»Kinder in Not«: Spenden veruntreut oder Bedürftigen geholfen? Urteil rückt in weite Ferne

Lemgo/Bad Salzuflen (WB). Im Prozess gegen die beiden ehemaligen Vorsitzenden des Vereins »Kinder in Not« ist mit einem schnellen Urteil nicht zu rechnen. Nach dem Prozessauftakt am vergangenen Dienstag vor dem Amtsgericht Lemgo gab es gestern eine weitere Zeugenbefragung.

Von Christina Ritzau
Dieses Bild von Reinhard K. entstand im März 2013. Damals ließ er sich noch fotografieren, heute will er nicht erkannt werden.
Dieses Bild von Reinhard K. entstand im März 2013. Damals ließ er sich noch fotografieren, heute will er nicht erkannt werden. Foto: Christian Althoff

Den beiden ehemaligen Vereinsvorsitzenden Reinhard K. (56) und Jörg K. (51) aus Bad Salzuflen wird vorgeworfen, insgesamt mehr als 28 000 Euro aus der Vereinskasse für ihre privaten Zwecke gebraucht zu haben. Gestern sollte der zuständige Finanzermittler der Polizei durch seine Aussage Aufschluss über den Verbleib von hohen Bargeldsummen geben. Darüber hatte der Beamte jedoch keine Informationen.

»Es kann nicht belegt werden, ob nicht doch Geld für wohltätige Zwecke ausgegeben worden ist, und wenn ja, wieviel«, erklärte Hermann Langenhop, Verteidiger von Reinhard K. Jetzt müssten die Finanzen aufs Neue überprüft werden. Einen Fortsetzungstermin in dem Prozess werde es daher vermutlich nicht so bald geben.

Veruntreuung bestritten

Bereits am ersten Verhandlungstag hatten die beiden Männer bestritten, das Geld für sich selbst verwendet zu haben. Es sei für den Verein ausgegeben und zum Teil an Bedürftige verteilt worden – lediglich die Belege fehlten. Einige Taten hatten die beiden Angeklagten jedoch gestanden. Jörg K. gab zu, in einem Fall 2000 Euro vom Vereinskonto genommen und behalten zu haben. Reinhard K. räumte ein, Kaufverträge für ein Vereinsauto sowie für Kleiderständer zu seinen Gunsten gefälscht zu haben.

Nach Einschätzung seines Verteidigers hätte Reinhard K. bisher mit einer Haftstrafe von drei Jahren rechnen müssen. Dass nicht eindeutig widerlegt werden kann, dass ein Teil des Geldes an Bedürftige ausgezahlt wurde, komme seinem Mandanten zu Gute. Hermann Langenhop vermutet aber, dass Reinhard K. allein aufgrund der gefälschten Verträge mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren rechnen müsse.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.