Geistlicher im Kreis Höxter beurlaubt – Zehn Verfahren wegen Verjährung eingestellt Missbrauchs-Anzeige gegen Pfarrer

Paderborn (WB). Bei der Staatsanwaltschaft Paderborn ist am Dienstag ein Schreiben des Erzbischöflichen Generalvikariats eingegangen. Darin informiert die Kirche die Ermittlungsbehörde über Missbrauchsvorwürfe, die jemand gegenüber einem Geistlichen aus dem Kreis Höxter erhoben hat. Die betroffenen Kirchengemeinden wurden am vergangenen Sonntag informiert, dass der Pfarrer während der Ermittlungen beurlaubt sei.

Von Christian Althoff
Die Kirche hat bei der Staatsanwaltschaft Paderborn Anzeige gegen einen Pfarrer aus dem Kreis Höxter erstattet. Ob der Fall jemals vor Gericht kommt, lässt sich noch nicht absehen. Vieler solcher Verfahren werden wegen Verjährung eingestellt.
Die Kirche hat bei der Staatsanwaltschaft Paderborn Anzeige gegen einen Pfarrer aus dem Kreis Höxter erstattet. Ob der Fall jemals vor Gericht kommt, lässt sich noch nicht absehen. Vieler solcher Verfahren werden wegen Verjährung eingestellt. Foto: Hannemann

Mit der Anzeige kommt die Kirche ihrer neuen Selbstverpflichtung nach, alle Verdachtsfälle von staatlichen Ermittlern prüfen zu lassen. Benjamin Krysmann, Sprecher des Erzbistums, erklärte, die Vorwürfe bezögen sich „auf einen länger zurückliegenden Zeitraum“. Nähere Angaben machte er nicht, auch um das mutmaßliche Opfer und den Geistlichen zu schützen. Ob die Vorwürfe verjährt sind, ob sie zutreffen – alles das werden Staatsanwaltschaft und Polizei in den kommenden Monaten zu klären versuchen.

2018 hatte das Erzbistum Paderborn eine Missbrauchsstudie veröffentlicht. Dazu hatte die Kirche die Personalakten von 2500 Klerikern von 1946 bis 2014 ausgewertet. Es stellte sich heraus, dass in dieser Zeit 111 Geistliche des Missbrauchs beschuldigt worden waren. 197 mutmaßliche Opfer waren in den Akten vermerkt, die meisten männlich. 87 mutmaßliche Täter waren bereits tot.

Ermittlungen

Oberstaatsanwalt Christoph Zielke von der Staatsanwaltschaft Paderborn: „Wir haben vergangenes Jahr eine Liste der 111 Beschuldigten angefordert. Nach Streichen der Verstorbenen und der Geistlichen, bei denen die Vorwürfe schon strafrechtlich untersucht worden waren, blieben elf Beschuldigte übrig. Gegen zwei von ihnen wurden mehrere Verfahren eingeleitet.“

Zwei Ermittlungsverfahren betrafen die räumliche Zuständigkeit der Paderborner Behörde, elf Verfahren wurden an sechs andere Staatsanwaltschaften abgegeben.

Inzwischen sind die meisten dieser Ermittlungen beendet. Wegen Verjährung eingestellt wurden Verfahren in Paderborn (2), Hagen (2), Siegen (1), Dortmund (1), Bochum (1), und Arnsberg (3). Ein weiteres Verfahren wurde in Dortmund eingestellt, weil die geschilderten Taten („unangenehme Umarmungen während einer Romfahrt mit Jugendlichen“) nicht als strafrechtlich relevant galten.

Noch nicht beendet sind die Ermittlungen in zwei Fällen in Bochum und Bielefeld. Oberstaatsanwalt Paul Jansen aus Bochum: „In unserem Fall hat das mutmaßliche Opfer Hinweise auf eine weitere Frau gegeben, die ebenfalls missbraucht worden sein soll. Wir kennen bisher aber nur ihren Vornamen und versuchen noch, sie zu finden.“

Verjährungsfrist

„Viele der von den mutmaßlichen Opfern geschilderten Vorgänge sollen vor langer Zeit geschehen sein“, sagt Oberstaatsanwalt Christoph Zielke. Deshalb sei es mit einem gewissen Aufwand verbunden zu prüfen, ob eine Tat bereits verjährt sei. „Früher begann die Verjährungsfrist mit dem 18. Geburtstag des Opfers zu laufen. 2013 wurde das auf den 21. Geburtstag hochgesetzt.“ Dann nahm der Gesetzgeber die Belange der Opfer noch mehr in den Blick, und seit 2015 beginnt die Verjährungsfrist erst mit dem 30. Geburtstag.

Die Länge der Frist hängt von der Tat ab: Verjährung tritt erst nach 20 Jahren bei Taten ein, für die das Gesetz mehr als zehn Jahre Haft vorsieht. Zehn Jahre läuft die Verjährungsfrist bei Verbrechen, auf die fünf bis zehn Jahre Gefängnis stehen. Und fünf Jahre Verjährungsfrist gilt, wenn eine Strafe zwischen einem Jahr und fünf Jahren vorgesehen ist.

Diese Vorschriften bedeuten: Wird heute ein Kind Opfer von schwerem sexuellen Missbrauch, kann das Opfer noch kurz vor seinem 50. Geburtstag Anzeige erstatten. Allerdings kann im Laufe der Jahre die Chance für eine Verurteilung sinken, weil detaillierte Erinnerungen von Opfern und möglichen Zeugen zu verblassen drohen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7209843?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851059%2F