Info-Tafeln laden an Alter Eisenbahn zum Wandern ein
Auf Zeitreise in Willebadessen

Willebadessen/Lichtenau (WB). Mitten in der Egge zwischen Willebadessen und Lichtenau können sich Wanderer auf eine Zeitreise begeben. Dort, wo im 19. Jahrhundert ein Tunnel entstehen sollte, stehen nun Informationstafeln, Stahl-Stelen und ein Hörmöbelstück – Sie machen das beliebte Bodendenkmal Alte Eisenbahn nach etwa 170 Jahren endlich erfahrbar.

Donnerstag, 11.06.2020, 06:56 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 07:00 Uhr
Sechs lebensgroße Stahl-Stelen, die Arbeiter des 19. Jahrhunderts zeigen, und fünf Info-Tafeln weisen Wanderern ab sofort den Weg. Darüber freuen sich (von links) Dr. Fritz Jürgens, Prof. Dr. Ulrich ­Müller (beide CAU), Sabine Warm (EGV Willebadessen), Hans Hermann Bluhm (Bürgermeister Willebadessen), Nils Wolpert (LWL) und Birgit Griese-Lödige (Naturpark Eggegebirge/Teutoburger Wald). Foto: Daniel Lüns

Am Mittwoch weihten Organisatoren, Wegbegleiter und Gäste die neuen Materialien vor Ort offiziell ein. „Ich freue mich sehr. Was hier entstanden ist, ist einmalig in der Region“, begrüßte Willebadessens Bürgermeister Hans Hermann Bluhm die Anwesenden. Jetzt falle der Startschuss für die Aufgabe, das Projekt dauerhaft touristisch zu bewerben.

Hörstation

Dr. Fritz Jürgens von der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) und Nils Wolpert vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hatten die Alte Eisenbahn jahrelang erforscht. Im Jahr 2016 hatten sie vor Ort ihre erste Grabung begonnen. „Damals noch zu Dritt. Mit einem rostigen Astra, wo die Schaufeln hinten drin lagen“, scherzte Jürgens. Das Projekt stieß regional aber auch international rasch auf großes Interesse – Und wurde immer größer.

Die CAU nutzte das Areal mehrfach für Lehrgrabungen, Jürgens und Wolpert waren als Grabungsleiter im Einsatz. Der geflutete westliche Einschnitt wurde sogar von Tauchern untersucht . 2018 endete die letzte Ausgrabung . Seitdem werden die Willebadessener Funde in Kiel analysiert.

Zudem arbeiteten die Forscher daran, die Eisenbahn sichtbar zu machen. Sie entwarfen die Info-Tafeln und die Stahl-Stelen, die lebensgroße Arbeiter des 19. Jahrhunderts zeigen. „Wir freuen uns, dass wir etwas hinterlassen können“, sagte Dr. Fritz Jürgens. Gemeinsam mit diversen Beteiligten wie der Stadt Willebadessen und dem Naturpark Eggegebirge/Teutoburger Wald wurde das Projekt schließlich umgesetzt.

Fotos und Zeichnungen

Nun empfängt ein Hörmöbelstück die Reisenden am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn. Dort kann man der Geschichte des Bodendenkmals auch lauschen. Auch digital wird das Angebot erstellt: unter www.teutoburgerwald.de/geschichten oder über die kostenlose App „Hearonymus“ soll die Geschichte auch auf dem Smartphone hörbar sein.

Auf dem Weg zum westlichen Einschnitt der Alten Eisenbahn stehen zudem vier Tafeln. Neben Informationen zum aufgegebenen Großprojekt finden sich dort auch Fotos und Zeichnungen. Die Tafeln werden von den Stelen umrahmt. Eine weitere Tafel und eine Stele stehen am Bahnhof.

Auch das Umfeld am Wanderparkplatz wurde neu gestaltet. An der neuen Wanderhütte prangt nun eine Wandertafel, die auch auf andere Ziele in Willebadessen hinweist. Zudem wurde der Parkplatz neu geschottert. In Zusammenarbeit mit CAU, LWL, Naturpark und Stadt Willebadessen wurde auch ein Flyer zur Alten Eisenbahn gedruckt.

Neue Wanderhütte

„Auch für uns ist das hier ein Startschuss“, erklärte Birgit Hübner, Geschäftsführerin des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge. „Für uns ist das Projekt nicht erledigt. Es muss weiterverfolgt werden.“ Zunächst werde die Alte Eisenbahn auf der Internetseite des Naturparks beworben. Auch soll es auf den neuen Erlebniskarten stehen, hatte ihre Kollegin Birgit Griese-Lödige erklärt.

Prof. Dr. Ulrich Müller, Dozent von Dr. Fritz Jürgens, ordnete die Alte Eisenbahn vor Ort noch einmal ein. „Dieses Bauprojekt steht heutigen Mammutprojekten in nichts nach“, erklärte er. Zudem habe die „Adler“, die erste in Deutschland eingesetzte Lokomotive, ihre Fahrt von Nürnberg nach Fürth erst elf Jahre zuvor absolviert. „Der Tunnelbau war also ein hochinnovatives Projekt.“ Dessen Überreste nun so zu vermitteln, dass andere daran teilhaben könnten, sei die „Königsdisziplin“.

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