesessen hatte. Er hatte es 2014 laut Gericht als »hochgradige Kränkung« empfunden, dass ein Bekannter ihn ignoriert hatte. Am Tag darauf war er nach Porta Westfalica gefahren, wo der Bekannte als Türsteher in einem Bordell arbeitete, und hatte auf ihn geschossen. Das Opfer überlebte. Der Schütze, vorbestraft wegen Raubüberfällen, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Gefahr für die Allgemeinheit

Weil der Mann weiter als Gefahr für die Allgemeinheit galt, kam er nach Verbüßung der Haft in die Sicherungsverwahrung, eine spezielle Abteilung der Justizvollzugsanstalt Werl (Kreis Soest). Dort lebte er in einer Wohngruppe. Sicherungsverwahrte haben den gesetzlichen Anspruch, viermal im Jahr das Gefängnis verlassen zu dürfen. »Dreimal wurde der Mann bereits ausgeführt«, sagt Jörg Uwe Schäfer, stellvertretender Leiter der JVA Werl. Dabei sei er gefesselt gewesen und habe sich unauffällig verhalten.

Die vierte Ausführung fand am Mittwoch ohne Fesseln statt. Zwei Beamte fuhren den Mann zu seinen Eltern nach Bad Salzuflen, wo sie gegen Mittag eintrafen. Schäfer sagte, dort habe sich der Mann plötzlich in seinem Elternhaus in einem Zimmer eingeschlossen und sei durch ein Fenster geflohen. Die Vollzugsbeamten hätten ihn nicht mehr fassen können. »Die Flucht war einfach nicht erwartbar.«

Die Polizei leitete eine Fahndung ein. Und sie warnte Menschen aus dem persönlichen Umfeld des Geflohenen, aufzupassen.

Die Justizvollzugsanstalt Werl ist die einzige in Nordrhein-Westfalen, die eine Abteilung für Sicherungsverwahrte hat. Hier sollen gefährliche Menschen, die ihre Strafe verbüßt haben, ein weitgehend normales Leben führen – allerdings hinter Gittern. Im Moment sind in Werl 860 Häftlinge und 140 Sicherungsverwahrte untergebracht.

Kommentare

Besuch am falschen Ort

Ich finde es zweifelhaft, dass ein als hoch gefährlich eingestufter Häftling seine Eltern außerhalb der JVA besuchen darf. Bei anderen Verurteilten mag es ja ok sein. Wäre es nicht möglich, dass die Eltern ihn IN DER JVA besuchen wie viele andere es auch tun? Konnten die Verantwortlichen den Mann so wenig einschätzen?

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