Alba Moda: Neuer Besitzer will 227 Mitarbeiter entlassen »Otto... fand ich gut!«

Bad Salzuflen (WB). Das Unternehmen Alba Moda aus Bad Salzuflen, das die Otto-Group zum 1. März an die Pforzheimer Klingel-Gruppe verkauft hat, steht vor einer Massenentlassung. Um einen Sozialplan wird heftig gestritten.

Von Christian Althoff
47 Alba-Moda-Mitarbeiter demonstrierten vor der Otto-Zentrale in Hamburg. Von der Otto-Group und Klingel gab es keine Stellungnahme zu den geplanten Entlassungen in Bad Salzuflen.
47 Alba-Moda-Mitarbeiter demonstrierten vor der Otto-Zentrale in Hamburg. Von der Otto-Group und Klingel gab es keine Stellungnahme zu den geplanten Entlassungen in Bad Salzuflen.

227 Mitarbeitern in Verwaltung, Lager und Logistik droht kurzfristig die Kündigung. 96 Arbeitsplätze, vor allem im Einkauf, Internethandel und im Outlet-Center, sollen erhalten bleiben.

Das Versandhaus für Damenmode soll seit Jahren Verluste im einstelligen Millionenbereich machen. Einige Probleme gelten als hausgemacht. Die Verwaltung soll aufgebläht sein, und immer wieder wurden Kunden vertröstet, weil Katalogware nicht lieferbar war. Versuche Ottos, durch Wechsel im Management und andere Maßnahmen die schwarze Null zu erreichen, waren erfolglos.

Symbolischer Preis von einem Euro

Die Pforzheimer Klingel-Gruppe kaufte Alba Moda im März nach WESTFALEN-BLATT-Informationen zu einem symbolischen Preis von einigen Euro. Dafür übernahm Klingel den Namen Alba Moda, die Mitarbeiter und den Warenbestand. Otto (12,1 Milliarden Euro Umsatz und 187 Millionen Euro Gewinn 2015) war den Verlustbringer los, behielt aber die Immobilien.

Wenige Tage vor dem Deal trat Alba Modas Betriebsratsspitze zurück, und die zweite Reihe musste in der Krise in ihre neue Rolle finden. Das habe sie »schnell und gut« getan, lobt Heinz Henning von der Gewerkschaft Verdi in Herford.

Die Betriebsräte Annika Schrötter und Hartmut Laabs erheben nun Vorwürfe gegen die Otto-Group, »weil die sich immer ihrer sozialen Verantwortung gerühmt hat«, wie Schrötter sagt. Der Betriebsrat hat den Mindener Arbeitsrechtler Sebastian Peters engagiert. Der sagt: »Den Mitarbeitern war seit Jahren klar, dass es einen Einschnitt geben wird.

Kein Euro für die Abfederung

Protokolle belegen, dass Otto ihnen für diesen Fall versichert hat, man sei sich seiner sozialen Verantwortung bewusst. Jetzt zeigt sich aber, dass Otto keinen einzigen Euro dafür vorgesehen hat, die Massenentlassung abzufedern.« Peters beruft sich auf eine Erklärung des Klingel-Managements, man habe von Otto kein Geld für einen Sozialplan erhalten. Der Anwalt geht davon aus, dass das stimmt.

Zwar durfte er den Kaufvertrag nicht einsehen, doch wurden zwei Nachfragen der Gewerkschaft Verdi an die Otto-Zentrale in Hamburg, was nun mit der sozialen Verantwortung sei, »brüsk beantwortet«, wie Heinz Henning sagt. »Der zweite Brief kam schon nicht mehr von Otto, sondern von einer Anwaltskanzlei.«

»Otto... fand ich gut!«

Und so fuhr Verdi mit 47 Mitarbeiterin zur Otto-Zentrale und demonstrierte mit Plakaten »(Otto... fand ich gut!«). Schrötter: »Ein Gespräch mit einem Vorstand gab es aber leider nicht.«

Der Interessenausgleich, also Verhandlungen des Betriebsrats mit Klingel, um eine weniger drastische Umstrukturierung zu erreichen, ist gescheitert. Jetzt geht es um den Sozialplan. Das Abfindungsangebot für die Mitarbeiter, die zum Teil Jahrzehnte für die Otto-Group gearbeitet haben, soll weniger als ein Drittel Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr betragen.

Das will der Betriebsrat nicht akzeptieren. Je drei Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter verhandeln deshalb von heute an unter Vorsitz von Dr. Klaus Schmidt, der bis 2006 Präsident des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz war, in Bad Salzuflen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.