Benjamin Ortmann in Willebadessen entpflichtet – Aufregung um Facebook-Foto
Wehrführer nicht mehr im Amt

Willebadessen (WB). Die Willebadessener Feuerwehr hat keinen Leiter mehr. Bürgermeister Hans Hermann Bluhm ist der Bitte von Benjamin Ortmann nachgekommen und hat den Ehrenbeamten der Feuerwehr von seinem Amt als Wehrführer entpflichtet. Das sagte Bluhm dem WESTFALEN-BLATT. Ortmann habe nachdrücklich auf seine Entpflichtung bestanden und sei damit im Recht.

Mittwoch, 05.08.2020, 23:49 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 08:56 Uhr
Die Leiter der Feuerwehr Willebadessen, Benjamin Ortmann (links), und sein Stellvertreter, Michael Rüsing (rechts), haben den SPD-Bürgermeisterkandidaten Mario Schmidt in Uniform und mit einem Feuerwehrauto zu Hause besucht. Schmidt ließ anschließend dieses Gruppenfoto machen und postete es auf seinem Facebook-Wahlkampfkonto. Das sorgte für Aufregung.

Wie berichtet, hatte Benjamin Ortmann schon vor Monaten seinen Rücktritt eingereicht und um Entpflichtung gebeten. Nach dem Willen der Stadt Willebadessen, die Träger der Freiwilligen Feuerwehr ist, sollte er aber als Wehrführer im Amt bleiben, solange es keinen Nachfolger gibt. Grund für die nun doch erfolgte Entpflichtung Ortmanns ist offenbar ein Schreiben, das ein Anwalt im Auftrag von Ortmann verfasst hatte, um seiner Forderung juristisch Nachdruck zu verleihen. Wohl mit Erfolg. „Innerhalb von einer Woche kam die Antwort des Bürgermeisters“, berichtete Ortmann dieser Zeitung. Am vergangenen Montag erst sei er von seinem Anwalt darüber informiert worden, dass Bluhm ihn von seinem Amt als Leiter der Willebadessener Feuerwehr entpflichtet habe. „Für die Feuerwehr ist es sicherlich schade, aber für mich persönlich war es der richtige Weg“, sagte er.

Ärger in den Sozialen Medien

Unklar ist, wer künftig an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr stehen wird. Ortmanns bisheriger Stellvertreter Michael Rüsing soll kommissarisch die Wehr leiten, bis ein Nachfolger gefunden wird.

Sowohl Benjamin Ortmann als auch Michael Rüsing waren zuletzt auch in den Reihen der Feuerwehr in die Kritik geraten, als sie in Uniform und mit einem Feuerwehrauto den SPD-Bürgermeisterkandidaten Mario Schmidt zu Hause besucht hatten. Dort sollen sie mit Schmidt über die Situation der Wehr gesprochen haben. Schmidt ließ anschließend ein Gruppenfoto machen und postete es am 8. Juli auf seinem Facebook-Wahlkampfkonto. Das Foto sorgte für Ärger in den Sozialen Medien.

Unparteiisch sein

Kritiker sehen darin einen Verstoß gegen die Verordnung über das Ehrenamt in den Freiwilligen Feuerwehren (VOFF) im Land Nordrhein-Westfalen. Denn Paragraph zwölf, Absatz eins („Pflichten der Mitgliedschaft”) regelt, dass Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr ihre Aufgaben unparteiisch und zum Wohle der Allgemeinheit erfüllen müssen.

Mario Schmidt erklärte dem WESTFALEN-BLATT auf Anfrage, dass er Ortmann um ein Gespräch gebeten und auch eingeladen habe. Er habe wissen wollen, wo bei der Wehr der Schuh drückt. Dass die Feuerwehrleute in Uniform und mit Dienstwagen kommen, habe er vorher nicht gewusst. Als sie dann da waren, habe er sich aber auch nichts dabei gedacht.

„Ich habe keine Verletzungsgefahr der Neutralität gesehen”, sagte Schmidt. „Keiner von ihnen hat ja auch gesagt: Wählt Schmidt. Es war ein gemütliches Gespräch und am Ende haben wir ein Foto gemacht.” Ortmann habe ihm dabei erklärt, dass er mit dem Feuerwehrfahrzeug ohnehin hin und her fahre. Das sei aufgrund von Corona so angeordnet worden.

Ohnehin auf Dienstfahrt

Das bestätigte auch Ortmann auf Nachfrage dieser Zeitung. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie seien er und sein Stellvertreter an besagtem Tag Anfang Juli mit dem Wagen unterwegs gewesen, um in den Feuerwehrgerätehäusern nach dem Rechten zu sehen. Auf dem Weg habe man dabei auch bei Schmidt angehalten.

Willebadessens Bürgermeister Hans Hermann Bluhm wertet den Besuch der Feuerwehrleute bei Schmidt zu Hause nicht als Verstoß gegen die Verordnung. „Der Dienstwagen ist an diesem Tag aus Einsatzgründen bewegt worden. Das haben mir die beiden Ehrenbeamten glaubhaft versichert“, sagte Bluhm. „Für mich ist die Sache damit erledigt.“ Er habe die Unterredung jedoch zum Anlass genommen, noch einmal daran zu erinnern, dass Mitglieder der Wehr ihre ehrenamtliche Arbeit unparteiisch verrichten müssten. Die Entpflichtung von Ortmann stehe in keinem Zusammenhang mit dem umstrittenen Foto auf der Facebook-Seite von Schmidt.

Nachfolger nicht in Sicht

Noch sei nicht in Sicht, wer künftig die Willebadessener Feuerwehr leiten wird. „Einen Nachfolger für Ortmann gibt es noch nicht“, erklärte Bluhm. Seitens der Stadt würden dafür aber keine Vorschläge gemacht. „Ich hoffe darauf, dass die Feuerwehr jemanden vorschlägt.“ Benjamin Ortmann sieht dagegen die Stadt Willebadessen in der Pflicht. „Es ist Sache des Trägers, einen neuen Leiter vorzuschlagen, nicht die der Feuerwehr“, so Ortmann.

Lange Vorgeschichte

2016 war Ortmann Feuerwehrchef geworden. Er trat die Nachfolge von Norbert Scherf an, der Ende 2015 aus gesundheitlichen Gründen nach neun Jahren im Amt zurückgetreten war.

Im Sommer 2017 hatte die komplette Leitung der Feuerwehr Willebadessen um ihre vorzeitige Entpflichtung gebeten. Da kein Nachfolger feststand, blieb Ortmann im Amt. Die Suche nach einem Nachfolger blieb erfolglos. Im Frühjahr 2018 stellte sich der Niesener erneut als Leiter der Wehr zur Verfügung.

Im November 2019 bat Ortmann erneut um seine vorzeitige Entpflichtung. Sobald ein neuer Kandidat feststeht, werde Ortmann entpflichtet, hatte Bluhm damals noch mit Verweis auf das Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) gesagt.

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