KPV der CDU diskutiert mit Professor Gerhard Henkel
»Nur das Dorf kann das Dorf retten«

Willebadessen (WB). Viele Dörfer haben Probleme. Geschäfte und Banken schließen, Kneipen sterben, junge Leute wandern ab in die Städte. Mitglieder der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU (KPV) haben jetzt mit Professor Gerhard Henkel diskutiert, wie den Problemen begegnet werden kann. Henkels These: Die Lösung für die Probleme liegt im Dorf selbst.

Mittwoch, 06.11.2019, 11:31 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 11:34 Uhr
»Rettet das Dorf«: Mit seinem Buch will Professor Gerhard Henkel (vorne) wach rütteln. Mit ihm diskutierten in Willebadessen (von links) KPV-Bezirksvorsitzender Meinolf Päsch, Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln und KPV-Kreisvorsitzender Werner Dürdoth.

Der oft als »Anwalt der Dörfer« beschriebene Wissenschaftler rechnete im Hotel am Schlosspark in Willebadessen mit der großen und kleinen Politik ab, die Schuld an der Misere sei. Für den aus Fürstenberg (Kreis Paderborn) stammenden Geografen und emeritierten Professor der Universität Duisburg-Essen (76) steht fest: Eine große Verantwortung für den Niedergang vieler Dörfer trägt die Politik der 70er-Jahre.

Forschung zur Dorfentwicklung seit fast 50 Jahren

Konkret nennt Henkel, der seit fast 50 Jahren zum Thema Dorfentwicklung forscht, die Kommunale Neugliederung 1975 und das Landesentwicklungsgesetz in NRW, ebenfalls aus den 70er-Jahren. »Bei der kommunalen Gebietsreform wurde den vielen Engagierten in den Dörfern gesagt, dass ihre Arbeit wertlos sei«, kritisierte Professor Henkel. 300.000 Ehrenamtliche seien ins Private geschickt worden. »Heute sucht man sie.«

Lebendige Dörfer mit einer lebendigen kommunalpolitischen Kultur seien zu Ortsteilen degradiert worden, in denen kaum noch etwas entschieden werden dürfe. Durch eine Mischung aus Ignoranz und Arroganz sei so eine Basis der Demokratie zerstört worden. Ehemals in den Dörfern politisch engagierte Menschen seien bevormundet und gegängelt worden, kritisierte Professor Henkel.

»Städtebaulich auf nichts Rücksicht genommen.«

Gleiches gelte für Dorferneuerungsprogramme, mit denen die in vielen Fällen gewachsenen Strukturen in Trabantenorte hätten umgewandelt werden sollen. »Wenn man das heute liest, fragt man sich, ob die Drogen genommen haben«, wird Professor Henkel deutlich.

Der Wert alter Bausubstanz für die Identität der Dörfer sei nicht erkannt worden. Man haben »städtebaulich auf nichts Rücksicht genommen«, analysiert Professor Henkel. Das alles habe nur eine Botschaft vermittelt: »Ihr seid wertlos!« Diese einschneidenden Faktoren, die es auch im Kreis Höxter gab, hätten großen Anteil am Dorfniedergang: »In Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein, in denen es keine kommunale Neugliederung gegeben hat, ist die Basis in den Dörfern besser.«

In Dörfern auch viel Positives entdeckt

Doch Professor Henkel blickt trotz aller Schelte auf die Politik der 70er nach vorn – und entdeckt in den Dörfern viel Positives. Mittlerweile habe sich die technische Infrastruktur gut entwickelt, es gebe Sport- und Freizeitmöglichkeiten, Dorfbewohner seien auch Globetrotter und damit sei auch die Moderne auf dem Dorf angekommen. 

»Die Leute lieben ihr Dorf. Für viele ist es wieder die Basis, auch wenn sie zum Arbeitsplatz über weite Strecken pendeln müssen«, analysiert Professor Henkel.

  • Gerhard Henkel: »Rettet das Dorf!: Was jetzt zu tun ist«, dtv Verlagsgesellschaft, 320 Seiten, 22 Euro.

Die Kommunalpolitische Vereinigung

  • Die Kommunalpolitische Vereinigung der CDU und CSU Deutschlands ist der Dachverband der 16 Landesvereinigungen. Seit 1948 vertritt die KPV die Interessen von inzwischen rund 75.000 Amts- und Mandatsträgern der Union. Die KPV hat gemäß ihrer Satzung die Aufgabe, die Grundsätze und Ziele der CDU und CSU in der Kommunalpolitik zu vertreten und zu verwirklichen. Die KPV vertritt alle der CDU und CSU angehörenden Mitglieder der Vertretungskörperschaften von Städten, Gemeinden, Gemeindeverbänden, Landkreisen, Einrichtungen der kommunalen Gemeinschaftsarbeit und von sonstigen kommunalen Gebietskörperschaften. Grundlegende Ziele hierbei sind die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung als wichtige verfassungsrechtliche Garantie sowie – damit eng verbunden – die Sicherung der kommunalen Finanzautonomie. Bundesvorsitzender des KPV ist der Beverunger Bundestagsabgeordnete Christian Haase, der als ehemaliger Bürgermeister als Experte für Kommunales gilt

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7046098?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851059%2F
Geburtstagsfeier: Fast 1000 Schüler und Lehrer in Quarantäne
Nach der Familienfeier steigen die Coronazahlen weiter. Aktuell sind zehn Schulen betroffen. Foto: Bernhard Pierel
Nachrichten-Ticker