Das WESTFALEN-BLATT öffnet im Advent Türen: Tierkrematorium Phönix gewährt Einblicke
Mit Würde Abschied nehmen

Willebadessen -

Über den Tod spricht man nicht gerne. Ob es nun um den Verlust eines geliebten Menschen oder eines Haustieres geht. Für Michael Flore ist der Tod kein Tabuthema. Er zeigt Interessierten gerne sein Tierkrematorium in Peckelsheim. Auch für den Adventskalender des WESTFALEN-BLATTES gewährt er Einblicke.

Mittwoch, 09.12.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 12:18 Uhr
Hier müssen die Besitzer endgültig Abschied von ihrem geliebten Tier nehmen. Michael Flore und seine fünf Mitarbeiter sorgen stets für einen würdevollen Abschied. „Zurzeit dürfen die Besitzer wegen der Corona-Pandemie bei der Einfahrt nicht dabei sein. Auch der Trauerraum darf momentan nicht genutzt werden“, bedauert der Chef des Tierkrematoriums. Foto: Silvia Schonheim

„2008 haben wir das Tierkrematorium Phönix eröffnet. Damals war es das vierte in ganz Deutschland. Heute gibt es 26“, erzählt der 65-Jährige. Der gelernte Herrenschneidermeister und studierte Betriebswirt hatte vor der Gründung bereits Erfahrung mit der Feuerbestattung – allerdings von Menschen. Er hat von 2002 bis 2008 das Krematorium in Diemelstadt geleitet.

Heute kümmert er sich um die zurückgebliebenen Menschen, die um ein geliebtes Tier trauern: „Es ist ein schöner Beruf. Das Tier ist ein Familienmitglied.“ Die Menschen könnten vor Ort sehen, dass es einen würdevollen Abschied für ihren Weggefährten gibt.

„Der kleinste Körper, den wir bislang einzeln eingeäschert haben, war eine Rennmaus“, berichtet der Geschäftsführer. Die größte Einzeleinäscherung sei ein Tiger mit 180 Kilogramm gewesen. „Insgesamt haben wir bereits drei Zirkus-Tiger eingeäschert“, sagt der Peckelsheimer. Die Kremierung solcher artengeschützter Tiere bedeute stets einen großen bürokratischen Aufwand. „Jeder Kreis, durch den das tote Tier transportiert wird, muss eine Transportgenehmigung erteilen“, erklärt er.

20 Tiere werden pro Tag eingeäschert

Etwa 20 Tiere – von der Maus über die Katze bis zum Hund – werden in Peckelsheim pro Tag eingeäschert, einzeln oder als Sammeleinäscherung. Der Ofen, der sich hinter der Einfahrt verbirgt, ist riesig. Er wiegt 40 Tonnen und wird mit Erdgas betrieben. Im Inneren herrschen mehr als 800 Grad. „Am Ende bleiben nur mineralische Bestandteile des Körpers übrig“, erläutert der Chef. Der Prozess der Einäscherung werde strengstens überwacht – genauso wie die Filteranlage.

Die Technik hinter dem Krematorium ist die eine Seite der Arbeit. Die Betreuung der Besitzer, die um ihr Tier trauern, die andere. „Das ist schon oft sehr traurig. Deshalb ist es gut, wenn die Menschen sich vor dem Tod ihres Tieres informieren. Und das machen immer mehr. Das erleichtert dann im Trauerfall die Arbeit“, weiß der Peckelsheimer.

Stets offen für Gäste

Wer sein verstorbenes Tier einzeln einäschern lässt, kann die Asche etwa in einer Urne mit nach Hause nehmen oder die Asche kann auf dem angrenzenden Urnenfriedhof beigesetzt werden. „Die meisten Besitzer entscheiden sich dafür, die Asche auf einer Streuwiese zu verteilen“, erklärt Flore. Das geschieht auch mit der Asche, die am Ende einer Sammelkremierung übrig bleibt.

Flore: „Unser Gelände ist stets offen für Gäste. Am Wochenende treffe ich viele Leute, die hier spazieren gehen – oft auch mit ihrem neuen Hund.“

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